Wird so sein, wie Du sagst, denn Jenkins habe ich noch nicht gelesen ...
... sondern mich mit mehreren unterschiedlich konzipierten, industriell in Serie gefertigten solchen Toiletten-Systemen befasst.
All diese waren dysfunktional bis auf eine, wo dann aber die Benutzer gefordert sind, mit Eimer raustragen und so.
Nicht unbedingt notwendig, da sich die Kompostierungsanlage ausserhalb des Hauses befindet. Man muss natuerlich den Behaelter regelmaessig rausbringen (muss man mit dem Muelleimer ja auch), aber man spart sich dafuer das laestige Putzen der Kloschuessel.
Das ist dann halt wieder diskontinuierlich und die meisten wollen das nicht.
Nein, es ist ein Irrglaube, dass Urin von Kot getrennt werden muss.
Ja, in sauber aufgebauter Kompostierung nicht, in der Natur ja auch nicht. Aber in den diskontinuierlichen,
a) mit dem von Dir beschriebenen Eimer sieht das so aus:
1) Entweder der Urin wird ueber die normale Abwasserleitung entsorgt, oder
2) der Eimer schwappt und wird zu schwer
3) oder die Benutzer muessen den viel oefter ausleeren, als den Muelleimer.
b) Wenn a 1) - Abwasserleitung/d.h. Trennsystem: die Abwasserleitung neigt zur Verstopfung durch Urinstein, da ja eben nicht gespuelt wird. Wird zusaetzlich wegen allein des Urins gespuelt, hat man beinahe denselben Wasserverbrauch wie vorher und nur den Kot getrennt.
Fuer die Kompostierung bringt es keinen Vorteil und Urin ist sogar vorteilhaft, denn es hindert die Geruchsentwicklung. Wir (5 Personen) selbst setzen so ein Klo auf Camping-Touren ein. Das stinkt genausowenig oder -soviel wie ein normales Klo. Sobald die Exkremente mit organischen Material abgedeckt sind, riecht nichts mehr, auch nach einer Woche. Nach ein bis zwei Wochen setzt allerdings die Fermentierung ein, was zur Geruchsentwicklung fuehrt, aber da sollte man sowieso geleert haben.
Ja, das ist halt ein diskontinuierliches System. Das stoesst auf wenig Gegenliebe, insbesondere bei Frauen. In unserer Kultur sind Faekalien wesentlich staerker mit Tabu und Schamgefuehl belegt als der Hausmuell.
Ich rede nicht von Theorie, ich habe da Erfahrungen ...
Wenn ich Menschen Hygiene erklaere und sage, dass ich mir lieber mit einer in Domestos desinfizierten Klobuerste als mit meines Badnachbars Zahnbuerste die Zaehne putzen wuerde, hoere ich im Hintergrund immer unterdrueckte Kotzgeraeusche ...
Grundwasserprobleme dabei beachten. Usw. usw. usw. Eines
Die Trockentoilette loest das Grundwasserproblem, weil nichts im Boden versickert. Es kann zwar am Komposthaufen unten leicht suppen, aber das laesst sich mit einer wasserdichten Schicht leicht auffangen und notfalls wieder nach oben pumpen.
"Nach oben pumpen" - = nicht wartungsfrei und diskontinuierlich.
Trockentoiletten schuetzen sogar unser Grundwasser, da weniger Wasser verbraucht und mit Pathogenen verschmutzt wird, welches dann durch Lecks von Kanalisation, Jauche- und Sickergruben wieder ins Grundwasser gelangen kann.
Ja, aber diskontinuierlich mit geringer Akzeptanz in der Normalbevoelkerung. Natuerlich wird ein "Ueberzeugungstaeter" das alles machen. Ich suche aber stets nach Loesungen, die am Ende auch in der Breite zum Einsatz kommen (koennen).
KEINES der von mir studierten Konzepte taugt dazu bisher.
Buches wert
Das hat Jenkins alles ausfuehrlich geklaert schoen beschrieben (Buch kostenlos verfuegbar, folge meinen Links). Er holt auch sehr weit aus, es beschreibt nicht nur seine Anlage, sondern er vergleicht alle moeglichen Anlagen als auch die Entsorgung in anderen Kulturen.
Ich habe den schon auf meiner Leseliste. Nur fuerchte ich, dass ein Umsteuern nur gelingt, wenn die Durchschnittsmenschen nichts mehr mit dem weiteren Verlauf zu tun haben.
In frueheren Zeiten war das so. Das war zwar diskontinuierlich, aber es gab Interesse seitens der Industrie, u.a. am Urin. In Grossbritannien kam regelmaessig der "Piss Willy" und hat den Urin abgeholt - fuer Gerbereien und zur Harnstoffgewinnung usw. Ich habe als Kind noch vereinzelt diese Klohaeuschen erlebt und die Tankwagen, die die Grube auspumpten (hier ohne Trennsystem).
Seitdem das alles synthetisch gemacht wird (Erdoel als Energieengpass, aber scheint noch kein Engpass zu sein...), ist das Interesse schlagartig erloschen.
Fuer die Durchschnittsbuerger muessten also wieder Dienstleister zur Verfuegung stehen, die die "Drecksarbeiten" uebernehmen. Die sehe ich derzeit nicht. Selbst am Bau macht sich keiner mehr gerne die Haende schmutzig.
D.h. ich streite nicht ab, dass es als Problem technisch exzellent geloest ist. Damit steht die Loesung fuer alle die einwandfrei zur Verfuegung, die so naturverbunden sind, das zu wollen. Aber alle anderen, und das sind schaetzungsweise 99% der westlichen Bevoelkerung, werden den Weg nicht mitgehen.
Selbst die Passiv- und Nullenergiehaeuser ... was haben die (meist) - Klospuelung! Man sollte doch wenigstens bei dieser Klientel was anderes erwarten.
--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English