Deswegen sollten wir Merkels Flüchtlingspolitik nicht vorschnell verurteilen.
Grenzen können nicht geschlossen werden. Mehr als 10 Mio machen sich
gerade auf den Weg. Der Druck von hinten sprengt jeden Zaun.
So ist es.
Natürlich bringt das den Laden an den Rande der Belastbarkeit.
Natürlich sind wir vielleicht schon darüber hinaus und nur, weil der Tanker groß und schwer ist, fährt er noch etwas.
Natürlich ist das nicht rechtens, was da geschieht. Massenhafte unkontrollierte Einwanderung: das ist nichts anderes als Staatsversagen.
Natürlich riecht das alles nach einer großen Verschwörung höherer Kreise, die Europa in ein willen- und zahnloses sowie leicht zu steuerndes Multikulti-Chaos verwandeln wollen.
Und natürlich muss jeder, der noch bei gesundem Menschenverstand ist, daran zweifeln, dass sich eine hunderttausend- bis millionenfache Einwanderung von Menschen völlig fremder bis gegensätzlicher Kultur in unsere Kreise überhaupt integrieren läßt.
Und spätestens seit Köln empfinde ich die Gefahr ganz konkret, dass uns das um die Ohren fliegen wird.
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Aber: Was wäre denn die Alternative (gewesen)?
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Jahrelang haben wir dabei zugesehen, wie die Flüchtlinge: Männer, Frauen, Kinder, im Mittelmeer ersaufen.
Die, die es erst gar nicht bis dahin geschafft haben, von denen wissen wir nicht einmal.
Haben uns vorwerfen lassen müssen, dass wir untätig bei einer humanitären Katastrophe zusehen und die Menschen ihrem Schicksal überlassen.
Europa, das christliche Abendland, wo bist du?
"Verreckt doch alle, bei uns ist kein Platz."
Haben vergessen, dass wir trotz Schröders "Nein" zum Irakkrieg (Gott sei Dank, wenigstens das) ganz mächtig da unten mitmischen und unseren Teil zu allem beigetragen haben.
Hätte Deutschland wie alle anderen die Grenzen dicht gemacht, dann würde die Masse unten in der Türkei, vor der ungarischen Grenze oder irgendwo sonst auf der Balkanroute verrecken.
Notfalls hätten sie sich in die Gewehre der Grenzsoldaten geworfen, weil es ein Zurück nicht gibt.
Es wäre viel Blut geflossen und früher oder später wäre Deutschland mit seiner "historischen Verantwortung" dran gekommen, darauf können wir Gift nehmen. Merkels Politik ist von daher zumindest vorwärts gewandt, statt innereuropäisch getrieben zu sein.
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Und jetzt können wir mal darüber befinden, welches Szenario für Deutschland und Europa vor der Geschichte das gruseligere ist.
Mit einem hundertjährigen Blick aus dem Jahre 2115 auf das Jahr 2015, in dem Deutschland entgegen der vorherrschenden europäischen Abschottungspolitik seine Grenzen (wider die Vernunft) geöffnet hat, Millionen von Flüchtlingen ins Land ließ, um so (zumindest vorerst, wer weiß schon, was da noch kommt) eine humanitäre Katastrophe zu verhindern:
Wollen wir vor der Geschichte das "Verreckt-doch"-Deutschland/Europa sein oder das "Zumindest-haben sie-getan-was-sie-konnten"?
Oder ist es am Ende nur die Wahl zwischen Pest und Cholera?
Grüße,
MI