Weltweite Ernährungssicherung durch Wüstenbegrünung – Teil 1

Leser68, Samstag, 28.03.2015, 14:29 (vor 3943 Tagen)8227 Views
bearbeitet von unbekannt, Samstag, 28.03.2015, 15:41

28.03.2015

Hallo liebe Mitglieder und Leser des Gelben Forums,
wie gestern angekündigt, ist hier jetzt mein längerer Artikel, in dem es um das Thema Wüstenbegrünung und gleichzeitig um das Thema Ernährungssicherung geht. Die Kenntnisse dazu habe ich in den letzten etwa neun Jahren gesammelt. Richtig aufgerüttelt haben mich vor einem Jahr die Berichte über die extreme Dürre in Kalifornien. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon einiges über die Möglichkeiten der Permakultur bzw. der Natur an sich gelernt hatte, war es mir völlig unverständlich, warum dieses Wissen immer noch nicht in trockenen Gegenden wie z.B. Kalifornien genutzt wird, um nachhaltig und völlig in Einklang mit der Natur wieder ein Paradies zu schaffen. Dazu im nächsten Teil mehr.

Von Beruf bin ich Dipl.Ing. für Luft- und Raumfahrttechnik, habe aber hauptsächlich im Bereich IT gearbeitet, bin Mitte 40 und wohne im südlichen Hälfte Deutschlands. Inzwischen denke ich, dass Diplomingenieure, auch Agraringenieure(!), leider zu einem großen Teil an der Zerstörung der Welt beteiligt sind, auch wenn die Ingenieure Dinge wie Windkraftanlagen und Wasserkraftwerke entwickeln. Man muss da nur an den riesigen Drei-Schluchten-Staudamm in China oder den Assuan-Staudamm denken. Windkraftanlagen halte ich per se für gut, allerdings denke ich, dass man bei einer Nominal-Größe von 3 MW Maximalleistung aufhören sollte, weil Gigantomanie noch nie wirklich genützt hat. Heute weiß ich, dass diese riesigen Bauwerke nicht notwendig wären, wenn es ein besseres Verständnis für die Natur geben würde. Wir entfernen uns immer weiter von der Natur. Gott sei Dank gibt es aber immer mehr Leute, die im Einklang mit der Natur geben wollen.

Ich gehe davon aus, dass man die komplette Sahara in 30 bis 40 Jahren wieder in ein grünes Land umwandeln könnte, wenn es denn "politisch" gewollt wäre. Und das mit (Anfangs-!)Investitionen von vielleicht gerade einmal 10 Milliarden Euro. Der Trick ist, dass man die Sahara von den Rändern her nach und nach erst in Savannen und später in immergrüne Landschaften umwandeln kann. Die notwendigen Arbeitskräfte gibt es vor Ort genügend, man denke nur an die zehntausenden(!) von Leuten, die jedes Jahr entweder das Mittelmeer überqueren oder darin ertrinken. Nach zehn Jahren dürfte ein trockenes bzw. Savannen-Gebiet so umgewandelt sein, dass es für viele Menschen als Nahrungsquelle dienen kann, so dass keine Subventionen mehr nötig sind. Die Anfangsinvestitionen umfassen u.a. Wohnanlagen, Ausbildungsstätten, Lehrmittel, Kindergärten, Bodenbearbeitungsgeräte, Mechaniker, Werkzeuge, Löhne, Transportfahrzeuge, Treibstoffe, Lebensmittel, Lehrer, Saatgut, Straßenbau, Gehälter für Ärzte.

Ein Trick ist auch, dass die biologische Landwirtschaft deutlich weniger Energie benötigt, weil sie das Bodenleben (Mikroorganismen wie Pilze oder Bakterien oder auch Regenwürmer) für sich arbeiten lässt, so dass kaum Bodenbearbeitung, Pflanzenschutzmittel oder Kunstdünger notwendig sind.

Es gibt die Aussage von zahlreichen Wissenschaftlern, dass die biologische Landwirtschaft uns nicht nur ernähren kann, sondern dass sie auch die einzige Möglichkeit für die Menschheit überhaupt ist, um alle(!) Menschen in Zukunft ausreichend ernähren zu können.

Unsere heutige Ernährung ist in großem Maße von billiger Energie abhängig: Große Maschinen pflügen, säen, spritzen Pflanzenschutzmittel oder ernten dann die Nutzpflanzen, bringen sie über weite Strecke in Verarbeitungszentren wo sie dann entweder in Plastik verpackt oder tiefgekühlt in Supermärkte in ganz Deutschland verteilt werden. Auch die Herstellung der Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel ist energieaufwändig, speziell die des Kunstdüngers.
Zwar ist die Getreidemenge als auch die Getreideanbaufläche in den letzten Jahren noch gestiegen (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Getreide#Weltgetreideernte ), aber es gibt gleichzeitig immer mehr Probleme durch Erosion, resistente Unkräuter, Versalzung von Böden durch falsche Bewässerung oder aber auch Flächenschwund durch militärische Auseinandersetzungen (Landminen) oder industrielle Verunreinigungen (Erdöl, Uranerz, Braunkohletagebaue, Fracking, Goldgewinnung etc.). Und natürlich steigt die Weltbevölkerung immer weiter an. Dies führt in manchen Regionen zu extrem hohen Bevölkerungsdichten mit entsprechenden Problemen bei der Lebensmittelversorgung, z.B. in Südostasien.

Wie kann man also auch in Zukunft die Ernährung der Welt sicherstellen, wenn alle heutigen Landwirtschaftsflächen voll ausgelastet sind und vor allem, wenn keine billige Energie mehr zur Verfügung steht?
Um es gleich vorweg zu nehmen: Es wird kein Geoengineering wie Wolkenimpfung oder eine andere lustige Erfindung benötigt. Die Lösung liegt zum einen in der Umstellung auf die Biolandwirtschaft und zum anderen in der Erschließung von bisher brachliegenden, „unfruchtbaren“ Gebieten in Wüsten, Halbwüsten und Savannen wie z.B. in der Sahara, Saudi-Arabien, Australien, aber auch etwa in Spanien.

Heutzutage sieht die Fruchtbarmachung der Wüste noch so aus (Bewässerungsfelder in Saudi-Arabien, siehe auch weiter unten das Google-Maps-Bild):
[image]
Copyright: Craig Mackintosh
Quelle:
http://permaculturenews.org/2010/08/06/letters-from-jordan-on-consultation-at-jordans-l...

Schon Ende der Antike gab es Gedanken daran, die Sahara zu bewässern. Und in neuerer Zeit, im 19. Jahrhundert waren es die Franzosen, die in Libyen das Sirte-Becken, das Tiefbecken südlich der Bucht der Großen Syrte, zu einem großen See mit Hilfe eines Durchstichs zum Mittelmeer machen wollten – hier zu lesen: „1.500 Oasen in der Sahara “ aus "Die letzte Chance" von Annie Francé-Harrar: http://www.ddbpage.net/btq/Die_Letzte_Chance_-_PDF_-_2010.pdf

Halbwüste im Norden Spaniens (Region Navarra)
[image]
Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bardenas_Reales

Um welche Flächen handelt es sich bei dem Begriff Wüsten?
Zunächst einmal gebe ich hier eine Definition wieder, die man bei Wikipedia ( Wüste) findet:
Als Wüste bezeichnet man die vegetationslosen oder vegetationsarmen Gebiete der Erde. In Wüsten bedeckt die Vegetation weniger als 5 % der Oberfläche.
In der englischen Wikipedia („Desert“) steht, dass in einer Wüste weniger als 250 mm Niederschlag pro Jahr fallen. Es gibt verschiedene Arten von Wüsten: Sandwüste (ca. 20% der Wüsten), Kieswüste, Stein- oder Felswüste, Salzwüste und die Eiswüste. Auch in Island gibt es Wüsten. Dort fehlt einfach die Vegetation, obwohl es relativ viel regnet. Die Antarktis ist z.B. eine Eiswüste (durchschnittlicher Niederschlag im Jahr: 166mm, Climate of Antarctica ).
Ebenfalls aus Wikipedia („Wüste“):
Alle Wüsten der Erde zusammengenommen bedecken etwa ein Fünftel der gesamten Landfläche der Erde, das sind fast 30 Millionen Quadratkilometer. Werden auch die Halbwüsten mit hinzugerechnet, so ergibt sich etwa ein Drittel der Landfläche, also etwas weniger als 50 Millionen Quadratkilometer. Insgesamt bedecken sie knapp 10 % der gesamten Erdoberfläche.
Die verschiedenen Arten von Landflächen auf der Erde gebenüber gestellt:


Landfläche der Erde_______________149.430.000 km²___________29,3 %
(von der gesamten Erdoberfläche)
Landfläche ohne Antarktis_________135.281.639 km2 (2011)___100,0 %[6]
Landwirtschaftlich genutzte Fläche__49.116.226 km2 (2011)____36,31 %[6]
Waldfläche________________________40.274.680 km2 (2011)____29,77 %[6]
sonstige Flächen
(Wüsten, Brachland, Gebirge,
bebaute Flächen)__________________41.313.584 km2 (2011)____30,54 %[6]
Binnengewässer
(Seen, Flüsse)______________________4.577.149 km2 (2011)______3,38 %[6]


[6] http://faostat3.fao.org/
Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Erde/Daten_und_Zahlen

D.h. die landwirtschaftlich genutzte Fläche auf der Erde (Äcker, Wiesen und Weiden, Plantagen, aber auch kurzzeitig brachliegende Flächen) ist etwa so groß wie die wüstenartigen Flächen (Wüsten und Halbwüsten). Dass die in der Tabelle angegebene Größe der „sonstigen Fläche“ (inkl. Wüsten) kleiner ist als die oben angegebene Fläche der Wüsten und Halbwüsten laut Wikipedia-Wüste-Artikel, liegt daran, dass auch in Halbwüsten Ackerbau betrieben wird:
Die Sahelzone, die teils auch nur Sahel genannt wird, ist die in Afrika liegende langgestreckte semiaride Übergangszone[...]Die Bauern im Sahel betreiben vorwiegend Hirseanbau.[...] Mit den Jahren verlagerten sie ihre Ackerflächen wegen der enormen Bevölkerungszunahme zunehmend in den Norden,
http://de.wikipedia.org/wiki/Sahelzone

Wie können jetzt Wüsten und Halbwüsten ohne allzu großen Aufwand zu einer höheren Lebensmittelproduktion beitragen?
Am Beispiel der Sahelzone kann man erkennen, dass sich auch schon ohne besondere Maßnahmen, zumindest in manchen Wüstengegenden, die Agrarfläche ausdehnt. Der Trick in der großflächigen Ausdehnung der Landwirtschaftsflächen in Halbwüsten und Wüsten besteht darin, dass man der Natur etwas auf die Sprünge hilft:
Die beiden Länder Libyen und Saudi-Arabien gehören zu den ganz wenigen Ländern auf der Welt, wo es keinen einzigen ganzjährigen Fluss gibt. Stattdessen gibt es jede Menge sogenannte Wadis, auch Trockentäler genannt, die nur kurz, bei starken Regenfällen, Wasser führen.

Ein Google-Maps Bild vom Grenzgebiet zwischen Saudi-Arabien und Jordanien, etwa 250 km südöstlich des Toten Meeres:

[image]
Der Google-Maßstab unten links (obere Maßeinheit) sind 10 km. Die hellen Linien, die wie Adern aussehen, sind alles sehr große Wadis. Die kleinen grünen Punkte, die man rechts unten und oben in der Mitte sieht, sind Bewässerungsfelder in Saudi-Arabien. Die großen haben einen Durchmesser von etwa einem Kilometer.

Ein sehr großer Wadi in Jordanien, der von einem Flugzeug aus aufgenommen wurde:
[image]
Copyright: Craig Mackintosh
Quelle:
http://permaculture.org.au/2009/10/15/letters-from-jordan-a-pdc-at-the-bottom-of-the-wo...

Ein großer Wadi (Nahal Paran) in Israel (unten rechts stehen Menschen):
[image]
Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:NachalParan1.jpg

Dass durch diesen Wadi wirklich ab und zu, wenn auch selten, Wasser fließt, erkennt man am spärlichen Bewuchs, der z.T. grün ist, und daran dass dieses „Flussbett“ und damit der Bewuchs nicht mit Sand zugeweht ist. Die starken Regenfällen, die in Trockengebieten ab und zu auftreten und sich dann zu Sturzfluten formieren, können in bestimmten Gebieten zu großen Zerstörungen, aber auch zu Toten führen. Hier das Bild aus 2011 einer zerstörten Straße bei Al Baydha, einem sehr trockenen Gebiet wo seit November 2010 ein Permakulturprojekt läuft ( http://www.albaydha.org ), das eben die Wüstenbegrünung zum Ziel hat. Es liegt etwa 40 km südlich von Mekka:

[image]
Copyright: Craig Mackintosh
Quelle: http://permaculturenews.org/2011/01/14/permaculture-at-the-al-baydha-project-in-saudi-a...

Hier ein Bild des vollen Los Angeles "River" (aus dem Jahr 2008 oder früher), der durch Los Angeles verläuft und vor allem dazu dient, nicht versickertes Regenwasser direkt ins Meer zu leiten. Nach einem heftigen Gewitterguss am 1. März letzten Jahres (2014) sah es genauso aus. Ein unglaubliches Bild angesichts der Dürre, die dort immer noch herrscht.

[image]
Quelle: http://boxrec.com/forum/viewtopic.php?f=4&t=78351&start=10000

Hier kann man sehen, wie es am 1. März 2014 aus einer etwas anderen Perspektive aussah:
http://www.wetteronline.de/?pid=p_wotexte_multimedia&ireq=true&src=wote...
Wieviele Pflanzen hätte man mit all diesem Wasser eine ganze Weile lang bewässern können?

Was kann man also tun, um in Trockengebieten wieder ein reichhaltiges, blühendes Leben einzuführen?

1. Warum ist Wasser so wichtig ist?
Dazu eine gute Erklärung in einer Webseite, in der es um die Erhaltung des Bodens als Grundlage allen Lebens geht:

Wasser ist der universelle Baustein, da alle Lebensvorgänge von ihm abhängen. Wasser wird bei der Photosynthese für die Herstellung von Biomasse benötigt: Es transportiert zum einen die Nährstoffe aus dem Boden zu jeder einzelnen Zelle und zum anderen sorgt es, mit Hilfe der Sonne, für die nötige Transportleistung indem es durch die Pflanze verdunstet wird und dadurch einen Aufwärtssog produziert. Wasser sorgt durch die Verdunstung auch gleichzeitig für eine Kühlung der Umgebung, je stärker die Sonnenstrahlung desto stärker die Verdunstung. Nur mit Hilfe von Wasser können die Nährstoffe im Boden gelöst und so transportabel gemacht werden. Wasser sorgt für die Stabilität von Zellen, damit Pflanzen gerade stehen können.
Wasser ist aber, neben der Sonneneinstrahlung und dem Wind, auch für die Erosion zuständig, die die Landschaften auf unserer Erde formt. Die verschiedenen Bodenarten werden durch die Zusammenarbeit von Wasser, Pflanzenwurzeln und Bodenorganismen geformt, dabei spielen auch die Temperatur und die Feuchtigkeit im Boden eine Rolle. Der Boden und das örtliche Klima entscheiden wiederum darüber welche Pflanzen wachsen können.

Aus „Soil sustainability“ (Erhaltung des Bodens), http://www.seafriends.org.nz/enviro/soil/sustain.htm

Ohne Wasser kann kein Leben entstehen. D.h. ohne Wasser können Wüsten nicht zu fruchtbaren Gebieten umgewandelt werden. Allerdings ist Wasser alleine, auch wenn in Wüstengebieten viele Mineralien vorkommen, nicht ausreichend, um in kurzer Zeit viel Leben zu erschaffen. Dazu benötigt es zusätzlich Pflanzen bzw. abgestorbene Pflanzenteile als Grundlage für Humus und ganz wichtig: entsprechende Bodenorganismen.

Drei Dinge bzw. Wassermanagement-Techniken sind für Trockengebiete wichtig:
1. die möglichst optimale Sammlung und Verwendung des geringen Niederschlags
2. die Verringerung der Verdunstung durch die Erzeugung von Schatten (durch Bäume und Bodenbedeckung)
3. die Verringerung der Verdunstung und der Bodenerosion (Fortwehen der leichten Bodenbestandteile, vor allem des Humus) durch das Bremsen des Windes

Zu 1.:
Die übliche Methode zur Sammlung von Wasser bzw. Niederschlag ist der Bau von großen Staudämmen. Dies führt langfristig aber immer zu einem kompletten Versanden bzw. Verlanden, auch wenn es wie im Falle des Assuan-Staudamms mehrere hundert Jahre dauern soll. Zudem kann es, wie im Falle der Türkei, auch zu Problemen, vor allem gesundheitlichen Problemen, bei der Bevölkerung kommen (stark gestiegene Luftfeuchtigkeit in der Umgebung von Staudämmen => Schimmelbildung bzw. Nährboden für Organismen aller Art – großen und kleinen).
Die wesentlich bessere, weil auch langfristig funktionierende, Lösung ist das Anlegen von „kleinen Staudämmen“ oder „Mikrostaudämmen“ dort wo der Regen fällt, in dem Fall Gräben entlang der Höhenlinien von Hängen in den Einzugsgebieten der Flüsse bzw. Wadis. Im Falle steiniger Abhänge können auch kleine Wälle aus herumliegenden Steinen errichtet werden.

In diesem Blogbeitrag im Blog des Australischen Permakulturforschungsinstitutes kann man dies anhand einiger Bilder vom Al-Baydha-Projekt gut sehen:

Permaculture at the Al-Baydha Project in Saudi Arabia – Neal Spackman, Video 1
Posted January 14, 2011 by Craig Mackintosh
http://permaculturenews.org/2011/01/14/permaculture-at-the-al-baydha-project-in-saudi-a...

Wohl das erste Mal nach den Anwendungen in der Antike wurde dies in den 1940ern in Australien erfolgreich durch den Mineninspektor und Hobby-Farmer P.A. Yeomans angewendet. Er nannte das System, das er entwickelte, das Keyline-System, weil diese Methode für ihn der Schlüssel war, um in einem Trockengebiet ein fruchtbares Land zu schaffen. Eine bessere deutsche Übersetzung ist Konturlinien-System, weil dies genauer das Prinzip beschreibt indem nämlich Gräben, jeweils auf gleicher Höhe wie die Höhenlinien, entlang der Hänge oder auch leichten Neigungen gegraben werden. Der Zweck dieser Gräben ist zum einen zu verhindern, dass der Niederschlag einfach so in die Flüsse und dann ins Meer fließt und zum anderen wird dafür gesorgt, dass das aufgefangene Wasser langsam im Untergrund versickert und Pflanzen mit ihren Wurzeln somit lange Zeit zur Verfügung steht. Dazu gibt es weiter unten eine gute Grafik (Standbild aus dem Video über das Prinzip von Konturgräben).
[image]
Quelle: Prof J. MacDonald-Holmes bzw. http://www.yeomansconcepts.com.au/basis-of-keyline.htm

Ein Konturlinien-Graben in Gebrauch auf der Farm von Herrn Yeomans im Osten Australiens:
[image] , [image]
Quelle: Prof J. MacDonald-Holmes bzw. http://www.yeomansconcepts.com.au/basis-of-keyline.htm

Kontur-Gräben aus der Luft (die gleiche Farm in Australien):
[image]
Quelle: http://permaculturenews.org/2009/03/16/keyline-design-mark-iv/

Diese Methode lässt sich jetzt noch weiter verbessern, indem man die Punkte 2. und 3. der Wassermanagementtechniken einsetzt: Man belässt es nicht einfach nur bei dem einfachen Kontur-Graben, sondern man bepflanzt jeweils den unteren und oberen Wall des Grabens mit verschiedenen Pflanzen. In Dürregebieten werden zunächst einmal sehr trockenresistente und schnell wachsende Bäume und Büsche verwendet wie z.B. Akazien, Prosopis oder Faidherbia. Diese Bäume gehören auch alle zur Familie der Hülsenfrüchtler, d.h. der Leguminosen, und können den Stickstoff, ein wichtiger Pflanzennährstoff, aus der Luft im Boden speichern. Dadurch benötigen diese Pflanzen und auch die Nachbarpflanzen fast keinen Dünger.

[image]
Das Bild stammt aus dem Video „Harvesting water DVD“ - The Swale Plume
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=UFeylOa_S4c

In diesem Bild kann man vor allem auch sehen, wie das Wasser im Graben in den Untergrund eingesickert ist und sich bergab weiter ausbreitet. Dies trägt zum Auffüllen der Grundwasserspeicher bei. Optimalerweise wird alles drei gleichzeitig eingesetzt. Dies passiert in der Permakultur mit Hilfe ebendieser sogenannter bepflanzter Erdgräben, die sich entlang von Höhenlinien ziehen.

Je größer die Flächen in den Dürregebieten werden, die so umgebaut werden, desto mehr (Regen)Wasser kann in den Untergrund geleitet oder direkt für das Wachstum von Pflanzen genutzt werden. Allerdings ist vor allem das Bepflanzen der Gräben mit viel Arbeit verbunden (Sammeln von Samen oder Stecklingen, Aufzucht der Pflanzen, Transport zu den Gräben, Einpflanzen der Pflanzen und mehrere Jahre Bewässern der Pflanzen bis diese groß genug, der Grundwasservorrat ausreichend und hoch genug ist, damit die Pflanzenwurzeln ihn erreichen können sowie bis insgesamt auch genügend Schatten, Windschutz und auch Wasserspeicherfähigkeit durch die entsprechende Bodenstruktur ((viel Humus)) vorhanden ist).

Man kann diese Bodenbearbeitungsmaßnahmen auch ohne die Bepflanzung durchführen. Dann dauert es einfach nur deutlich länger bis sich die Dürre-Situation bessert. Ein solches reduziertes Beispiel kann man an verschiedenen Stellen in den USA bestaunen:
Vor ca. 80 Jahren haben u.a. amerikanische Pioniere, im Rahmen des „New Deal“ von Präsident Roosevelt z.B. im Staat Arizona, in der Wüste Dämme angelegt, um die weitere Wassererosion dort zu verhindern. Diese Dämme wurden quer in den Wadis angelegt. Das Ergebnis, 60 Jahre später kann man hier sehen (etwa ab Minute 2:00, ein Film mit Bill Mollison einem der Pioniere der Permakultur):

Dryland Permaculture Strategies - Part 1
http://www.youtube.com/watch?v=W15RRvKyJSk

Außer dem Anlegen dieser Dämme haben die Pioniere nichts weiter gemacht. Trotzdem ist das Gebiet oberhalb dieser Dämme jetzt zu einem kleinen Wald geworden mit jeder Menge Pflanzen und einem fruchtbaren Boden. Mitgeholfen haben dabei viele Vögel und Tiere, die mehr oder weniger unabsichtlich Samen verteilen.

Soweit zum ersten Teil des Berichts über die Möglichkeit der Wüstenbegrünung. Im zweiten Teil werde ich genauer beschreiben was in dem aktuellen Permakulturprojekt in der Nähe von Mekka schon alles erreicht wurde und was dort noch weiter passiert. Außerdem werde ich noch andere Möglichkeit der Wüstenbegrünung bzw. der Rekultivierung von Trockengebieten beschreiben, die Vorteile der Agroforstwirtschaft für trockene Gebiete und was man in bebauten Gebieten mit wenig Niederschlag alles machen kann. Vor allem wird es auch um die Rolle der Bäume genauer der Wälder bei der Rückumwandlung von Wüsten und Trockengebieten in grüne, fruchtbare Landschafte gehen.

Ich werde frühestens Ende nächster Woche Zeit haben, um diesen Artikel zu diskutieren.


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