nicht überzeugt

mh-ing, Montag, 12.12.2016, 18:41 (vor 3376 Tagen) @ Olivia2334 Views

Das kannst Du so pauschal auch nicht sagen. Für einen Architekten kann es
auch "Prestige" bedeuten, wenn er es schafft, wirklich gute, bewohnbare
Gebäude mit guten, aber preiswerten Materialien, vernünftigen Grundrissen
und einer ansprechenden Architektur zu bauen.

Klingt als Argument gut, tatsächlich ist die faktische Seite anders. Die vielen Bausünden der Vergangenheit sind von Architekten geplant. Wenn man sieht, dass das völlig verplante Kanzleramt nun teuer zu sanieren ist (15 Jahre alt). Die Baukosten lagen damals schon astronomisch hoch.

"Spektakuläre" Bauten können oft eine ganze Reihe von bautechnischen
Innovationen bringen, die zwar zu Beginn teuer sind, die aber preiswert
werden können, wenn sie für den Massenmarkt zur Verfügung stehen.

Meine Erfahrung ist, dass da viel mit Gag und Optik gearbeitet wird, mehr Selbstdarstellung und Ignoranz, als wirkliches Können. Beim Parlamentsplenarsaal in Bonn machte man durchgehende STahlträger bis ins Freie nach außen am Dach, um dann wegen Kondensat diese zu beheizen....

Wenn Du bereits im Eigenheimbau von Fensterpreisen zwischen 400,00 Euro
und 1.200 Euro pro qm (ohne Sicherheitstechnik - wie Bänder und
Einbruchhemmung) ausgehen kannst, dann ist das ja auch schon eine Aussage.
Dann ist die MENGE der Fensterfläche in Betracht zu ziehen. Je nach der
Glasart - es gibt derweil intelligente Gläser, die sich je nach Witterung
automatisch verfärben und je nachdem wieviele Gläser pro Fenster verbaut
wurden 2-fach, 3-fach oder 5-fach-Verglasung, mit einfacher
Diebstahlsicherung (Bänder und einfacher Glasbruch) oder wirklich
professioneller Diebstahlsicherung kannst Du ganz ordentlich in die Tasche
greifen und Zusatzkosten produzieren.

Diese ganzen Vielfachverglasungen bringen nur auf der Norseite oder bei verschatteter Lage etwas. Selbst ein Einscheibenglasfenster auf der Südseite hat eine positive Wärmebilanz!

Das Ganze geht dann weiter bei der Materialauswahl für die Wände, für
den Boden, für die Art und den Umfang der Dämmung, den Schallschutz etc.
Dann spielen die Raumhöhen eine wesentliche Rolle (Du wirst keine
"Prestige-Wohnungen" unter 2,70 m lichte Raumhöhe finden - eher höher),
denn je höher die Wohnräume werden, um so weniger Etagen kannst Du bauen.
Dazu kommen dann die Ausmaße der Gemeinschaftsflächen (Flurbreiten,
Treppenbreiten, Aufzüge, sonstige Verkehrsflächen) und die dort
verwendeten Materialien, ihre Qualität und ihre Ausführung. Klimaanlagen,
Heizungen, automatische Belüftungen, Art der Garagen etc. kommen noch
dazu. Und dann natürlich noch die Grünanlagen etc. Ich habe sicherlich
Etliches vergessen.

Das ist ganz simpel so, wie bei Autos. Die Wohnungen von Libeskind in
Berlin sollen übrigens zu ca. 15.000 € pro qm angeboten werden. Das
Penthouse ist noch frei.... :-)))

Die Wohnungspreise in City-Lagen sind in anderen, internationalen
Großstädten erheblich höher, selbst in Europa....

Ich bin seit >25 Jahren nun in dem Bereich tätig und bin daher mehr als nur skeptisch. Es gibt tolle Architektur. Jedoch sind das Kunstwerke, die noch die Funktion eines Gebäudes dazu haben (zumindest oft so). Am Kanzleramt sieht man, wie dumm man plant, dass in so einem 20.000m² Haus noch nicht mal eine richtige 3-Zimmerwohnung passt. Ein Kanzler mit Familie hat dort gar keinen Platz!


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