Der gepanzerte Panzer
Also ich hab große Probleme mit Ashitakas Schreibe...
Ich verstehe seine Texte nur zu max. 27 Prozent.
Und das auch nur, wenn ich sie mir 5 mal angetan habe.
Das ist eine schlechte Voraussetzung, um einen Roman zu genießen und
seine fiktiv versteckte Botschaft zu verinnerlichen.
Hallo Hinterbänkler,
man kann Ashitaka nicht verstehen – habe ich auch längst aufgegeben.
Ich finde seine Ausführungen jedoch interessant, denn man kann verstehen,
worauf er hinaus will, bzw. was mit Simulation gemeint ist.
Es ist ein psychologisches Problem.
Wie ich es verstehe:
Der Mensch panzert sich irgendwann, um sich zu schützen, da er beständig
von anderen Menschen bedrängt und verletzt wird.
Nun haben wir den gepanzerten Menschen.
Der gepanzerte Mensch ist jedoch nicht glücklich mit seiner Situation.
Er wird leiden und wird sich nicht in der Welt zurecht finden. Er bemerkt,
dass er auf diese Weise nicht im Leben weiter kommt.
Um seinen Panzer zu beseitigen, müsste er wieder seine Gefühle leben
und sich öffnen können. Er hat jedoch gar nicht bemerkt, dass er sich
gepanzert hat. So versucht er das Problem zu lösen, indem er seine
eigene Panzerung verdrängt und sie nicht sieht.
Auf diese Weise werden seine Gefühle, sein Selbstbild und sein
Selbstbewusstsein auf einer falschen Annahme beruhen. Nämlich
der, dass sein Panzer Wirklichkeit – also er selbst ist.
Er lebt praktisch in einem permanenten Trugbild seiner selbst.
Er ist immer noch egoistisch und gefühlsarm, aber er nimmt es
als Wirklichkeit und sucht seine Freuden anderswo, wie z.B. Macht,
Einfluss, Konsum, Reichtum oder Pädophilie und ähnliches.
Er hat jetzt eine zweite künstliche Realität aus der ersten künstlichen
Realität erzeugt. Daraus gibt es kaum noch ein Entkommen. Denn er
begreift nicht, dass er immer noch ein gepanzerter Mensch ist, der sich
mit seiner Situation arrangiert hat. Oder einfacher gesagt: Er weiß immer
noch nicht, wer er eigentlich ist und dass die Wahrnehmung seiner
Wirklichkeit auf einer Einbildung beruht.
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Das Problem ist, dass etwas Falsches, Unechtes und Künstliches für etwas
Wahres und Gegebenes gehalten wird. Dieses Prinzip kann auf alles
angewendet werden.
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Es gibt eine Formel, die dies deutlich macht: Falsus in uno – falsus in
omnibus. Fehler in einem – Fehler in allem.
Ist die Grundannahme falsch, werden alle Schlussfolgerungen die
darauf aufbauen, ebenfalls falsch sein. Solange bis der Grundirrtum
erkannt wird.
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Auf den Terror bezogen kann es bedeuten, dass Terror inzwischen als
etwas Reales empfunden wird, obwohl er in Wahrheit nie existiert hat.
Er ist eine Erfindung. Es gibt keinen Terror, sondern nur die Simulation
von Terror. Die Simulation bestimmt jedoch inzwischen in einem sehr
großen Umfang unsere Wirklichkeit und unser Weltbild. Dieses wird
nicht mehr in Frage gestellt.
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Auf die Gesellschaft übertragen, könnte man sagen, dass sobald das
Gesellschaftssystem mit seinen Werten, Idealen und Funktionen nicht mehr
im Bezug zur Lebenswirklichkeit des Menschen steht, es immer mehr zu
einer künstlichen Realität wird, die weiter und weiter vom eigentlich
Sinn der Gesellschaft und des menschlichen Lebens weg führt – also zu
einer Simulation einer Gesellschaft wird.
Gruß
nemo