Ja, es gibt tatsächlich solche Listen...

Udo, Samstag, 21.11.2015, 15:42 (vor 3727 Tagen) @ azur5225 Views

Wir hatten bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo ich von 1986 bis 2003 tätig war, eine sogenannte "Natorp-Liste". Klaus Natorp war damals ein leitender Politik-Redakteur. Und er hatte im Auftrag der FAZ-Politik-Herausgeber eine endlos lange Liste mit Wörtern erstellt, die man in der FAZ entweder nicht oder aber nur in bestimmtem Zusammenhang verwenden durfte. Das galt aber NUR für den Politik-Teil. Jeder Jung-Redakteur sollte die Vorgaben möglichst auswendig lernen, damit der Politik-Teil sprachlich wie gleichgeschaltet wurde (so habe ich das empfunden). In diesem Sinne wurden die Texte ja auch "redigiert" (heute würde ich subjektiv rückblickend sagen "zensiert"). Da gibt es übrigens wohl noch immer ein FAZ-Heft "Sie redigieren und schreiben"...

Ich habe das später in anderen Medienunternehmen ähnlich erlebt, es gab dort dann Vorgaben, welche Wörter in Texten nicht gebraucht werden durften. Man sagte etwa "Luftschläge", wenn Bombardierung zu brutal klang und in der Bevölkerung Zustimmung für "Luftschläge" eingeworben werden sollte.

Zusammengefasst: Natürlich gibt es in vielen Redaktionen Sprachregelungen... Und wer dagegen verstößt, der kann sich im Wiederholungsfall einen neuen Job suchen. Also hat man die Schere im Kopf...

Liebe Grüße

udo


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