Der Sozialismus wird kommen
Die kapitalistische Marktwirtschaft wird in den nächsten zehn Jahren wohl schrittweise verschwinden. Unternehmen ohne Nachfolger sind ein Indiz dafür, dass unternehmerische Tätigkeit heute nicht mehr als attraktiv angesehen wird. Das liegt nicht so sehr an den Steuern, sondern vielmehr daran, dass Fixkosten immer höher werden und Umsätze stagnieren oder zurückgehen. Die Preise sind heutzutage zu hoch für Geringverdiener und zu niedrig, um Fixkosten zu decken.
Die Löhne und Lohnnebenkosten sind heutzutage zu niedrig für einen vernünftigen Lebensstandard und zu hoch für den internationalen Wettbewerb. Der Lohn wurde erfunden, um einfache Tätigkeiten zu finanzieren. Ein Bäcker wird nach der Anzahl seiner produzierten Brötchen bezahlt. Welcher Lohn ist beispielsweise für einen Buchhalter, Lehrer oder Personalsachbearbeiter angemessen? Es gibt immer mehr Berufe, deren Arbeitsergebnis sich nicht in Geldeinkeiten ausdrücken lässt. Je höher die Produktivität, desto höher ist das vorausgesetzte Bildungsniveau, und das muss durch den Staat finanziert werden. Wir haben also einen steigenden Anteil staatlicher Leistungen am Bruttoinlandsprodukt, so dass die Lohnarbeit (Lohn proportional zur Arbeitsleistung) für viele Beschäftigte nicht mehr passt. Wir haben eine ständig zunehmende innerbetriebliche Bürokratie, wo die Mitarbeiter nach abgesessenen Stunden bezahlt werden. Trotz dieser wachsenden Bürokratie haben wir auch eine wachsende Arbeitslosigkeit gerade auch unter Hochqualifizierten.
Früher diente die Marktwirtschaft zur Überwindung von Knappheit, heute geht es darum, die Konsumenten mit Werbung für überflüssige Produkte zu belästigen. Würde man auf die ganze Werbung verzichten und alle Produkte zu Herstellungskosten (plus 10-20%) verkaufen, so wäre allen gedient - die Konsumenten könnten preiswerter einkaufen und würden nicht mehr durch Reklame belästigt werden.
Der Sozialismus in den osteuropäischen Staaten hat es geschafft, das Lebensniveau seiner Gründungszeit (1950er Jahre) zu halten oder sogar zu steigern. Im Vergleich zu 1990 gibt es heutzutage deutlich bessere Überwachungs- und Steuerungsverfahren (Internet, ERP, RFID-Chips, Videoüberwachung). Viele Unternehmen praktizieren schon heute eine Art von Planwirtschaft mit variablen Produktionsmengen.
Venezuela ist aufgrund seiner kulturellen Gegebenheiten vielleicht nicht das geeignete Land, um eine sozialistische Gesellschaft einzuführen.