Kein Regime in der Ukraine

pigbonds, Samstag, 19.12.2015, 11:22 (vor 3701 Tagen) @ Loki2591 Views
bearbeitet von unbekannt, Samstag, 19.12.2015, 11:30

Hallo pigbonds,

danke für das Video, ob es besser ist als das andere, kann ich nicht
beurteilen,
weil ich das andere nicht gesehen habe.

Aber mich wundert, dass du ein so Ukraine-Regime-kritisches Video
postest?

Es gibt kein Regime in der Ukraine/Kiew. Zum Regime wird es erst, wenn es verhindert,
sich auswechseln zu lassen.

Das ist der grosse Unterschied zu Russland, die Ukraine schafft es immerhin, unter
starken Krisen zwar, eine Regimebildung zu verhindern.

Leute wie Yatznjuk oder Poroschenko haben einen temporären Job zu erfüllen, aber auch
sie sind Machtmenschen, sonst stünden sie nicht, wo sie stehen. Irgendwann sind auch sie
fällig, aber wählen sie den richtigen Ausgang, dann wird ihre Arbeit mehr oder weniger
geachtet, denn jeder weiss, dass es in der Vergangenheit unmöglich war, "saubere" Geschäfte
zu machen, nicht zu schmieren, etc. - ein Auge kann jede Gesellschaft verschliessen, aber
wenn die Herren ihre Vergangenheit in der Gegenwart weiterführen wollen, dann wird es
sehr unrühmlich für sie werden.


Deine Beobachtungen teile ich im Grossen und Ganzen.

...da fällt mir gleich wieder Lisitsa ein, die in einem Interview gesagt
hat, dass diese Nazi-Faschisten in der Ukraine wie kleine Jungs sind, denen
man nicht rechtzeitig Grenzen gesetzt hat und die deswegen dann immer
schlimmer geworden sind. So gesehen: Kleine Jungs → kleine Tracht
Prügel, kräftige Jungs → kräftige Prügel.

Ich teile den Glauben an Autorität durch Gewaltanwendung nicht.

Und apropos... wie war das?
Der Donbass ist nicht Valentina´s Heimat, weil sie aus Kiew
stammt,
aber Soldaten aus Kiew dürfen im Donbass ihre Heimat verteidigen?

Genauso wenig wie Valentina den Donbass kennt, kennen viele dieser Kämpfer - auf
beiden Seiten - den Donbass. Ich kenne viele aus dem Donbass, aber ich kenne keinen
einzigen, der irgenwie für irgend eine Seite aktiv ist.
Nur einen einzigen, den ich nur sehr flüchtig kenne, über den habe ich gehört, dass
sein Vater das DNR-Referendum in Mariupol mitorganisiert hat. Der ist aber längst in
Russland.

Die Leute im Donbass sind äusserst passiv und dies war auch dem russischen Separatisten
Kommandant Strelkow/Girkin aufgefallen.

Im Donbass herrschte ein Jahrzehnt lang ein krimineller Krieg, in dem es einen klaren
Sieger gegeben hat. Der Krieg forderte hunderte wenn nicht tausende Tote: Mafiosi, Biznessmen,
Politiker, Unbeteiligte. Die Mehrheit im Donbass war nicht pro-Maidan, weil sie nicht
wieder Chaos wollten, lieber ergaben sie sich dem einzigen Don. Im Donbass herrschte der
Feudalismus. (Was viele nicht verstehen: Feudalismus mag stabil wirken, bis die Nachfolgekämpfe
beginnen)


Valentina ist genauso wie diese Kiewer "Soldaten" von einem "Nationalen Spirit" erfasst, doch
gerade sowas interessiert im Donbass eine Minderheit.

Der Feudalismus des Donbass war natürlich nicht zu finanzieren, weshalb sich die Herren
des Donbass Kiew und die Ukraine untertan gemacht hat. Die Verfassung wurde geändert und
der Donetzker Clan bestellte die Gouverneure mit eigenen Leute, statt auf einheimische
"Autoritäten" zu setzen.
Als auch die Ukraine ausgepresst war und die Staatspleite anstand, kam es zum Maidan.

Kurz vor dem Maidan-Massaker ein Brief an Janukowitsch von einem Parteikollegen, der es "gemerkt" hat:

You did not understand that the parasite cannot consume its host. For example, a bug ... cannot swallow
a bull.
Party of Oligarchs, wake him up, if you have awoken yourselves. And don’t be afraid. If you are honest,
then Maidan will be able to begin negotiations with you.

Genau deshalb hat auch Poroschenko noch eine Chance. Er war in Janukowitschs Regierung und Mitgründer der
Partei und selber Oligarch.

Ist das wie bei Westerwelle: Die BRD am Hindukusch verteidigen?
Bitte erkläre mir deinen Denkfehler.

Nein, ist es nicht. Die Ukraine verteidigt die Ukraine genauso, wie wie Du in Deinem
Satz implizierst, dass die BRD gefälligst die BRD verteidigen soll. Die BRD wird Bayern
auch dann militärisch verteidigen, wenn der Mehrheit der Bayern jede andere Option ausser
Krieg lieber wäre.

Mich wundert es etwas, dass du dieses Video verlinkt hast,
denn es wirft definitiv ein schlechtes Licht auf diese Regierung,
die in ihrem eigenen Land Städte in Schutt und Asche bombt,
Soldaten in den unnötigen Tod schickt und absichtlich Zivilisten tötet.

Es werden keine Städte in Schutt und Asche gebombt. Der Flughafen ist ein Kampfplatz, wobei der
Flughafen von den "Separatisten" zerstört worden ist, weil dort die Ukrainer sind und die umliegenden
Wohn- und Industriegebäude sind zerstört worden, weil von dort die "Separatisten" angreifen.

Dass Soldaten in einen unnötigen Tod geschickt werden, stimmt nicht - keine Partei möchte
ihre Soldaten tot sehen, dass aber Soldaten im Krieg sterben, ist nichts Neues. Was denkst Du,
welch hohen Preis an Menschenleben die "Separatisten" zahlten? Die 200-Cargos zurück nach Rostow
sind ausreichend dokumentiert.

Der Flughafen war ein intensiver aber auch relativ isolierter Kampfplatz. Die Zivilisten sind von
dort evakuiert worden, resp. zum Verlassen aufgefordert worden. Ich kenne selber Leute, die in
betroffenen Quartieren gewohnt haben.


Die eigentliche Pflicht der ukrainischen Regierung wäre gewesen, die Kontrolle über den Flughafen und
die Separatistengebiete zu übernehmen und die Sicherheit an den Grenzen wieder zu gewährleisten.
Kurz bevor dies gelang, drehte Putin das Feuer auf und vernichtete ganze Kompanien zum Teil mit
termobarrischen Sprengköpfen.

Die Politik des Westens ist es, die Regierung unter Druck zu setzen, dass diese ja nicht die Flamme
des Krieges aufdreht, weil Putin immer wieder etwas nachlegen würde. Dies hat Merkel ja erklärt,
als sie sagte, Waffenlieferungen brächten der Ukraine gar nichts. Viele in der Ukraine verstehen diese
Politik aber nicht.


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