Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt mal von irgendwas überzeugt war.

trosinette, Dienstag, 06.10.2015, 14:32 (vor 3769 Tagen) @ Hinterbänkler3420 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 06.10.2015, 14:47

Guten Tag,

Ich bin überzeugt, das Empfinden der
Ergänzungsbedürftigkeit ist mit der neolithischen Revolution entstanden.
So hat also auch der homo sapiens 190.000 Jahre holistisch gelebt, bevor er
bedürftig wurde nach Ergänzung. Bedürftig zu sein ist eben
gleichbedeutend damit, nicht mehr holistisch/ganzheitlich/ja-sagend zu
leben. Nebenbei: Damit hat sich das Denken und Handeln des Menschen den
damals revolutionären neuen Paradigmen unterworfen: Rationalismus und
Debitismus.

Nun könnte ich natürlich fragen, ob die neolithische Revolution ohne das Empfinden der Ergänzungsbedürftigkeit überhaupt möglich gewesen wäre. Und ich könnte auch die Beherrschung des Feuers und die die Erfindung der Sprache als Ausdruck einer Ergänzungsbedürftigkeit in die Diskussion werfen.

"Wir können nicht mit einem Verlust des Menschseins bezahlen. Wir
bezahlen immer nur mit einem Verlust des umfassenden, be'geist'erten
Bewusstseins. Aber selbst als abgestumpfte verhausschweinte Wesen sind wir
reflektierende Bewusstseinsträger."

Hier kann ich fragen, wie ich mir das verlorene, be'geist'erte Bewusstsein vorzustellen habe. Weil: Wenn ich nicht weiß, was ich verloren habe, kann ich es schlecht wiederfinden. Als interessierter Laie habe ich mir aber zumindest angeschaut, wie Jan Assmann den Bewusstseinszustand, die Weltanschauung und Denkungsart der verhausschweinten Ägypter von vor 5000 Jahren darstellt. Und bereits zwischen den verhausschweinten Ägyptern und meiner verhausschweinten Wenigkeit tun sich bewusstseinsmäßig unvorstellbare Gräben auf.

Und über die vermeintlich abgestumpften Reflektionen der verhausschweinten Vorsokratiker, die quasi die ersten Pfade hin zu unserer modernen Denkungsart und Weltanschauung austraten, äußerte sich Nietzsche wie folgt:

„Dagegen haben die Griechen es verstanden, zur rechten Zeit anzufangen, und diese Lehre, wann man zu Philosophiren anfangen müsse, geben sie so deutlich, wie kein anderes Volk. Nicht nämlich erst in der Trübsal: was wohl Einige vermeinen, die die Philosophie aus der Verdrießlichkeit ableiten. Sondern im Glück, in einer reifen Mannbarkeit, mitten heraus aus der feurigen Heiterkeit des tapferen und siegreichen Mannesalters.“

Im Glück der feurigen Heiterkeit?! Klingt so, als ob Nietzsche ein be'geist'ertes Bewusstsein auch im verhausschweinten Zivilisten verortet.

Mit freundlichen Grüßen
Schneider


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