Jepp - journalistische Objektivität lässt sich nicht auf den zu zahlenden Preis reduzieren
Die Messlatte liegt bei den GEZ-Gebühren.
Und die betragen 17,50 Euro im Monat.Nur wer bereit ist, erheblich mehr auszugeben, kann auf bessere
Informationen hoffen.
Der Vergleich hinkt. Warum soll ich mehr ausgeben müssen? Die
GEZ-Gebühren würden hundertfach ausreichen, um qualifizierte und vor
allem wahre Informationen zu veröffentlichen.
BennyF liegt aus meiner Sicht richtig. Ich versuche das mal zu begründen:
These: Journalistische Objektivität lässt sich nicht vom zu zahlenden Preis ableiten ...sondern ist hauptsächlich eine Frage der der journalistischen Integrität, hängt also von Einflussfaktoren wie Unabhängigkeit, Bewertungskompetenz und Faktentreue ab.
Also nicht davon, ob man sich einen total aufgeblähten organisatorischen Wasserkopf, die teuersten Lizenzen für Fußballübertragungsrechte und Moderatoren und Technik leisten kann. Claus Kleber bekommt jährlich ein paar Hunderttausend Euro für´s Lügen. Auf 400-Euro-Basis würde er sich wahrscheinlich nicht zur transatlantischen Maulhure Deutschlands machen lassen.
Insofern sehe ich das mit den 17,50 / Monat anders als Meph.
Nun könnte man mutmaßen, die intrinsische Lügenkultur hinge mit der Tatsache zusammen, dass es hier um De-Facto-Staatsfernsehen geht, welches mit GEZ-Gebühr bezahlt wird.
Machen wir die Gegenprobe. Am besten in den USA - der besten demokratischen Gesellschaft, die man für Geld kaufen (=gestalten) kann.
Hier bekommt man die Lügen kostenlos serviert. In den USA sind 95 Prozent der Medien in den Händen von fünf reichen Familien. Die betreiben hier aber keine bestmögliche Informationskultur, sondern verfolgen Partikularinteressen der Monopolmedieneigner:
Mir braucht das keiner zu glauben, nur weil ich das behaupte. Aber wenn ein Ex-Redaktionsleiter der New York Times, John Swinton, zu seiner Ruhestandsfeier folgendes vom Stapel lässt, kann man ruhig ins Grübeln kommen:
"Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen.
Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte."
Das war im Jahr 1880. Das Internet hat aber die Informationsvermittlungsmonopolisierung aufgebrochen. Gekaufte Journalisten verlieren deswegen an Deutungshoheit.
Insgesamt vertrete ich daher die These, dass journalistische Objektivität und Integrität nicht mit unbedingt vom dafür zu löhnenden Preis abhängig ist. Weder die teure GEZ-Kultur schützt vor Propaganda, wie Kleber täglich beweist noch der freie Markt, wie in Swinton Rede eindrucksvoll nahegelegt wird.
Guter Journalismus hängt also hauptsächlich davon ab, ob dahinter gute Journalisten stehen, die ihren Job in Einklang mit dem Berufsethos und handwerklich gut machen.
Klar muss auch das finanziert werden. Aber journalistische Idealisten sind nicht automatisch die teuersten.
Daher ist meine Vorgehensweise folgende: Abseits von der Free-Lunch-Mentalität im Netz picke ich mir guten Print-Journalismus wie free21.org heraus und unterstütze ihn mit Abogeld. Sind in dem Beispiel 15 Euro im Vierteljahr und ich bekomme als Fördermitglied viele Hefte zum verschenken.
Dafür bekomme ich Wahrheiten oder - falls noch nicht verfügbar, weil nicht alle Fakten bekannt sind - zumindest gut ausgeleuchtete Themenkomplexe, in denen die richtigen Fragen gestellt werden.
Die teuren Medien gauckeln mir hingegen welterklärerisch Kinderwelten vor, wobei sie entweder Partikularinteressen des Staates (GEZ-finanziert) oder der Oligarchen (in Besitz fünf reicher Familien) umsetzen.
Gruß, Bernadette