Unkrautbekämpfung und Saat-Vorbereitung
Hallo morpheus,
Wie läuft die Unkrautbekämpfung?
Wie funktioniert die Saat Vorbereitung?
Beides Themen, die eine biologische Bearbeitung in der Praxis nach meiner
Erkenntnis schwer machen, zumindest wenn die Flächen deutlich größer
sind als das mehr als Fünffache des Subsistenzbedarfs. Bis zu dieser
Ackergröße kann man das Unkraut vielleicht mechanisch + manuell
entfernen. Darüber hinaus wird es dann schwierig.
Wenn du mir ein paar Erfahrungen weiter geben könntest, wie es biologisch
funktioniert, wäre ich dir sehr dankbar!
Da sieht es bei mir ganz schlecht aus, weil ich ein reiner Theoretiker bin, auch wenn ich schon mal Solanum tuberosum (Grumbiere, Herdäpfel, ...) und Lycopersicon lycopersicum (die roten, runden Gemüse-Früchte, die Regen nicht so mögen) selber angebaut habe. Aber ich kann Dir ein paar Tips geben zu Dokumenten bzw. Fachleute empfehlen, die Dir da wesentlich helfen können.
Vorab eine Information, die ich erst im Laufe der Zeit kapiert habe: Unkräuter bzw. neuerdings "Beikräuter" zeigen an, dass mit dem Boden etwas nicht stimmt. Ein besserer Begriff dafür ist: Zeigerpflanze. Z.B.: Brennnessel-> stickstoffreicher Boden; Weißklee, Gänseblümchen, Margerite, Heidekraut -> nährstoffarmer Boden
Von hier:
Zeigerpflanzen/ Indikatorpflanzen
http://www.bio-gaertner.de/Verschiedenes/Zeigerpflanzen-Indikatorpflanzen
Zeigerpflanzen im Grünland
http://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/download/Zeigerpflanzen_NEU.pdf
In Deutschland kenne ich als Experten für die biologische Bewirtschaftung vor alllem diese beiden:
- Friedrich Wenz, Schwanau (Baden-Württemberg) - im Juni könnte auf seinem Hof wieder ein Tag der offenen Tür stattfinden
- Joseph Braun, Nähe Freising (Bayern)
Beide sind Biobauern und arbeiten seit Jahren mit biologischen Methoden, wobei sie darüber auch Vorträge halten.
Zur Einstimmung sind hier schon mal drei Filme mit den beiden:
Ein Film von Marie-Monique Robin (Autorin u.a. von "Mit Gift und Genen")
Zukunft pflanzen - Bio für 9 Milliarden (2012, ARTE, Friedrich Wenz etwa ab Minute 40 bis etwa Minute 52)
https://vimeo.com/51911008
In diesem Film (ab Minute 1:45) kann man gut erkennen wie schnell sich biologische Ackerbaumethoden auf die Pflanzengesundheit auswirken: Ein lange Jahre konventionell bearbeitetes Feld wird umgewandelt in ein biologisch bearbeitetes Feld:
moderner biologischer Landbau Teil 3 (Vortrag von Friedrich Wenz auf einem Landwirtschaftstreffen in Magdeburg(?) in 2011(?))
https://www.youtube.com/watch?v=Bvcln-Le_7o
Grobe Arbeitsweise aus Film über Feldumwandlung ab 2002:
1. Jahr wird Klee gesät (März? April?) und es kann alles wachsen was wachsen will. "Unkräuter" wachsen nur dann wenn ein entsprechender Keimimpuls da ist, wenn etwas zu tun ist bzw. wenn es entsprechende Wachstumsmöglichkeiten (verarmter, vernässter, überdüngter Boden etc.) gibt. 1. Mahd im Juni, Mahd bleibt liegen. Insgesamt wird drei bis viermal gemäht. Im Herbst wird Getreide (Winterweizen) in Direktsaat gesät. 2. Jahr soll es keinen total üppigen Weizenbestand geben, für den Boden soll es eine Klee-"Gras"-Mischung sein, es ist nur ein Aufbaujahr. Heute sind mit verbesserten Methoden die Weizenbestände schon im zweiten Jahr "sauber" (vorher voll konventionell?). Erträge sind bei 2-3 Tonnen (/Hektar), aber Input dafür nur 8 Liter Diesel und 20-30 Minuten Zeitaufwand pro Jahr und Hektar (keine Handarbeit, kein Striegeln, kein zusätzlicher Dünger)!
Interessant ist dann das Jahr 3 (2004): Der Klee wird umgebrochen. Dann wird eingeebnet und im Herbst gesät. Im nächsten Jahr dann keine Distel und kein Ampfer mehr zu sehen.
Zum Vergleich gab es direkt neben dem neuen Feld ein Feld eines konventionell arbeitenden Kollegen. Dieses sah im Frühjahr sehr gut aus. Dann kam eine ausgeprägte Trockenphase => hoher Pflanzenstress, hoher Blattlausbefall, auf neuem Feld nur etwa 10% der Blattlausmenge des Nachbarn, aber zusätzlich jede Menge Marienkäfer. Nach der Trockenzeit kam eine feuchtwarme Witterung. Danach: neues Feld mit goldgelber Farbe wie man sich ein Weizenfeld im Hochsommer vorstellt. Konventionelles Feld nebendran hatte massive Probleme mit Ährenfusarien, der Bestand ist dort zusammengebrochen, die Ähren sind meistens schwarz, viele Kümmerkörner, Körner nicht richtig ausgebildet.
Es ist insgesamt weniger eine Frage der Quantität des Humus, sondern vor allem die der Qualität des Humus.
Ein gesunder Boden sorgt für gesunde Pflanzen und damit für gesunde Lebensmittel!
Trailer: Der Bauer mit den Regenwürmern (eine Doku über Joseph Braun)
www.youtube.com/watch?v=BI5j9ZiadQc
Aussagen im Trailer von Joseph Braun: "Die Regenwürmer im Boden erzeugen pro Jahr und Hektar das doppelte an Stickstoff was derzeit in der modernen Landwirtschaft gedüngt wird." Ein Biologe(?): "Das sind hier etwa 300 bis 350 Regenwürmer pro Quadrameter. Das ist sehr viel. In Bayern kommen im Schnitt auf den Bodenbeobachtungsflächen 18 (in Worten achtzehn) Regenwürmer pro Quadratmeter."
Der eigentliche Film wird glaube ich immer mal wieder in verschiedenen Programmen wiederholt (es gibt ihn derzeit glaube ich weder auf Youtube noch bei Vimeo).
Bilder von den Wenz'schen Feldern und seinen Maschinen:
Bilder vom Eco-Dyn Feldtag 2011
http://www.mischfruchtanbau.com/hoefe/friedrich-wenz-eco-dyn/
Daten der Höfe der beiden und teilweise ausführliche Beschreibung der Arbeitsweise:
Ökologische Bodenbewirtschaftung neu ausrichten?
- Potenziale und Hemmnisse -
http://www.oekolandbau.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/ALL/7647265903D6D59EC125751A00...
Zum Thema "zu große Flächen" würde ich sagen, dass es für den Boden sowieso das Beste wäre, wenn die Fläche pro Landwirt auf einige hundert Hektar begrenzt würde. Ich habe einige Jahre in MeckPomm mitten in der Pampa in einem kleinen Dorf zwischen lauter großen konventionell bewirtschafteten Feldern gewohnt. Dort sah man immer wieder Inseln auf denen das Saatgut nur sehr schlecht aufging. Nach einer Woche ohne Regen ist der Boden aller Felder, obwohl dort vor allem sandiger Boden vorherrscht, bockelhart, d.h. da könnte, wenn man die Äcker noch ordentlich planieren würde, wahrscheinlich auch ein Jumbojet drauf landen. D.h. bei zu großen Flächen pro Landwirt, verliert ein Landwirt die Übersicht bzw. es kommt ihm dann "auf die paar Quadratmeter" nicht mehr an.
Noch ein paar sonstige Infos:
Ausgewählte Beiträge der LOP (Landwirtschaft ohne Pflug)
http://www.pfluglos.de/beitraege.html
Direktsaat in Chile: Erfahrungen eines Direktsaatpioniers
Soviel Bodenbedeckung wie nur möglich!
Seit 1959 haben wir deshalb in Chequen völlig auf das Pflügen ver- zichtet. Es wurden Dauergrünland und Forstflächen angelegt. Ab 1978 begannen wir, Mais und Weizen in Direktsaat zu bestellen, zunächst an steilen Hanglagen mit bis zu 35 % Steigung.(...) Nach langjähriger Direktsaat können wir eine Zunahme der Mäch- tigkeit der Ackerkrume von etwa 1 mm pro Jahr sowie jährlich ca. 0,2 % mehr organische Substanz in der obersten Bodenschicht verzeichnen.(...)
Die Erträge beim Weizen haben sich verdoppelt, beim Mais in einigen Fällen sogar vervierfacht. Der Ertragsanstieg setzt sich weiter fort.
Wie erfolgt nun die Direktsaat?
1.Das System beginnt bereits mit der Ernte der Vorfrucht, wobei die Ernterückstände fein zerkleinert und gleichmäßig verteilt werden.
2. Alle Ernterückstände verbleiben als Mulchauflage.
...
Die Bodenfruchtbarkeit in Chequen begann sich zu verbessern, als wir mit der Bodenbearbeitung aufhörten und den Boden ständig mit Ernterückständen bedeckten.(...) Bei der Bodenbildung spielen sowohl hetereotrophe Organismen (Einzeller, Pilze, Aktinomyzeten sowie die meisten Bakterien) und die Photoautotrophen, wie Algen, Moose oder Flechten eine wichtige Rolle.(...) Zum Prozess der biochemischen Verwitterung tragen organische Säuren, Enzyme und andere organische Stoffe bei. Die Bodenlebewesen setzen organische Säuren wie Zitronen-, Apfel-, Bernsteinsäure frei, wodurch schwerverfügbare Nährstoffe freigesetzt werden.(...)
Rotteverzögernd wirkt sich Staunässe im Bodenprofil aus, vor allem in Verbindung mit in den Boden eingearbeiteten organischen Stoffen, da es zu Sauerstoffmangel kommt. In dieser Hinsicht sollte man bedenken, dass in der Natur Rückstände auch nicht vergraben werden, lediglich die Wurzeln der Pflanzen werden im Boden aerob umgesetzt. Ein ausreichender Sauerstoffgehalt des Bodens ist unter anderem für Primärtätigkeit der Pilze erforderlich, die Zellulose der frischen Ernterückstände zerlegen. Bei dieser Umsetzung entstehen Polyuronsäuren, welche die Krümelstruktur des Bodens stabilisieren und so vor dem Aufprall von Regentropfen schützen.
http://www.pfluglos.de/beitraege.html?file=files/pfluglos/downloads/beitraege/Soviel%20...
Dr. Elaine Ingham. A Student’s Perspective
Posted April 1, 2015 by Sandra Bartram
“Pests, diseases and lack of fertility don’t exist anymore if you get the biology correct in your soil.†–Dr. Elaine Ingham Montreal 2015
(Übers.: Schädlinge, Krankheiten und ungenügende Fruchtbarkeit gibt es nicht mehr, wenn man die normalen biologischen Kreisläufe im Boden wiederherstellt.)
http://permaculturenews.org/2015/04/01/dr-elaine-ingham-a-students-perspective/
Insgesamt also schlechte Nachrichten für Düngemittelfirmen.