Die Antwort ist einfach: eine Waehrungs"anbindung" funktioniert gar nicht ...

CrisisMaven ⌂, Mittwoch, 01.07.2015, 11:40 (vor 3853 Tagen) @ Gaby3325 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 01.07.2015, 11:43

Wenn Griechenland zur Drachme zurück kehrt, würde die Anbindung der Drachme an den Euro eine gewisse Stabilität bringen.

Nein, wieso??? Das waere so fatal wie bisher auch, als sie aufgrund des Nicht-Abwerten-Koennens nie auf einen gruenen Zweig kamen, da ihre Loehne und Nebenkosten der landestypischen Produktivitaet weit voraus waren und sie daher nur durch eine Abwertung (oder reale Lohnsenkungen in Euro, politisch/arbeitsvertraglich nicht durchsetzbar ausser durch ... Kuendigung des zu teuren Arbeitnehmers) wieder haetten wettbewerbsfaehig werden koennen. @Zarathustra hat das auch des oefteren erlaetert.

Es gibt ja Beispiele, siehe Bulgarien oder damals schon Estland (ich glaube, es war Estland) mit der Bindung an die Mark.

Ja, wenn die aehnlich konkurrenzfaehig sind, kann das funktionieren, waere dann aber i.W. unnoetig. Das verstellt die Blick dafuer, warum es i.d.R. NICHT funktioniert.

Frage: Wie funktionert so etwas technisch? Was muss die Zentralbank tun?

Gar nicht. Der Begriff ist schon falsch. Man kann eine griechische Ziege anbinden, aber keine Waehrung!

Was eine in ihren Entscheidungen freie Zentralbank kann, ist, ihre Waehrung abwerten. Bis hin zu (fast) null. Das funktioniert dadurch, siehe Schweizer Nationalbank bis vor kurzem, indem sie ihre eigene Waehrung zu Stuetzungskaeufen fuer Fremdwaehrungstitel verwendet. Sie wirft also mit gutem Geld nach schlechtem.

Das geht unter Goldbindung gar nicht (lange) und ist auch unnoetig, wenn alle anderen Waehrungen ebenso zu 100% goldgedeckt waeren und es geht mit fiat-Waehrungen unendlich lange, solange man aufpasst, dass die gedruckten physischen Geldscheine nicht beginnen, mehr Papierwert zu besitzen, als die aufgedruckte Einheit noch an "Wert" repraesentiert. Drum muss man regelmaessig eine Zehnerpotenz mehr aufdrucken.

Wenn aber die Zentralbank ihre eigene Waehrung stuetzen muesste, kann sie das nur und genau so lange tun, wie sie Fremdwaehrungstitel verkaufen kann.

Drum hat Soros damals gegen die Britische Nationalbank die Oberhand behalten. Weil er die vier Grundrechenarten beherrschte. Das hat weder mit Finanzgenie was zu tun noch mit boesem Spekulantentum. Wenn ich weiss, wie lange ein Mensch ohne Wasser aushaelt, bis er stirbt, dann muss ich nur solange warten, wenn ich sicher sein kann, dass er kein neues Wasser irgendwo herbekommt. Und wenn ich weiss, wie hoch die (Fremd-) Waehrungsreserven einer Zentralbank sind und wieviel sie laufend ausgeben muss, um ihr selbst dummerweise angestrebtes Ziel ("currency peg") einzuhalten, weiss ich, wann sie den Wechselkurs nolens volens wieder freigeben muss. Genau das hat Soros getan. Das war weder gut noch boese, noch sonderlich intelligent. Er hatte nur den Mut dazu und die Finanzen, davon zu profitieren [mit dem Kurs hatte er nichts zu tun!].

Was passiert nun im umgekehrten Fall, d.h. wenn die Zentralbank beliebig Geld "druckt", um fremde Waehrungen/fremd denominierte Papiere aufzukaufen? Sie exportiert Inflation. Denn entweder ist sie maechtig genug, alles aufzukaufen und so den Preis stabil zu halten, dann bedeutet das, wenn es nicht wieder aufhoert, weil eine Paritaet erreicht wird, die Bestand hat (bei CHF/EUR war das ja wohl nicht so[[freude]]), dass sie endlos so weiter machen muss. Dann muessen entweder irgendwann ALLE fremden Papiere sich in ihren Depots befinden oder es werden laufend neue begeben.

Am Ende sitzt sie auf einem immer hoeheren Berg fremder Waehrungen, und muss zuschauen, wie diese weiter verfallen, etwa so, wie wenn jemand lauter Loecher in seinen Schiffsrumpf haut, dann immer mehr pumpt, bis er irgendwann erschoepft aufgibt. Merke: das Meer hat mehr Wasser als man pumpen koennte.

Daher ist der Begriff Waehrungsanbindung nicht nur Augenwischerei, er ist auch unsinnig. Lidl bindet auch nicht den Wert seiner Damenbinden an die Preise fuer Pulverkaffee bei ALDI?!?!?!

Darum hat die Schweizer Nationalbank irgendwann die Reissleine gezogen.

Eine Diskussion einer Drachmen-Stabilisierung dient nur zur propagandistischen Beeinflussung der Bevoelkerung vor einem Referendum ...

Fuer die Schweizer Nationalbank hatte ich das im Mai 2014 hier prognostiziert:

The Swiss Central Bank Conundrum: Fighting Fire with Kerosene

Und warum das alles keinen Sinn gibt und es keine (natuerlich) unter- oder ueberbwerteten Waehrungen gibt, hier:

Economic Fallacy I: Harmful Currency Undervaluation?

Beides in Englisch, aber das Wesentliche steht hier oben in Deutsch.

--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.