Rumänien - meine Betrachtung:

helmut-1, Siebenbürgen, Donnerstag, 05.11.2015, 13:54 (vor 3743 Tagen) @ stokk4372 Views

Hab bereits zweimal begonnen, direkt ins Fensterzu schreiben, - damits schneller geht, - zweimal ist der Beitrag weggeflogen. Einmal mußte ich niesen, und habe da mit meinem Finger irgendwo draufgedrückt. Das andere Mal beim Schnellschreiben auch irgendwo zwei Tasten gleichzeitig gedrückt, - und – schwupp- wars wieder weg. Beim Dokument passiert das nicht, - da muss man immer zweimal drücken, wenn man (gewollt) was löschen will. Weiß nicht, wo da der Fehler liegt, bei mir oder im System. Weiß nicht einmal, welche Taste es ist, - wenn ich das gewollt machen will, gelingt es mir nicht. Und wenn es mal auf „Vorschau“ ist, dann kann ich meinen Beitrag im DGF gar nicht mehr löschen, - auch, wenn gar nichts drin steht.

Zum Thema:
Man muss – wie bei so vielem in der Geschichte - zwischen Grund und Anlaß unterscheiden. Das mit dem Brand war nur der Anlaß, der das berühmte Faß zum Überlaufen brachte. Allerdings hat das auch den Nerv getroffen. Man muss wissen, dass die meisten jungen Leute mangels persönlicher Perspektive oder sonstiger Möglichkeiten kaum mehr was anderes haben, als zu solchen Veranstaltungen zu gehen. Das ist ihnen noch als Zeitvertreib geblieben.

Wenn das auch noch lebensgefährlich wird, dann gehts ans Eingemachte. Viele stellen sich auch vor, wie es sein würde, wenn sie selbst dort anwesend gewesen wären, oder gar verunglückt wären. Das bewirkte eine Welle der Solidarität im Land, - in vielen Städten gabs spontane - stille - Kundgebungen, wo die Menschen auf öffentlichen Plätzen Blumen niederlegten und Kerzen anzündeten.

Das will schon was heißen, zumal die Hauptstädter in der Provinz nicht besonders beliebt sind. Ist in D ja nicht anders. Kann mir auch kaum vorstellen, dass jemand in Saarbrücken auf dem Marktplatz eine Kerze anzündet, wenn in Berlin ein größeres Unglück passiert.

Nun zu den Gründen:

Seit Jahren heißt es, man bekämpft die Korruption im Land. Ja, es wird ja auch was getan, - es erscheint aber wie eine Hydra, diese Krankheit. Dazu merken die Leute andauernd, wie sie von denen, die von der Korruption profitieren, im Hamsterrad gehalten werden. Die Gesetze sind nämlich schon so gemacht, dass sie angeblich übergenau sind, aber dadurch als Sekundär- und Tertiär-Effekt wieder andere profitieren lassen, dass es schon unverschämt ist.


Man will ein Auto zulassen, - hat selber keine Zeit, schickt einen Familienangehörigen, - und auc h bei vielen anderen Beispielen: Man braucht für alles eine notarielle Vollmacht, und das kostet. Was die Notare hier in RO so an Geld machen, es ist ungeheuerlich. (ich kann das Wort „verdienen“ beim besten Willen nicht dabei in den Mund nehmen).

Gerichtsvollzieher ist es ähnlich. Er heißt zwar „Gerichtsvollzieher“, ist aber eine freiberufliche Tätigkeit. Macht mehr Geld im Monat als ein Minister. Die Insolvenzverwalter sind genauso ein Übel. Werden bei jedem Konkurs vom Gericht eingesetzt, - auch, wenn überhaupt keine Konkursmasse vorhanden ist. Dann bekommen sie ihr Geld vom Staat, und das ist verdammt viel. In D würde da gar kein Konkursverwalter eingesetzt werden, weil da nur unnötige Ausgaben anfallen würden.

Will jemand eine marode Firma sanieren, die nicht in den Konkurs gehen soll, dann vereinbart er z.B. Ratenzahlungen mit den Gläubigern, u.a. auch mit dem Finanzamt. Das muss – vom Gesetz her – wieder ein Konkursverwalter beaufsichtigen, der dabei mehr pro Monat bekommt, als die Rate ausmacht.

Das zu den Selbständigen. Wie siehts beim einfachen Mann aus:

Der einfache Mann hat sich hauptsächlich mit Bürokratie herumzuschlagen, die zermürbt. Es gibt auf den Ämtern die beiden Standard-Antworten: „Ich weiß nicht“ oder „Es geht nicht“. Freundlichkeit, im Interesse des Bürgers auf den Ämtern zu agieren, - Fehlanzeige. Der Bürger wird als lästiges Übel angesehen.

Die Leute wissen nicht mehr, wie sie mit dem Geld zurechtkommen sollen, - aber EON, ÖMV undwie sie alle aus dem Westen heißen, -machen ihre satten Gewinne. Gerade wie sich EON hier verhält, das spottet oft jeder Beschreibung. Meist verstecken sie sich hinter den rumänischen Gesetzen, - zucken mit den Schultern, weil es eben anders nicht geht, angeblich.

Überhaupt sind die Energielieferanten in Monopolstellung, - mit Ausnahme der Treibstoffe. Es wird auch nicht geändert, weil dann würde sich in den Preisen was tun.

Die Lebensmittelpreise in den Supermärkten sind ähnlich wie in D, manchmal auch etwas höher. Aber der Durchschnittslohn ist hier bei 300€. Ich spreche nicht vom amtlichen Durchschnittslohn, weil da die Minister usw. auch mit drin sind, - ich spreche vom überwiegenden Teil der Bevölkerung. Allerdings: Die Angestellten bei den Energiunternehmen – die haben überwiegend in westlicher Höhe orientierten Lohn.

Die meisten Eltern leben in dem Wahn, dass ihre Kinder studieren müssen, damit sie besser durchs Leben kommen. Lernmittelfreiheit: Fehlanzeige. Alles muss bezahlt werden. Ich habe einen Arbeiter, der hat drei Kinder, und obwohl er bei mir besser verdient als bei anderen Firmen, reicht ein Monatslohn nicht aus, um für diese drei (2 in der Schule und 1 im Kindergarten) die Lernutensilien zum Beginn des neuen Schuljahres zu bezahlen.

Mit dem Gesundheitssystem ists katastrophal, - man hat zwar eine Chip-Card, - aber alles, was Begleiterscheinungen sind (Medikamente, weiterführende Untersuchungen, etc.) muss bar bezahlt werden. Zustand der Krankenhäuser: Meist katastrophal.

Jetzt sparen sich die Eltern das Geld vom Mund ab, damit der Sprößling studieren kann, und dann ist er endlich fertig, - und findet natürlich hier keinen Job. Im Ausland vielleicht, - aber da kommts dann meistens soweit, dass der Herr Diplommathematiker in D zum Bauern geht, um Gurken zu pflücken.

Immer wieder wartet man drauf, dass sich da was ändert, - man wartet vergebens. Man setzte große Erwartungen in den deutschstämmigen Präsidenten Johannis, - vergebens. Er hält sich bei allem vornehm zurück. Klar kann ein Präsident nicht die Welt aus den Angeln heben. Obwohl wir in RO eine Präsidentialdemokratie haben (im Gegensatz zu D – parlamentarische Demokratie), wo der Präsident mehr Rechte hat, - trotzdem. Möglicherweise will er abwarten, bis die jetzige Regierungspartei abgewählt wird oder das Handtuch wirft, um dann dafür zu sorgen, dass die Leute aus seiner Partei ans Ruder kommen. Aber ob sich dann was ändert....

Das alles hat sich im Laufe der Jahre angestaut, und noch vieles mehr. Es war ohnehin nur mehr eine Frage der Zeit, bis das explodiert. Die Leute können nicht mehr, und wollen auch nicht mehr. Keiner sieht mehr ein, dass er ins Ausland arbeiten gehen mus, wenn er die Familie hier in RO über die Runden bringen will.

Die Sache mit der Disco wird nur deshalb zum Anlaß genommen, weil es hier wiederum Korruption ist, die im Spiel ist. Wieder wurde jemand geschmiert, damit die Veranstaltung in dieser Form abgehen kann. Das Ergebnis ist die Tragödie.

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=380290

Was ist nun aktuell:

Der Ministerpräsident ist zurückgetreten. Aber die Leute auf der Straße wollen mehr. Sie sagen, damit ist es nicht getan, - die Regierung soll komplett zurücktreten, und dann sollen keine Parteienpolitiker mehr dran, sondern Fachleute und Technokraten. Deshalb wird weiter demonstriert, - und viele sagen, - wir hören diesmal nicht eher auf, bis wir das Ziel erreicht haben. Interessant auch, dass es nicht nur in einigen regionalen Gebieten ist, sondern flächig in allen größeren Städten im Land.

Mal sehen, wie es weitergeht.


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