Katharsis statt Knall
Hallo Roman, hallo Forum,
auch ich bin neu hier (Hallo an die Eingesessenen!), und auch mich interessiert Deine Frage sehr. Ich will Dir gern skizzieren, was ich für relevant halte in dem Zusammenhang, und was daraus m.E. für die Zukunft hierzulande folgt:
1. Unmissverständlich ist m.E, dass die Mehrheit eine Wendung oder Umwälzung in irgendeiner Form sehnsüchtig erwartet. Allerdings ist das nicht neu.
2. Neu ist, dass die technische Seite der menschlichen Kommunikation derzeit schneller als zu jedem verlässlich erkennbaren Zeitpunkt zuvor.
3. Neu ist m.E. auch, dass die Bindungen der meisten Menschen stark labilisiert sind, sowohl politisch als auch wirtschaftlich als auch geistig.
Wesentliche Folge daraus ist m.E. extreme Widersprüchlichkeit, die wiederum den eigenen Willen in allgemein ungewohnter Deutlichkeit zu Bewußtsein bringt. Für die meisten bedeutet dieses Bewußtsein nicht unerhebliche Qualen. Gern schreibt man diese Qualen der "Gesellschaft", der "Politik" oder eben den allseits bekannten dunklen Hintergrundmächten zu. Das stimmt m.E. auch insoweit, als dass alle die Labilität spüren, und alle daher "etwas tun" möchten. Manche eher mit sich, manche eher mit anderen.
Konkret erwarte ich zunehmende Deutlichkeit in den Willensäußerungen der Menschen, und insbesondere der vielen z.T. verdeckt arbeitenden Gruppierungen. Auf Staaten bezogen vermute ich: Russland wird seinen alten Wunsch nach Weltmacht verdeutlichen, die USA den ihren nach Untergang propagieren, Deutschland wird zunehmend seinen Nazi-Makel überwinden, das jüdische Israel wird wohl der Klarheit in der alten Auserwähltheitsfrage anstreben, der Islam wird gegen eine Wand laufen, weil sie ihre Frauen nicht mehr in den Griff bekommen, etc. etc.
Auf seelischer Ebene ist die vielbeschworene Eskalation m.E. längst da. Wie sich das politisch manifestiert, ist nur eine Frage der Zeit, und wie es sich persönlich darstellt, kommt erheblich auf einen selber an. Die Argen werden sich wohl selbst richten, wenn sie sich dann irgendwann doch selbst erkennen (vermutlich so bei IS). Angst ist bei all dem mit Gewissheit das Gegenteil eines Ratgebers.
Die Flüchtlingskrise ist für Deutschland an der Wurzel m.E. aber vor allem eine Chance, sich der eigenen Identität aufrichtig anzunähern - auch durch die Fähigkeit, nein zu sagen zu etwas, was andere von einem erwarten, man selbst es aber nicht will.
Ein großer Knall würde all das viel zu einfach machen
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Grüße,
nvf33