So in etwa hab ich mir das schon gedacht
Hallo Meph,
zunächst verwahre ich mich dagegen, Kunden jemals "Schrott" geliefert zu
haben. Da bin ich empfindlich und schnell zu verärgern.
Es ging auch um "Kredite", nicht um die Maschinen-Qualität.
Das war nur ein Trigger, um dich aus der Höhle zu locken.
Das ist so wie bei einem Testosterongesteuerten Südländer, wenn du auch nur anduetest, dass er es wohl doch nicht so richtig schaffe, eine Frau bis zum 7. Himmel zu befriedigen, dann ist er sofort auf 180. Einem deutschen Ingenieur ist so etwas eher wurscht.
Aber wehe, dreimal wehe!!!, wenn du auch nur andeutest, dass er vielleicht doch nicht etwa allererste Qualität, hochpreisig zwar, wie gerne zugegeben wird, aber laaaange haltbar und in Jahrzehnten gibt es noch Ersatzteile und Service vor Ort und "Wir lassen Sie nicht im Stich, sondern fühlen uns nach Jahren noch verantwortlich für unsere Maschine!" usw., du verstehst schon.
Einem Südländer ist dagegen der Vorhalt minderer Qualität eher wurscht.
Eine spannende Investitionsgüter-Geschichte, ganz persönlich für Dich
erzählt!
Tatort: Ludwigshafen und Antwerpen... also ganz ohne GR
Starring: Der kleine Hasso und die größte Chemie-Butze der Welt.
Zeitraum: Um 2005Die Chemie-Bude bestellte eine Turbinenanlage bei uns, für eine
Styrol-Anlage... alles musste super schnell gehen, mit höchsten
Vertragsstrafen![]()
Die nagelneue Styrol-Anlage in Antwerpen hatte rechnerisch eine
Amortisationszeit unter zwei Jahren! Alles streng nach James Watt
gerechnet.
Wir waren etwas spät dran... es gab Stress ohne Ende![]()
Die haben mich persönlich im Stammwerk LU fast aufgefressen.Dann haben wir die Turbinenanlage endlich geliefert... alles wurde gut.
Alles wurde voll bezahlt... ohne Abzüge.Ich habe mich dann nach ein paar Monaten mal erkundigt, wie die Turbine so
läuft und ob es Gewährleistungskosten gab.Nööö, keine Gewährleistung... die Maschine hat nur ein paar hundert
Stunden perfekt absolviert.
Die ganze Styrol-Anlage wurde stillgelegt, weil der Styrol-Markt
zwischenzeitlich zusammen gebrochen war...
So läuft das Investitionsgüter-Business manchmal, in D, NL, GR oder
sonstwo.
So in etwa hab ich mir das auch vorgestellt. Wobei ich eher vermutete, dass eure Marktanakyse zwar ergeben hat, dass der gesamte Weltmarkt nur Bedarf an höchstens 70 von euren Maschinen hat, weil die genug Produkte für die Endkunden der gesamten Welt herstellen können, ihr aber trotzdem 100 vertickert habt.
Natürlich rechnet sich jede Maschine einzeln für die Kunden hervorragend, was aber meist nicht berücksichtig wird, die tollen Produkte, die man mit den tollen Maschinen herstellen kann müssen alle auch noch verkauft werden.
Weswegen dann leider 30 von den Kunden in die Grätsche gehen.
Wobei ich keineswegs was gegen die Hersteller gesagt haben möchte.
Bei einer vernünftigen Kalulation müsste der Herstellen eigentlich 100 Geldeinheiten verlangen, aber die Kunden wollen nur 70 bezahlen.
Was macht der Hersteller also? Er produziert 100 Maschinen, und wegen der Skaleneffekte kann er dann die einzelne Maschine für 70 Geldeinheiten auch mit Gewinn verkaufen. Ist es die Schuld des Herstellers, wenn seine Kunden die Produte seiner Maschinen nicht alle zum kostendeckenden Preis abesetzen können?
Schuld sind also nur die Kunden.
Hätten sie ohne zu widerstreben 100 Geldeinheiten bezahlt, statt nur 70, so wären die Hersteller nicht gezwungen gewesen, soviel Maschinen zu veraufen, dass der Mart zusammenbricht.
Das war das, was ich mir dachte, aber was du geschildert hast, so ähnlich ist es wohl auch gelaufen.
Das ist Debitismus live.![[[hüpf]]](images/smilies/huepf.gif)
Gruß Mephistopheles
--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc