Vorsicht Denkfalle... "Anarchokapitalismus versus Minimalstaat"

Bernadette_Lauert, Donnerstag, 23.07.2015, 09:52 (vor 3835 Tagen) @ nemo5079 Views
bearbeitet von Bernadette_Lauert, Donnerstag, 23.07.2015, 10:25

Hallo Bernadette!

Du startest aus meiner Sicht gleich mit dem übertriebenen Part. Lass

mich

mal ein paar Prämissen setzen:
Wenn ich im folgenden das Wort "Rechtsstaat" verwende, heißt das

nicht,

dass ich mit dem Deutschen Staat zufrieden wäre oder ihn gar

verteidigen

will.
Aber was seine Existenz angeht, komme ich wieder aus Schmidt im P.S.

oben

zurück. Existieren muss er schon. Sonst ist es eben wie da in der

Ukraine.

Nein, In der Ukraine versuchen zwei Gewalt-Systeme die Vorherrschaft zu
erlangen. Geo-Strategie auf Kosten des Landes und des Volkes. Eines
dieser Systeme ist noch ein bisschen aggressiver und gewalttätiger
als das andere.

Das ist die Welt in der wir leben. Und wir können dort [Ukraine] ganz konkret sehen, was passiert, wenn ein Rechtsstaat von außen [US-Destabilisierungsagenda] kaputt gemacht wird.

Aus denklogischem Ableiten (z.B. Kant) und empirischer Beobachtung
(verlinktes Ukraine-Vid von vorgestern).
Der Punkt ist, nemo: Das Leben ist immer ein Kompromiss. Nichts
funktioniert perfekt.


Im Kapitalismus sind auch die Kompromisse nicht besser,
als das System selbst.

Das ist eine Parole, die sich nicht mit der realen Welt beschäftigt. Wenn Du nicht bereit bist in Kompromissen zu denken, kannst Du nur im Himmel Dein Glück finden, also nach dem biologischen Ableben. Das liest sich wie eine dieser agressiv hingerotzten Antworten, die so häufig hier im Gelben anzutreffen sind, aber ich erläutere das weiter unten konkreter...

Und ser Rechtsstaat an sich ist Teil eines Kompromisses, den wir

gefunden

haben. Weil das mit dem Recht des Stärkeren, den Banden und den
Privatarmeen ist ein Phänomen, welches wohlbekannt ist, auf diesem
Erdenrund.


Komm doch mal weg von den blutrünstigen Räuberbanden. Die werden
gelassen, weil es dem System nützt. Wenn sie dem System nicht mehr
nützen, werden sie verboten und entwaffnet.

Ich glaube, Dir muss klar werden, dass wir hier eigentlich die Debatte "Anarchokapitalismus versus Minimalstaat" führen.
Und selbst mit einen Minimalstaat kann ich auch nur unter der Prämisse leben, dass erst noch auf genossenschaftlicher Basis bessere Lösungen für Teilbereiche der Lebenswirklichkeit gefunden werden.
Ansonsten hieße den Staat wegzunehmen schlichtweg einfach alles der Konzernwirtschaft zu überlassen.
Infrastruktur, Wasser, Bildung -> das organisieren dann Oligarchen für Dich.
Auch die "Sicherheit". Und wie die dann aussieht - bei Privatarmeen statt Rechtsstaat, habe ich Dir mit dem Video zu verdeutlichen versucht.
Die Frage bist Du ja auch noch schuldig beblieben, die ich hier gestellt habe:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=362398
Wie willst Du in der heutigen Zeit unter realen Bedingungen ohne Rechtsstaat verhindern, dass nur das Recht des Stärkeren gilt?

Du bist glaube ich echt jemand mit dem Herz am rechten Fleck, nemo. Aber das mit dem Staat abschaffen halte ich für eine Denkfalle.
Denn das Machtvakuum würde schnell gefüllt werden. Irgendeina Alternative muss her, wenn keine Privatarmeen und Faustrecht herrschen sollen.
Und ich möchte darauf hinweisen, dass die Bevölkerung in der Ukraine aus dem Video, die sich mit privaten Söldnern herumschlagen muss, keine Chance haben, über "Stammesgesellschaften" und #Waldmystizismus nachzudenken. Ja nicht mal über "meinen" Weg der genossenschaftlichen Organisation bei einem schlanken Staat. Lawinenrevolutionen haben nur einen Gewinner. Und zwar das übergreifende Machtsystem, welches diese gerne initiiert und finanziert.
"It´s a Trap!" Das gilt so lange, so lange dieses übergreifende Machtsystem "Oligarchenwirtschaft" agiert und Machtvakuum sofort ausfüllen würde.
[image]

Dagegen hilft nur Rechtsstaat PLUS. Mit neuer Wirkformel. So wie wenn

die

Waschmittelindustrie ein verbessertes Verfahren auf den Markt bringt.

Oder

nehmen wir die Energiewirtschaft. Da klingt es glaubhafter, Obwohl auch
"Omo" mit verbesserter Wirkformel daher kommen könnte.


Wo beginnt denn der Rechtsstaat im kapitalistischen System und wo endet
er?
Alles Interpretationssache und letztlich Lüge: Die Macht geht vom Volke
aus. [[zwinker]]

Alles Lüge heißt "alles Schwarzweiß". Die Welt ist aber voller Grautöne. Und die Fragen nach einem geordneten Zusammenleben ohne Staat bei einem Machtvakuum, welches private Söldner füllen würden, bleibt trotz solcher Sprüche und Parolen bestehen.

Meinst Du, das wäre ihm in Afghanistan auch gelungen, wo der Staat so
kaputt ist, dass es kein Schulwesen gibt und privat nur ein paar Reiche
unterricht hätten... Letztlich weil der Staat destabilisiert und die

Leute

arm sind:


Du hast das Datum bei dem Afghanistan Bild vergessen. [[zwinker]]

Hast Du inhaltlich auch was zu der Bildungssystem-Problematik zu sagen. Ich bin so stolz auf mein Dipl.Ing.-Hasso-Beispiel.

Es stellt sich nur die Zusatz-Frage, was genau es alles schlecht an
diesem System ist. Der IMK, Geheimbünde, Oligarchen mit Privatarmeen

sind

keine staatlichen Einrichtungen oder allgemein gesprochen, nicht in
öffentlichen Hand. Die halt mitunter besser agiert als der

unsichtbaren

Hand des Marktes. Die fördert oft Fehlentwicklungen (Marktversagen).

Ein

Rechtsstaat schützt uns gegen Willkür mit Firmen, Nachbarn und

seitens

Verbrechern sowie Pribvatarmeen. Auch wenn er zugegebenermaßen an

anderer

Stelle Probleme bereitet.[/b]

Ich würde sagen: "menschenimmanent", vor allem so lange die
Allgemeindenke auch auf Staatsebene ums goldene Kalb tanzt.


Das goldene Kalb haben wir selbst erschaffen und tanzen nun drum herum.
Das nennt man Kapitalismus. Man könnte ebenso gut damit aufhören.
Leider ist das System die Grundlage unseres Rechtssystems. Deswegen
sitzen auch überall Kriminelle in den Führungspositionen. Der
Rechtsstaat
schützt uns nicht vor Krieg, Gentechnik, Patenten, Betrug und Banken.
Das ist reine Einbildung. Ein Rechtssystem, das seinen Namen verdient,
würde so etwas von vorne herein ausschließen bzw. ein Instrument sein,
das solche Entwicklungen verhindern kann.

Sobald Du konkret werden würdest, hätten wir glaube ich kein Streitpotenzial. Du lehnst den Staat bereits als Wort ab. Irgendwelche Strukturen müssen aber her. Nennen wir sie von mir aus anders, damit Dein Beißreflex nicht durchkommt. Aber bitte versuche konkret und wirklichkeitsbezogen zu denken.

Das kann es ja auch nicht sein. Ein (!!!besserer!!!) Staat ist nötig.
Wenn den bestehenden die USA kapott machen, brennt der Hut. Freilich
müssen wir ihn verbessern. Von mir aus auch ganz grundsätzlich. Neue
Kompromisse finden.


Nicht Kompromisse. Grundsätzliche Werte.

"Wert" ist in dem Kontext doch auch nur ein Wieselwort. Mehr nicht.
Wenn Du ehrlich bist, wirst Du mir zustimmen müssen, dass die Welt voller Kompromisse ist. Beispielsweise machen sich pro Tag 42.000 Flüchtlinge auf den Weg. Deutschland braucht Staatsgrenzen, sonst werden die Spannungen durch Überfremdung schnell zu groß. Sobald Du Staatsgrenzen akzeptierst, akzeptierst Du aber auch einen Staat. (Zumindest einen Minimalstaat, der für äußere Sicherheit sorgt.)
Und wenn er im inneren auch noch Dein Eigentum und Dein leben schützen soll, hast Du ihn auch noch akzeptiert. Die Alternative wäre ein Deal mit dem stärkeren Privatarmee-Mafiaclan - dem örtlichen Babo.
Bitte mache Dir das alles klar.
Das krasse ist, dass wir zum selbsen Fazit kommen. Aber ich lehne bei solchen Fragen Träumereien und Wolkenkuckucksheim-Debatten ab, denn:
Ideologie ist immer theoretisch, die Wirklichkeit ist immer konkret.
Stürzt der Staat sind die Babos mit Privatarmeen, die Oligarchen und die Konzerne schneller da, als Du das Wort "Anarchokapitalismus" sagen kannst.
Ich hab das beschrieben mit den Worten:
Gewinner sind dann tendenziell diejenigen mit dem meisten Geld bei den geringsten Skrupeln. Kugeln statt Verträge Wirtschaft völlig neu gedacht...

Wir sind ja so ziemlich beim selben Fazit angelangt, was faszinierend ist, bei der unterschiedlichen Lagebeurteilung.
Aber die Punkte, die ich da angesprochen habe stehen im Raum wie ein Elefant und können schwer ignoriert werden, wie ich finde...

Gruß
nemo

Nix für ungut, nemo. Wir ticken ja ganz ähnlich, bitte sehe meine Einwürfe nicht als Angriff, sondern als Debattenbeitrag.

Gruß, Bernadette


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