Der deutsche Durchschnitts-Unternehmer ist erpressbar und zudem meist "bestochen", darum sagt er nichts ...

CrisisMaven ⌂, Mittwoch, 26.08.2015, 09:55 (vor 3802 Tagen) @ Balu2019 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 26.08.2015, 10:33

Schweigen der Unternehmer (nicht angestellten Managern), Patriarchen, geschäftsführenden Gesellschafter des deutschen Mittelstandes.

Die Zange, die der Staat seit den fuenfziger Jahren wieder Schritt fuer Schritt etabliert hat, funktioniert so:

a) Ein Unternehmer ist auf vielfaeltige Weise erpressbar. Es gibt kaum einen Unternehmer, der nicht irgendeine Gestattung, Genehmigung, Duldung fuer sein Unternehmen hat und zu dessen stoerungsfreiem Weiterbetrieb braucht. Da die Behoerden, gefuehrt von voellig unparteiischen, nur dem Gesamtwohl verpflichteten Beamten, diese Genehmigungen und Duldungen jederzeit einschraenken oder ganz entziehen koennen, ggf. mit Anordnung des sofortigen Vollzugs, protestiert der normale Unternehmer nur hinter vorgehaltener Hand.

b) Meist hat der Unternehmer zudem seine Finger zwangsweise in irgendwelchen "Honigtoepfen", sei es fuer eine gefoerderte Biogasanlage, eine Wiedereingliederungsbeihilfe fuer eine Arbeitskraft oder eine Exportbeihilfe etc. pp. Das ist dann, anders als die Strangulierung in a), eine Art Bestechung. Sie wirkt sich jedenfalls so aus, auch wenn man vom Charakter her eher zu den Unbestechlichen gehoeren mag. Denn: die Konkurrenz am Markt zwingt einen Unternehmer ja dazu, bei allem buerokratischen Aufwand, den das nochmals mit sich bringt, auch die Subventionen "mitzunehmen", sonst geraet er ins Hintertreffen.

Drittens sind gerade Patriarchen in mannigfacher Weise nicht unabhaengig. Nicht nur haengt das finanzielle Schicksal ihrer Familie von ihrem Unternehmen ab, nein, viele, vielleicht die meisten, empfinden auch noch Verantwortung gegenueber ihren Arbeitnehmern (und deren Familien).

Bei allem Unternehmer-Bashing und der Diskussion darum "wieviel mehr ein leitender Angestellter oder Unternehmer verdient als der 'gemeine Arbeiter'" - die GESAMTSUMME der Loehne und Gehaelter ist i.d.R. immens viel groesser als die Summen, die die Entscheider in den Unternehmen netto nach Hause tragen.

Was passiert nun, wenn man aufbegehrt, sei es auf einer Diskussionsveranstaltung der Industrie- und Handelskammer, in einem Internet-Auftritt oder direkt gegenueber einer Behoerde? Ploetzlich hat man eine regulaere oder Sonderpruefung im Haus. Selbst wenn sie, bei gut gefuehrten Unternehmen, gar nichts finden, ist der Schaden durch verlorene Arbeitszeit bereits immens. Und (s.o., b) bei der naechsten Foerderung kann es sein, dass man leer ausgeht.

Da jeder Unternehmer aber zudem weiss, lebensklug wie jahrzehntelange (erfolgreiche) Unternehmensfuehrung nun einmal zwangslaeufig macht (sonst endet sie frueher [[zwinker]]), dass er mit seinem Protest gar nichts erreicht, ja, dass er womoeglich auch noch gewaertigen muss, dass "sein" Betriebsrat das in den falschen Hals kriegt, laesst er es brav sein, sich allzu deutlich zu aeussern.

Fast JEDER Unternehmer denkt zum Beispiel ueber die deutsche Arbeitsverwaltung so, wie hier beschrieben. Aber er wird das bei Meidung oeffentlichen 'Haengens' nicht aeussern.

Und dann "arrangiert" er/sie sich halt, wozu auch die eine oder andere "Durchstecherei" im steuerlichen Bereich gehoeren, um die Verluste durch z.B., siehe a), buerokratischen Mehraufwand wieder hereinzuholen. Dafuer schlaeft er dann schlecht, wacht nachts schweissgebadet auf und erleidet einen fruehen Herzinfarkt.

Nur: man muss nicht glauben, dass das "hinterzogene" Geld "weg" sei oder in Swimmingpools investiert wuerde (auch das schafft im Uebrigen Arbeitsplaetze) - im Gegenteil, das sichert i.d.R. Arbeitsplaetze. Man darf das nur nicht verwechseln mit den Durchstechereien, die Nicht-Unternehmer wie die Leiter staatlicher Unternehmen betreiben. Das sind echte leistungslose Einkommen und Steuerspartricks, die dann in der Toskana und im Tessin verfruehstueckt werden. Wird aber vom Durchschnitts-Angestellten alles in einen Topf geworfen.

Wie schon von Mises zu den Riesen-Geschenken bei den Fuehrer-Geburtstagen sagte: "Sowas tun nicht Herrscher, das tun [tributpflichtige] Vasallen".

Man muss sich nur folgendes fragen:

1) Ist ein (erfolgreicher) Unternehmer einer, der "zu rechnen versteht", ja oder nein?

2) "Rechnet" es sich fuer ihn in irgendeiner Weise, zu protestieren?

Wozu sollte er es dann tun? Um die letzten verbliebenen Arbeitsplaetze seiner Arbeitnehmer(innen) auch noch auf's Spiel zu setzen? Nein, das deutsche Unternehmertum stimmt, wie in Frankreich und anderswo auch, "mit den Fuessen" ab. Stronach ist auch erst nach Kanada ausgewandert, und nur darum kann er es sich jetzt leisten, in seiner Heimat Oesterreich "dicke Arme" zu machen ...

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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