Tu dem Kind einen Gefallen und schicke es aufs Gymnasium, das andere ist heute eine Sackgasse.
Was aber gar nicht geht, und darüber habe ich mich bereits mit einigen
Eltern ausgetauscht und werde der Klassenlehrerin dies nach ihrer Rückkehr
nach Ostern besprechen, ist, dass die Kinder jetzt rund seit zwei Monaten
quasi GAR KEINE Hausaufgaben mehr aufhaben. In der Schule vorgestelltes
Wissen wird also in keiner Weise durch Aufgaben gefestigt und dann am Ende
lediglich in Arbeiten abgefragt. Wenn ich mir die Klassenspiegel anschaue,
dann muss das Gerüst immer wieder angehoben werden, um eine
"Normalverteilung" hinzukriegen. Es gibt also mit ein paar Fehlern noch
immer eine Eins. Ich erinnere mich, dass ich - nach diesem System,
vermutlich in den 70ern im Schnitt eine ganze Note besser gewesen wäre.
Schräg, oder? Ich habe auch das Gefühl, dass man hier in den
verschiedenen Schulzweigen keine überdurchschnittlichen Abschlüsse mehr
erreichen will.Wie sind denn die Erfahrungen von anderen Eltern?
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Hallo,
leider kannst Du deine Schulzeit in der Realschule nicht mehr mit der heutigen Realschule vergleichen. Es gibt wohl auch Ansatze, die Realschule verschwinden zu lassen und mit der Hauptschule zu verschmelzen. Beide gehen bis zum 16. Lebensjahr, die Hauptschule bietet zumindest in Bayern noch einen Quali.
Ich war im Elternbeirat des Gymnasiums meiner Tochter. Die Direktorin erzählte uns, dass sie früher Deutschlehrerin war und die Arbeiten von 20 Jahren im Keller archiviert hat. Einige Zeit vor unserem Gespräch suchte sie wohl etwas und beschäftigte sich mit den Arbeiten. Ihre Aussage dazu: Die Schüler, die vor 10 Jahren das Abitur machten, hätten das Abitur vor 20 Jahren nicht geschafft und die Abiturienten, die das Abitur "heute" machen, die schaffen die Arbeiten von vor 10 Jahren nicht mehr.
Das "Abitur" wird also auch stückchenweise "angepaßt". Heute haben wohl bereits über 50 % aller Schüler "irgend eine" Art von Abitur. Diese "Masse" erreicht man nur, wenn man "drastische" Abstriche macht. Das wird sich fortsetzen. Dazu kommt noch, dass das Abitur in den einzelnen Bundesländern ganz unterschiedliche Leistungen beinhaltet.
So wollte sich z.b. meine Tochter von einem berliner Freund (Leistungsfach Mathe) einige Mathe-Aufgaben des bayerischen Gymnasiums erklären lassen (kein Leistungskurs, sondern nur das reguläre Abi). Der bemühte sich sehr, konnte das aber selbst nicht lösen.
Meine Schwester hat in NRW die Kinder auf ein konfessionelles Gymnasium geschickt, weil die als "besser" galten als die üblichen Gymnasien. Und meine andere Schwester hat ihre Tochter von der dortigen Monetssori-Schule nehmen müssen, weil die dort "überhaupt nichts" gelernt hat. Sie hat es gerade noch rechtzeitig gemacht, so dass die ihr "Abitur" an einer "normalen" staatlichen Schule machen konnte.
Wichtig: In allen Bundesländern (außer Bayern und ich glaube Sachsen) haben die Schüler mit Abschluß der 12. Klasse automatisch das Fachabitur (falls die Abiprüfung nicht klappen sollte). Dies mußte eine Freundin meiner Tochter sehr schmerzlich erfahren. Die hatte nämlich die 12. Klasse bestanden, das Abi aber nicht und in Bayern wurde ihr das nicht als Fachabitur anerkannt.
Erkundige Dich ein bißchen, was den Schülern nach welchem Abschluß offen steht. Wenn sie in der Schule gut ist, dann lasse sie BITTE unbedingt auf das Gymnasium gehen. Du gibst ihr mehr Chancen. Und Karate etc. kann sie trotzdem noch machen. Die anderen haben auch noch Hobbies. Aber interessiere Dich für das was sie in der Schule macht und zeige ihr, dass du ihr Engagement und ihr Interesse schätzt. Die deutschen Bücher sind sehr gut. Besser als alles andere, was ich mir im Zusammenhang mit der Ausbildung meiner Tochter angeschaut habe.
Aber leider ist es so, dass man in D nur noch das Gymnasium als "Schule" bezeichnen kann. Und das auch noch nicht einmal in jedem Stadtteil. Das entwickelt sich genauso wie in den USA. Schau Dir die Schule an, in die sie gehen kann und engagiere Dich im Elternbeirat. Dann bekommst Du die Probleme an der Schule mit und kannst zumindest einen gewissen "Einfluß" nehmen. "Wir" haben z.B. darauf geachtet, dass die Kinder und Jugendlichen von den entsprechenden Stellen bei der Polizei über "Internetkriminalität" und "Drogenkriminalität" aufgeklärt wurden und zwar sehr genau. Die konnten Fragen stellen und sehr genau nachfragen. Meine Tochter erwähnt das immer mal wieder, dass ihr das "geholfen" hat.
Auch die Berufsschule ist in vielerlei Hinsicht bereits eine Katastrophe, weil die Leute teilweise noch nicht mal mehr schreiben und lesen können. Das wird sich nicht bessern, sondern verschlechtern.
Vor zwei Tagen sagte mir meine Tochter, dass sie im nachhinein immer noch sehr froh darüber ist, dass sie in ihrer Schule ALLE in Fächern wie Deutsch, Geschichte, Sozialkunde etc. sehr intensiv und heftig miteinander diskutiert haben und dass es dort immer "rund" ging. In der Pause waren dann wieder alle friedlich und ruhig. Das sei einfach toll gewesen, dass man sich so "auseinander setzen" konnte. Ich habe das zum ersten Male von ihr gehört. In der Berufsschule haben sie die Jugendlichen völlig anders behandelt. Da ging es ums "Parieren".
NOCH stehen Deiner Tochter mit dem Abitur ALLE Möglichkeiten offen. Wenn sie ein Mädchen ist, das gerne lernt und wissbegierig ist, dann gib ihr die Chance!
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