Das ganze System ist extrem fragil

Morpheus ⌂, Sonntag, 14.06.2015, 13:22 (vor 3873 Tagen) @ Silke2903 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 06.02.2017, 20:11

Hallo Silke,

die beschriebene "Prophezeiung" (Alle allen alles) bedarf keines
Verständnisses von irgendwem - die Machtverklumpung, das historische
Wachsen und Verfeinern der Machtmechanismen und die gegenseitigen
Abhängigkeiten passieren wie Naturgesetze.
Wir können es nur beobachten (z.B. in den letzten Jahrzehnten) und die
Ursache im Forum lesen:
Debitismus = Kettenbrief mit Vorfinanzierungsproblem der Rahmen und
Vertrauen gebenden Macht und Nachschuldnerproblematik der zur Schuld
Gezwungenen.

Ja, ist ein Naturgesetz. Nur kann der Kettenbrief jederzeit auch vorher reißen, was dann G.O. bedeutet. Deshalb ist es schon sehr wichtig, dass alle gut mitspielen und die Illusion, dass das System funktioniert, möglichst lange erhalten bleibt.

Da können so ein paar dumme griechische Politfratzen schon für reichlich Ärger sorgen. Ich möchte, dass es noch etwas weiter läuft, auch wenn sich Zara über jeden weiteren Tag ärgert.


In diesem System müssen sich zu bestimmten Terminen gerade eben noch
solvente, liquide und gut bewertete Wirtschaftssubjekte in den
Zusammenbruch der Rückabwicklung von fallierenden Schuldnerketten begeben,
weil sich in einem einmal kippenden Markt alle Wertverhältnisse und
Paritäten mit Fallgeschwindigkeit innerhalb kurzer Zeit verändern.
Blei schlägt Gold...

Ja, wenn die Illusion kaputt geht, ist Schluss. Sieht man doch auch gerade in GR, wie Gabys Beitrag zeigt.

Genau, wenn Politfratzen so dumm sind wie die Griechen, die sich eben für
besonders schlau halten, dann muss es eben genau so kommen.
Die sollten sich nicht nur mit Spieltheorie und Verhandlungstaktik
beschäftigen, sondern besser die Grundlagen des Wirtschaften studieren.

Gegen so viel Dummheit einer Regierung ist leider (gerade vom Ausland her)
wenig anzukommen.


Sind Politiker nicht eher nur erpressbar und abhängig als dumm?
Wo haben die Griechen in den letzten Jahrzehnten für alle Griechen in
Summa und ihre Hintermänner
keine gewaltigen Vorteile gegenüber
anderen EU-Ländern erreichen können (Die Verteilung dieser Vorteile
zwischen den griechischen Bürgern mag ein Riesenproblem sein aber in Summe
ist GR doch besser gefahren als alle anderen PIGS und die Peripherie?

Normaler Weise irgendwie schon. Ich weiß nur auch hier nicht, was gerade bei den Griechen läuft. Die bekommen sie nicht in die Spur.

Doch, ist schönes Anschauungsmaterial. Gabys Bericht macht es doch ganz
klar. Nur sind dafür genau die griechischen Politfratzen zuständig, die
die Illusion des ewigen "weiter so" durchbrechen und alles in Frage
stellen.


Das schon, aber bezahlt wird ja die Maut auf unterschiedlichen Autobahnen.
Wer sich optimal aufgestellt hat und Corporation-Power und
Staatsmachtanteile hinter sich hat profitiert ja auch unaufhaltsam selbst
noch von der Krise - oder?

Na klar, ohne Profite läuft beim Debitismus nichts. Den stehen nur ständig mehr Schulden gegenüber, aber Profite sind für die Illusion absolut notwendig. Das ist bei jedem Kettenbrief so.

Zara schreibt es sehr schön: Ohne brutale Anpassung der Löhne und auch
der Renten wird es niemals gehen. Da wird der Finanzminister auch noch mal
dahinter kommen. Die Herren an der Regierung halten sich nur
zwischenzeitlich für besonders schlau, sind aber aus debitistischer Sicht
klar die Hampelmänner.


Haben die nicht das Mandat bekommen, mit der Sparpolitik, Steuereinnehmen
und dem Schuldendienst aufzuhören - so günstig wie irgend möglich?
Tun sie nicht genau das?
Meinst Du nicht, dass die sich mit Debitismus sehr wohl auskennen?

Nein, die gefährden die Illusion als ganzes. Die verstehen auch nicht, wie es laufen muss. Die Griechen haben sich vor langer Zeit in eine ausweglose Lage manövriert. Ohne schwerste Leiden kommen sie da nicht raus. Das ist meiner Meinung nach auch ein bisschen die Strafe für sehr viel Arroganz, weil sich viele Griechen für sehr schlau hielten, wenn sie den Staat betrogen haben. Und die Nachbarn haben es zumindest toleriert. Die Korruption betraf da nicht nur die da oben, sondern auch viele ganz unten.
Die Rechnung wollen sie am Ende nicht bezahlen. So kenn ich einige Griechen. Ein Menschenschlag, mit dem ich nie sehr warm wurde. Warum weiß ich nicht wirklich.

Klar, das ist alles völlig künstlich aufgebauscht. GR kann locker
hochgebucht werden. Aber dafür müssten die Griechen halt lernen
mitzuspielen.


Haben sie nicht bisher brav mitgespielt?

Ja, das sollen sie aber gefälligst auch weiter tun.

Ein kaum unter Druck setzbarer Schuldner ist ab einer bestimmten
Schuldenhöhe doch in Summa für GR eine attraktive Position um vielleicht
noch den ein oder anderen Schuldenschnitt oder Reparation oder zukünftige
Leistungen oder sonst etwas auszuhandeln?

Wie Zara richtig schreibt, ohne die Kürzungen geht da so oder so nichts. Wenn die laufenden Staatsausgaben höher sind als die Einnahmen, dann kann kein neuer Kettenbrief entstehen. Man muss die notwendigen Kürzungen schon durchziehen.


Das die Bevölkerung da nicht so gut abschneidet ist ein weltweites
Phänomen.
Wer die Rechnung bestellt bestimmt was gegessen wird - der hat sich die
Macht dazu genommen. Begleichen kann sie durchaus ein Anderer.

Naklar, wenn der Staat pleite ist, sind es de fakto seine Bürger (kommt von Bürgen)


Eigentlich wollte ich nur sagen, dass ein Rumschrauben am
Währungssystem sinnlos ist
. Du selbst hast gesagt, der Euro ist ok
für das, was er leisten soll. So sehe ich es auch.

Dottore hat Recht:
Der Debitismus ist ein Machtbastard
Die Realität ist nicht Wirtschaften -- Geld, Preis und Zins --
Macht -- Abgaben -- weiter Wirtschaften.
Sondern: Macht -- Abgaben -- Geld -- Wirtschaften mit Geld und
Preis und Zins.

Will jemand GR verändern sind die Machtverhältnisse zu verändern.

Doch daran arbeitet die EU gerade. Die müssen dafür sorgen, dass die aktuellen, nicht kooperierenden so rasch wie möglich wieder verschwinden.

Dafür sehe ich weit und breit keine Interessenten.
Die Chance hätten sie.
Selbst die leidende Bevölkerung wird weiter auf €-Kredite (Geschenke)
hoffen.
Ich habe Bekannte in GR - man ist sehr vernetzt und sehr störrisch und
kreativ im Umgang mit Staat.

Ja, da werden sie jetzt wohl auch gemeinsam gut vernetzt durch die Misere durch müssen. Ohne einen funktionierenden Staat geht eben nichts. Wer kein Machtsystem hat, muss am meisten Leiden. Den kann man am besten auspressen. Und die Griechen haben eben ihr Machtsystem immer klein gehalten und gemeinsam ausgesaugt. Jetzt kann es den großen Mächten nicht wirklich etwas entgegen setzen. Die werden sie fertig machen. Wirst es sehen. Schon aus Prinzip, um sich solche Probleme ein für alle Mal vom Hals zu schaffen.

Grüße
Morpheus

--
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Wir - für die unbeschränkbare Freiheit.


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