"Besser" für wen? Was ist "gut"?

Orlando ⌂, Montag, 07.12.2015, 14:24 (vor 3713 Tagen) @ ebbes2489 Views

Heinsohn und Steiger haben in ihrem Standardwerk Eigentum, Zins und Geld sehr schlüssig gezeigt, dass es prinzipiell nur drei Arten von Kollektiven gibt:

- Solidargemeinschaft untereinander persönlich bekannter Individuen, max 150 Köpfe, siehe auch Dunbar, die Gemeinsachaft teilt sich in alles und geht ggbfls. gemeinsam unter

- Feudalwirtschaft, Befehlswirtschaft: Eine Herrschaft, die über überlegene Gewalt verfügt bestimmt und teilt zu, alle anderen müssen folgen und sich unterwerfen, alles einschließlich der Individuen "gehört" der Herrschaft, allenfalls werden Nutzungsrechte an die Individuen erteilt (zB Lehen im Mittelalter)

- Eigentumswirtschaft, Trennung zwischen Besitz und Eigentum, eine Zentralgewalt mit Gewaltmonopol schafft und unterhält einen Rechtsrahmen und sorgt für die Vollstreckung der aus dem Eigentum resultierenden Rechte der Individuen


Der Sozialismus ist eine Unterart der Befehls- oder Feudalwirtschaft. Das zeigte sich bei der DDR zB darin, dass die Herrschaft dort die "Bürger" als ihren Besitz betrachtete. Sie verhängte Ausreiseverbote, zäunte das Land ein, ermordete diejenigen, die trotzdem das Land verlassen wollten und "verkaufte" Individuen an das Ausland gegen Devisen (=Importwaren).

Sicher ist die Feudalwirtschaft für die Herrschaft einfacher zu unterhalten, sie hat allerdings den gravierenden Nachteil, dass Sklaven nicht gut und kreativ arbeiten und muss daher im Wettbewerb mit Eigentumswirtschaften immer unterliegen.

Die Eigentumswirtschaft hat den Nachteil, dass es zu ungleicher Vermögensverteilung kommt und die Vermögenden großen Einfluss ausüben können. Der Vorteil ist die viel höhere Arbeitsproduktivität der "freien" Bürger und die Aufstiegsmöglichkeit, die natürlich nicht alle Individuen gleichermaßen haben.

Ein Bonmot drückt es treffend aus:

Der Kapitalismus hat den Nachteil der ungleichen Verteilung des Reichtums, der Sozialismus den der gleichmäßigen Verteilung der Armut.

Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, stellt man fest, dass "Reichtum" immer ungleich verteilt sein muss, sonst gäbe es ihn nicht. "Reich" ist ein vergleichender Begriff, "Reichtum für alle" ist nur als "Armut für alle" denkbar.

Wer beide Systeme kennt, zieht meist die Eigentumswirtschaft vor.


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