Zuwanderung: Wann haben wir verlernt zu differenzieren?

BennyF, Samstag, 19.09.2015, 09:05 (vor 3780 Tagen)5993 Views

Hallo zusammen,

ich will eines vorwegschicken: Ich stehe der ganzen ungebremsten Zwanderung äußerst kritisch gegenüber. Am meisten ärgert mich die totale Unfähigkeit/Unwilligkeit der Politik, vorausschauend zu handeln, Entscheidungen zu treffen, und vor allem EHRLICH mit der Bevölkerung über Zukunftspläne zu reden. Ich bin stinksauer auf die Medien für die einseitige, verzerrende, verlogene Berichterstattung. Ich fühle mich nicht mehr zugehörig zu Deutschland, weil durch Ächtung Andersdenkender, durch Beschränkung der freien Meinungsäußerung dieses Land in meinen Augen nicht mehr als Demokratie bezeichnet werden kann. Ich bin frustriert über die Masse an Menschen, die sich unkritisch manipulieren und beeinflussen lässt, anstatt über Konsequenzen und die Zukunft nachzudenken.

Was mir in letzter Zeit in diesem Forum auffällt ist, dass besonders bei so kritischen Themen wie der Zuwanderung extrem einseitig, voreingenommen und unqualifiziert diskutiert wird. Ich muss sagen, da hätte ich den Gelben mehr zugetraut. Hier wird nicht mehr differenziert, sondern es werden ungeprüft irgendwelche Halbwahrheiten verbreitet und Stimmung contra Zuwanderung gemacht. Weshalb sind wir auf dieses Niveau gesunken?

Ich gebe zu, dass ich selbst nicht den Überblick über die Situation habe, dass ich nicht gänzlich beurteilen kann, wie die Gesamtsituation aussieht. Ich kenne nur einen Ausschnitt der Wahrheit, da ich bzw. mir nahe stehende Personen sie persönlich erlebt haben. Und die unterscheidet sich in vielen Dingen von dem, was hier so verbreitet wird. Natürlich gibt es eine Menge Wirtschaftsflüchtlinge und natürlich gehören die postwendend wieder nach Hause geschickt, ohne Diskussion. Natürlich gibt es Flüchtlinge, die sich aggressiv und völlig respektlos verhalten. Aber es gibt auch eine große (!) Menge Menschen (speziell aus Syrien und Afrika), die tatsächlich aus Verzweiflung und Angst um ihr Leben aus ihrer Heimat fliehen. Ich finde dieser Aspekt geht völlig unter. Wie viele von euch haben tatsächlich mal Flüchtlinge getroffen? Wie viele waren in einem Lager oder in einem Weiterverteilungsknotenpunkt? Oder wird hier nur gehetzt was das Zeug hält, weil man halt irgendwelchen Gerüchten glaubt?

Wenn ich z.B. das Posting von @Köbs sehe, der "mit zynischem Unterton" auf diese Links verweist:
Warum haben so viele Flüchtlinge ein Handy
Warum kommen so viele junge Männer ohne Familie
und die Antworten dazu, glaube ich, dass viele Schreiber hier von der Realtität tatsächlich keine Ahnung haben. Denn diese beiden Links berichten tatsächlich die Wahrheit, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Es ist der dritte Link (Wie meldet man rassistische Kommentare bei Facebook), der auch aus meiner Sicht völlig daneben ist (freie Meinungsäußerung und Zensur) und der wahrscheinlich dafür sorgt, dass man den ganzen anderen Fakten nicht mehr glaubt. Schade eigentlich. Durch solche Meinungsverbote wird extrem viel kaputt gemacht.

Ich sehe die Gefahr, dass zu diesem Thema von der anderen Seite her genauso meinungsmachend und manipulativ Stimmung gemacht wird. Und dass es viele Menschen gibt, die das dann auf alle Asylanten übertragen. Dadurch wird Hass aufgebaut.

Zu verschulden haben das eindeutig unsere Politiker und Medien, die von Anfang an gelogen, verheimlicht und einseitig berichtet haben. Die von Anfang an Kritikern den Mund verboten haben. Trotzdem bin ich etwas enttäuscht, dass sogar wir auf Propaganda hereinfallen, und zwar auf die der Gegenseite.

Nochmal: Es steht außer Frage, dass die Zuwanderung (selbst von Flüchtlingen, die tatsächlich gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen) aus dem Ruder läuft. Dass ein Plan fehlt, wie man in Europa vernünftig mit diesen Leuten umgeht. Dass zu wenig (bzw. nichts) gegen Wirtschaftsflüchtlinge getan wird. Aber deshalb pauschal die Zuwanderer zu verurteilen und in ein schlechtes Licht zu stellen, das halte ich für den falschen Weg.

Ich hätte euch mehr zugetraut!
Ich weiß nicht, wie lange ich dieses Forum noch lesen werde. Es droht, auf Eichelburg-Niveau abzusinken.


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