Nahezu kostenlose Wärme aus dem Garten

Leser68, Freitag, 31.07.2015, 15:21 (vor 3827 Tagen)16835 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 31.07.2015, 15:46

Hier im Gelben wurde der Begriff Biomeiler schon ab und zu mal erwähnt. Was er aber wirklich bedeutet, wurde bisher leider nicht wirklich klar.
Ein Biomeiler ist quasi eine bisher noch völlig ungenutzte Energiequelle, die auf Biomasse beruht.

Der Begriff ist eine Anlehnung an den Begriff Holzkohlemeiler, mit dem früher aus Holz, das tage- oder wochenlang in einem Schwelbrand vor sich hin schwelte, Holzkohle gemacht wurde, als noch kaum Braun- oder Steinkohle genutzt wurde.
Der Unterschied ist, dass in einem Biomeiler nichts brennt und auch praktisch keine Wärme ungenutzt verstreicht. Die meisten kennen wahrscheinlich das Problem der Selbstentzündung eines feuchten Heuhaufens. Genau das gleiche Phänomen kann man sich zu Nutze machen, um alle mögliche Biomasse, vor allem Grünschnitt und Holzhackschnitzel dazu zu bringen, Wärme zu erzeugen und diese zu ernten. Am Ende, wenn der Meiler nicht mehr genügend Wärme bringt, stellt das verrottete Material einen hervorragenden Kompost dar, den man entweder selber nutzen oder auch verschenken oder verkaufen kann.

Kurz die wichtigsten Daten:

Aus etwa 10 cbm Biomasse (vor allem Grünschnitt und Holzhackschnitzel) können etwa 1 kW Dauer-Wärmeleistung für mindestens 12-15 Monate mit einer Temperatur von ca. 35-60°C (auch mehr möglich) gewonnen werden. Allerdings ist diese Dauer-Wärmeleistung nicht wirklich rund um die Uhr gegeben. Es ist quasi der Tagesschnitt (ca. 8 Stunden pro Tag wird Wärme á ca. 3 kW abgegeben, d.h. 24 kWh pro Tag = 1 kW im Schnitt).


Kurze Erklärung des Prinzips Biomeilers aufgrund eines Projekts der Gemeinschaft Schloss Tempelhof (in der Nähe von Dinkelsbühl, zwischen Ulm und Würzburg) - mit vielen Bildern:

Biomeiler
http://www.linaria-ev.de/de/biomeiler/

Bauanleitung Biomeiler 1.0 (mit einigen Daten zu Abmessungen, Material- und Werkzeugliste für Biomeiler mit ca. 130 cbm Material):
http://www.linaria-ev.de/wp-content/uploads/2013/12/Biomeiler-1.0.pdf

Eine ausführlich bebilderte Bauanleitung im 1-Mann-Do-it-yourself-Verfahren:

Kreis Unna, Holzwickede, Projekt Biomeiler !
http://www.tragschrauberrundflug-nrw.de/14.html


Das Buch (englisch) des leider schon verstorbenen Forstwirts und Entdeckers der Methode Biomeiler, Jean Pain:

Another Kind of Garden – The Methods of Jean Pain
http://www.linaria-ev.de/another_kind_of_garden-the_methods_of_jean_pain.pdf

Ein Seminar zum Thema Biomeiler von der in Deutschland federführenden Firma Native Power:

Ausführliche Einführung zum Biomeiler "NP" nach Walter Witte, Seminar Mitschnitt (32min48)
Veröffentlicht am 10.03.2013
www.youtube.com/watch?v=NrAI1O4emmY

Eine alte Doku über den Entdecker Jean Pain:

Biomeiler Jean Pain (14min31)
https://www.youtube.com/watch?v=7Wh5wvrUVp4

Ansonsten gibt's noch jede Menge weitere gute Videos bei Youtube zum Stichwort Biomeiler.

Sonstige wichtige Infos:
Verwendet wird, aus Kostengründen, ein PE-Rohr, das aber nicht geruchssicher und sauerstoffdiffusionssicher ist. D.h. man muss für den Anschluss an die Heizung einen Wärmetauscher dazwischen schalten. Das Häckselmaterial sollte möglichst fein gehäckselt sein (Messerhäcksler) und sehr gut gewässert werden beim Aufbau der Materialschichten. Optimalerweise ist etwas (ca. 10%) Tiermist (Kuh, Schwein, Huhn) dabei, sehr gut gemischt.
Gesamtkosten dürften für einen 50 cbm Meiler unter 1000 Euro liegen. Theoretisch kann man mit dessen Wärmeleistung (ca. 5 kW) den Wärmebedarf eines Hauses (100-150 qm) decken (5kW á 24h á 365 Tage = 43800 kWh = 4380 Liter Heizöl). Das geht aber nur mit einem entsprechend großen Puffer-/Wasserspeicher und wenn kein Wärmetauscher dazwischen geschaltet ist (geht auch mit aluminiumbeschichten PE-Rohr, das aber einiges teurer ist, ca. 4 €/m). Genutzt werden können alle Bioabfälle, aber es sollten mindestens ca. 70% Holzschnitzel sein und da auch vor allem Laubholz. Anfallen tut Grünschnitt bei privaten Gärtnern und bei Grün- und Baumschnittarbeiten von Straßenmeisterein, die das Häckselmaterial allerdings bisher meistens wohl einfach an den Straßenrand blasen.
Die PE-Rohrlagen haben einen vertikalen Abstand von ca. 40-70 cm, bei einem horizontalen Abstand des Rohres von den Außenwänden von mindestens ca. 40 cm (wegen der Isolierung im Winter). Man benötigt einen Biomeiler von mindestens etwa 30 cbm (dabei am Besten kreisförmiger Grundriss), damit dieser auch im Winter noch Wärme liefern kann.


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