Dann sag' uns mal, Dieter, welche Dienstleistungen soll der Staat denn NICHT mehr anbieten?

Philip Marlowe, Location: Europe's Paymaster, Montag, 17.08.2015, 22:49 (vor 3812 Tagen) @ Dieter3129 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 17.08.2015, 22:53

... haben wir heute im Vergleich dazu
bekanntermaßen Staatsschulden, die 1/4 des Gesamtvermögens der deutschen
Bevölkerung ausmachen.

Das hasst du richtig ausgedrückt. Ohne die Staatsschulden würde dieses 1/4 des Gesamtvermögens nämlich nicht existieren. Saldiert im Nichts-Staats-Sektor fiele dieses Viertel komplett als "Vermögen" weg, denn Schulden = Guthaben. Zwei Seiten derselben Medaille.

Die werden sicherlich nie zurückgezahlt, schließlich müßten die
Erwerbstätigen und Vermögenden diese Tilgung zusätzlich zur bisherigen
Steuerlast stemmen.

Natürlich nicht. Das geht im debitistischen Wirtschaftssystem auch gar nicht. Schulden können in Summe nie netto zurückgezahlt werden, egal ob es "böse" Staatsschulden oder "gute" Unternehmensschulden sind. Sobald auch nur das WACHSTUM der Kreditvergabe abnimmt, geht's mit der "freien" Wirtschaft den Bach runter. Haben doch die Subprime- und Euro-Krise jüngst wieder bewiesen.

Bei ca. 2.2 Bill. öffentl. Schulden bei ca. 42 Mill Erwerbstätigen
wären das immerhin ca. 52.000 Euro pro Erwerbstätigen zusätzlich zur
bisher gewohnten und vorhandenen STeuerlast.

Nur die Zinsen auf die Staatschuld müssen aus dem Steueraufkommen bedient werden. Schon dottores "Aufwärts ohne Ende bis zum Ende" vergessen? Solange Zinsen auf Staatsschulden < Steueraufkommen kann's theoretisch weitergehen.

Vergleicht man die jetzige Situation mit einem etwas freierem
Staatsgebilde auf deutschem Boden, also vor WK I, dann wird es
erschreckend. Die Zahlen habe ich einem Beitrag bei Mmnews vor ein paar
Tagen entnommen:

Einwohner 1913 65Mill, davon 15Mill Selbständige und 420.000 Beamte
Einwohner 2015 83Mill, davon 4 Mill Selbständige und 5.500.000 Beamte

Nein, wir haben 1,7 Millionen Beamte, davon ein Großteil bei der Polizei und im Bildungsbereich. Also die bringen schon "Dienstleistungen" von denen auch der Dieter profitiert. Der Rest sind Tarifbeschäftige im öffentlichen Dienst, die machen dann so Dinge wie Kitas, Müllabfuhr, arbeiten in Hochschulen, Wasserwerken oder der ganz normalen öffentlichen Verwaltung inkl. der Sozialversicherungen, von denen auch der Dieter wahrscheinlich Leistungen im Krankheits- oder Rentenfall erwartet.

In Frankreich ist der Anteil der beim Staat Beschäftigten übrigens DOPPELT so hoch wie in Deutschland.

Und: Vor WK I von einem "etwas freieren Staatsgebilde" zu sprechen ist absurd. Da hatten wir noch die Monarchie. Schon vergesssen?


1913 Staatsquote 4-6% bei einem Staats-Schuldenstand von 0
2015 STaatsquote 54% bei einem Staats-Schuldenstsand von
2.200.000.000 E
wobei man ausdrücklich sagen muß, daß bislang der Steuerzahler noch nie
für Zinsen aufkommen mußte, denn die wurden bisher immer indirekt
hochgebucht (Nettoneuverschuldung = höher als fällige Zinsen).

Deutschland hat unter den entwickelten Nationen eine der NIEDRIGSTEN Staatsschuldenstände (75% am BIP in 2014, zum Vergleich: Japan 244%, unser "Vorbild" die USA: 106%, Frankreich: 96%, GB: 92%, siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_Staatsschuldenquote ). Aus der Tabelle kann man auch die in den letzten Jahren rückläufige Tendenz der Staatsschuldenquote entnehmen, sowie den Sprung nach oben von 65% auf 82% von 2007 nach 2010. Der ist übrigens nicht passiert, weil die "faulen Beamten alles verfressen haben", sondern weil die Leistungsträger in den Banken und der "freien" Wirtschaft vom Staat gerettet werden mussten. All diese Banken und Manager in den Exportunternehmen in ihren feinen Nadelstreifenanzügen würde nämlich heute von Hartz IV leben, wenn der Staat nicht in der Folge der Subprime-Krise ihren Arsch gerettet hätte.

1913 Arbeitslosigkeit 2% bei jährlichem Geburtenüberschuß von 300.000
2015 Arbeitslosigkeit 6,7%

Ja und? Ist doch super. Auch hier ist unsere Quote im internationalen Vergleich so niedrig, dass mittlerweile die halbe Welt bei uns arbeiten will. Warum haben wir sonst so große Migrationsbewegungen, auch von innerhalb der EU aus anderen "entwickelten" Ländern (Spanien, Portugal, Griechenland: Da beträgt die Arbeitslosigkeit für Jugendlichen ca. 50%).


Wenn man sich diese Zahlen anschaut, dann fragt man sich, wofür unser
Staatsgebilde gut ist, bzw. ob nicht die ganze Veranstaltung nicht einfach
Selbstzweck von Politik und Behörden ist, also der Bürger zum kostenlosen
Dienstleister der Staatsorganisation degradiert ist, der arbeitende Bürger
die Organisation alimentiert.

Also Dieter: Dann mal "Butter bei die Fische": Was soll der Staat denn deiner Meinung nach nicht mehr machen? Polizei? Bildung? Sozialversicherungen? Öffentliche Verwaltung? Die paar "Genderbeauftragen" machen den Kohl nicht fett. Übrigens: Wir haben 20 Millionen Rentner in Deutschland. Die werden auch vom Staat "alimentiert", wenn du es so willst. Was sollen die in Zukunft machen? Beim Dieter in Portugal Oliven ernten, um über die Runden zu kommen?

Das Geschwür ist der Staatsapparat. Läßt man ihn weiter wuchernd
gewähren, stirbt das Volk.

Außer unreflektiertem Staatsbashing und fehlendes Verständnis für debitistische Grundlagen kann ich deinem Posting leider nichts Substantielles entnehmen.

Gruß Dieter

Gruß,
Phil.M.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.