Durchblick
Also, - danke für die Nachhilfestunde. Hab mir alle Deine links mal durchgelesen, und bin letztlich erst bei diesem auf den Trichter gekommen, wo Du es klar beim Namen nennst, auch mit Beispielen:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=223577
Ums nochmal zusammenzufassen:
Wählt man nicht, werden diese Stimmen den Parteien prozentual zugeschlagen, die über die 5% Hürde kommen.
Wählt man ungültig, werden diese Stimmen den Parteien prozentual zugeschlagen, die über die 5% Hürde kommen.
Wählt man eine Partei, die nicht über die 5% Hürde kommt, werden diese Stimmen den Parteien prozentual zugeschlagen, die über die 5% Hürde kommen.
Sollte das so stimmen (zumindest geht es aus Deinem link, den ich genannt habe, so hervor), dann frage ich mich, wie Du den etablierten Parteien eines auswischen willst, indem Du nicht wählen gehst. Jetzt könnte das man so verstehen, dass Du Dich dabei besser fühlst, wenn Du bei diesem Wahlverfahren nicht mitmachst, weil es verfassungswidrig ist.
O.k., das ist Dein persönliches Hobby. Verfassungsgemäß oder nicht, das interessiert in D schon lange keinen mehr, - da könnte man an allen möglichen Ecken anfangen, - sei es die Abhöraffäre, sei es die Immigrationspolitik, die Auslandseinsätze der Bundeswehr, usw. Schließlich soll es Leute gegeben haben, die mal geschworen haben, "Schaden vom deutschen Volk abzuwenden".
Nein, wenn Du Dich dabei symbolisch in die Ecke stellst und Dir den Verfassungsheiligenschein aufsetzt, dann kommt das aufs selbe raus, als wenn du heimlich in den Beichtstuhl pieselst, während Dir der Pfarrer die Absolution spricht. Es ändert einfach nichts.
Was bedeutet das nun für mich:
Offensichtlich bin ich da falsch gelegen, mit meiner Einschätzung der ungültigen Stimmen. Für die Aufklärung schon einmal besten Dank!
Es werden allenfalls die ungültigen Stimmen intern bei der Nachwahlbesprechung behandelt, genauso die Zahl der Nichtwähler, also die Wahlbeteiligung. Aber von jeder Gruppe profitieren die etablierten Parteien.
Wer ist damit gemeint? Natürlich die CDU/CSU, die SPD und die Grünen. Die FDP ist sowieso ein Zitterkandidat, - von der politischen Auffassung her könnte man sie auch dazurechnen. Piraten, Alternative usw. kommen ohnehin nicht mehr rein, genauso wie die NPD oder die Republikaner, etc. Bleiben noch die Linken.
Nüchtern betrachtet, wäre es also taktisch am Besten, um den Etablierten eins auszuwischen, wenn man die Linken wählt. Hab zwar damit ein kleines Problem, weil ich mit den Kommunisten nichts am Hut habe, - aber über gewisse Aussprüche von Gysi oder Wagenknecht denke ich manchmal nach, weil sie es schon auf den Punkt bringen.
Denke, wenn ich wählen würde, dann wäre das allenfalls eine Option für mich. Das mit der Wahlenthaltung aus Verfassungsgründen würde mich nicht befriedigen. Es sei denn, ich stelle mich auf den Standpunkt der Sekretärin, die dem verhaßten Chef, bevor sie ihm den Kaffee auf den Schreibtisch stellt, noch heimlich vorher hineinrotzt und sich dadurch einen kleineren Abgang verschafft.
Fest steht, durch dieses Wahlrecht hat man in D nur die Wahl zwischen dem Teufel und seiner Großmutter. Ehrlich gesagt, irgendwie bin ich froh darüber, dass ich weder gezwungen noch in der Lage dazu bin, einen deutschen Politiker zu wählen.
Trotzdem - oder gerade deshalb - verstehe ich Deinen Frust irgendwie.
Schönen Abend noch - Helmut