Trügerische Sicherheit?

nereus, Freitag, 16.09.2016, 16:44 (vor 3453 Tagen) @ Revoluzzer7519 Views

Hallo Revoluzzer!

Das mit dem gegenseitigen Aufheben ist so eine Sache.
Die Theoretiker sagen auch, daß sich die weltweiten Geldschulden mit den weltweiten Geldvermögen gegenseitig verrechnen lassen bzw. gegeneinander aufheben.
Das mag mathematisch stimmen, aber praktisch ergeben sich erhebliche Konsequenzen. Wenn nämlich irgendwann die Schuldner ausfallen und die Gefahr wird täglich größer .. dann gute Nacht!

Übrigens, Deine Guthaben sollen mit einigen Schuldnern aus Sierra Leone und zwei Familien aus der Stadt Dili auf Osttimor (Indonesien) verrechnet werden.
Also, rein rechnerisch ist das überhaupt kein Thema! [[zwinker]]

Hier mal ne kleine Kleinigkeit zu den Risiken von Derivaten.

Die größte Gefahr, die von Derivaten ausgeht, ist daß der implizierte Hebel (Leverage) die Risikoverteilung zwischen Spekulant und Finanzsystem verzerrt. Wenn der Spekulant sich verspekuliert, verliert er nur einen Bruchteil von dem, was im schlimmsten Fall das System tragen muß. Fällt er aus, ist sein Kontrahentenrisiko ein systemisches Risiko, was wesentlich größer ist als das Spekulationsrisiko. Beispielsweise war das Kreditrisiko der CDS nicht wie bei vergleichbaren Krediten mit Eigenkapital zu unterlegen, weshalb die Banken in den letzten Jahren viel höhere Gewinne auswiesen als zulässig gewesen wäre.
Als dann die schlechten Jahre in Form der Subprimekrise kamen, stand kein Kapital zur Verfügung, um die Verluste zu tragen. Viele Spekulanten mußten gerettet werden, weil ihr Ausfall das Finanzsystem gefährdete. Andererseits wurden die Boni in den guten Jahren gezahlt und mußten nicht zurückgezahlt werden als sich herausstellte, daß die ausgewiesenen Erträge nicht nachhaltig waren.
..

Setzen Spekulanten Derivate ein, heben diese sich deshalb in der Regel nicht gegenseitig auf. Das Gefährliche an den Derivaten ist der Leverage.
Wenn beispielsweise Futures zur Spekulation eingesetzt werden, vervielfachen sie künstlich den Effekt des eingesetzten Geldes auf die Kassapreise der Güter
(über Arbitragebewegungen und Erwartungsbildung) und spiegeln nicht die wirkliche Nachfrage oder das Angebot wider. Der Preis entwickelt sich anders als er es tun würde, um Angebot und Nachfrage in gewünschtem Umfang zu beeinflussen. Derivate können deshalb fundamentale Marktmechanismen verzerren. Die Preissignale werden verzerrt, was zu einer Ressourcenfehlallokation führt.

Quelle: Moral und Wirtschaftskrise: Enron, Subprime & Co. von Christian A. Conrad, disserta-Verlag 2010

Die DeuBa notierte Ende Januar 2008 bei ca. 14,60 €.
Jetzt steht sie knapp über 12 € und notierte Anfang August auf 11,20 €.

In der Ferne ist ein Donnergrollen zu vernehmen .. aber die Party läuft nach wie vor gut. [[freude]]

Ich vermute, aufgrund der seit Jahrzehnten verschleppten Insolvenz ist uns der natürliche Seismograph abhanden gekommen.
Es ist ja nichts passiert, daher wird wohl auch nichts mehr passieren.

mfG
nereus


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