Ich muss gestehen, dass mich die Le Corbusier Bauten auch oft erschrecken.
Das ist zum einen der unverputzte Zement, der nach Jahren des Nichtpflegens einen dreckigen, heruntergekommenen Eindruck macht. Auch stören mich die von ihm propagierten Raumhöhen, die ich als sehr inhuman empfinde. Mir tun die Menschen auch leid, die in solchen Gebäuden leben müssen.
Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass die Menschen nicht in Massenkasernen untergebracht sind, die alle gleich aussehen. Da schafft bereits die Architektur den Nährboden für Gewalt und Verelendung. Daher bin ich sehr gespannt auf die Projekte von Libeskind, die sich dem preiswerten Wohnungsbau in urbanen Umgebungen widmen. Wohnungen in seinem lichtdurchfluteten Sapphire Buildung, Berlin, können sich wohl nur die Allerwenigsten leisten. Ich denke, was uns an "alter" Architektur gefällt, liegt auch darin begründet, dass JEDES Gebäude etwas anders ist. Die Wahrnehmung, der Kopf, der Verstand, die Gefühle, sind immer beschäftigt.
Wenn alles gleich ist, dann ist nur dumpfe Gleichgültigkeit da. Es gibt nichts zu entdecken. DAS ist inhuman.
Die Frage, die sich aber immer wieder stellt: Inwieweit unterstützt Architektur die Kommunikation und das Miteinander der Menschen, die in den Gebäuden wohnen. Eine Freundin von mir, die vor vielen Jahren in einem neu gebauten, teuren Wohnkomplex in Innenstadtlage lebte, sagte mir: Wenn man nicht gute Kontakte "außerhalb" hat, dann ist man fürchterlich einsam in solchen Massenkomplexen.
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