G̶ü̶n̶t̶h̶e̶r̶ Günter Grass ist gestorben - welche Literaten sind für euch unentbehrlich?
Zum Glück für ihn und die Angehörigen, habe ich mich um einige Monate im Zeitpunkt vertan. Wie wohl er für die Deutsche Nachkriegsgeschichte und deren Verarbeitung sehr wichtig war, denke ich, er wird kein Schriftsteller sein, von dem in einigen Dekaden noch gesprochen werden wird.
Dafür ist er zu stark an das Thema, welches spätestens nach 2050 erledigt sein und aus der öffentlichen Diskussion verschwunden sein wird.
Andere Literaten sind erheblich »zeitgebunden« und mehrdeutiger interpretierbar. Ich denke vor allem an die griechische Mythologie, die mich seit meiner Kindheit auf unterschiedlichen Stufen des Verstehens immer wieder begleitet haben.
Dann denke ich auch an James Joyce und George Orwell, Boris Vian und Karl Marx, Joachim Fernau und Margret Atwood, Stanislaw Lem und Joe Haldeman, Cervantes und Eduardo Galeano, Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt.
Es sind ihrer mehr, als ich hier ohne den geneigten Leser zu ermüden, aufzählen könnte. Günther Grass gehört für mich nicht dazu. Möge er den Frieden finden, den er sich gewünscht hat. Seinen Angehörigen und Freunden (es sind typischerweise immer weniger geworden) mein ernsthaft empfundenes Beileid.
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"Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell
Arvid