… keiner kann was dafür
Ich habe weder Nicholas noch Fonds Professionell diffamiert. Ich habe zunächst einmal nur festgestellt, dass die von Nicholas zitierten Prinzipien…
„Wir verfolgen zwei Prinzipien:
Nummer eins ist: Verlier kein Geld!
Nummer zwei: Vergiss nicht Prinzip Nummer eins!', sagt Nicholas, der im
Januar 84 Jahre alt wurde."
…nachweislich nicht eingehalten wurden. Er oder sie haben Geld verloren und das deutlich. In der Retrospektive wird diese Tatsache verharmlost, weil der Fonds glänzend da steht.
Aber wer wäre dabei geblieben, wenn sein Vermögen um 30 %,40 % oder mehr reduziert wäre? Niemand. Noch nicht einmal ein institutioneller Investor (sind auch nur Menschen).
Diese Verharmlosung von Tatsachen und die reine Augenblicksbetrachtung ist aber Methode. Sowohl bei der Presse, der Fachpresse, aber eben auch bei den Anbietern, sprich Banken, Vermögensverwaltern und Investmentgesellschaften. Natürlich wollen sie damit Geld verdienen. Doch das habe ich nicht angeprangert, sondern festgestellt.
Der normale Investor hat hier an zwei Fronten zu kämpfen:
1. Der Markt.
Es ist eh schon schwer genug, mit einer ordentlichen Ausbildung, Sachverstand und dem Quentchen Glück an den Börsen Geld zu verdienen. Aber es geht, wenn man neben dem Vorgenannten (bzw. auf Grundlagen dessen) sich selbst unter Kontrolle hat und systematisch vorgeht.
2. Die (Finanz-)Industrie.
Sie hat kein Interesse an ausgebildeten, erfahrenen Investoren. Produkte werden verkauft. Die „Margen“ betragen je nach Produkt zwischen 0,5 % und 5 %. Deswegen gibt es in dieser Industrie auch mehr Personal im „Verkaufsbereich“ als im „Ingenieursbereich“. Das Verhältnis ist sagenhafte 90 zu 10. Das Verfahren geht dann auch so: Der Verkäufer geht zum Ingenieur und lässt ihn ein Produkt bauen, das sich (in der jeweiligen Epoche) gut verkaufen lässt.
Die Presse und Fachpresse sind nur Handlanger dieser mit reichlich Geld ausgestatteten Industrie. Die Presse braucht Content. Daher sucht sie die Industrie auf. Die Fachpresse braucht Umsatz, daher schreibt sie lancierte Artikel und kassiert Geld für Werbeanzeigen. Ein „Fachartikel“ kostet so um die € 2.500 - € 5.000. Ein Feature kann auch mal € 20.000 kosten. Ist aber alles „Peanuts“ im Vergleich zum Nutzen.
Wer bezahlt das? Der Investor. Natürlich freiwillig.
Fabio, bitte nicht falsch verstehen: Ich kritisiere diesen Vorgang nicht, bin aber der Meinung, dass der alte Spruch von den Goldgräbern und Schaufelverkäufern recht passend ist.
Schlimm wird es eben nur, wenn der Schaufelverkäufer einem „vorgaukelt“ das er dein Goldgräber ist.
Mein Beitrag bezog sich aber auf das Verhalten von Investoren. Hier kommt die menschliche Natur ins Spiel. Der Mensch ist mit seinen (Flucht-)Instinkten nicht gemacht für die Börse. Er macht eigentlich genau das Gegenteil von dem, was er machen müsste. Daher unterstelle ich, dass kaum ein Investor einen Verlust von 25 %,35 % oder mehr hinnimmt und damit Nicholas Trackrecord toll ist, aber eben im Nachhinein und jetzt. In 2008/2009 hätte es keinen Artikel hierzu gegeben. Der Mensch (Fondsmanager, Privatinvestor, etc.) kauft mit hoher Wahrscheinlichkeit genau dann, wenn er es nicht sollte und verkauft natürlich auch genau dann, wenn er es nicht sollte. Ist aber auch nicht verwunderlich, weil er ja nicht wissen kann, was in der Zukunft passiert.
Nun zur Beantwortung Deiner Frage:
„Was schlägst Du denn stattdessen ganz kostenlos und uneigennützig und auch noch Narrensicheres vor?“
Es gibt aus meiner Sicht nichts Kostenloses, Uneigennütziges oder gar Narrensicheres bei der Kapitalanlage. Aber das habe ich auch nicht behauptet. Es ist so wie das ganze Leben. Man muss investieren, Risiken eingehen und Geduld haben. Ich kann Dir also nur sagen, wie ich als Privatmensch vorgehe:
Ich verfolge zwei Strategien:
1. Adjustierte Risk-Parity Strategie
Hier verteile ich seit mittlerweile 20 Jahren mein Vermögen auf vier Risikosäulen: Aktien, Renten, Commodities und Cash.
Die Allokation wird nicht geviertelt (je 25 %), sondern nach Risikofaktoren (Volatiltät) verteilt. Somit erhalten naturgemäß Renten und Cash eine höhere Dotation und Aktien und Commodities eine niedrigere Dotation. Einmal im Jahr gibt es ein Rebalancing. Diese Strategie ist natürlich nicht risikofrei. Ich konnte aber mit den Drawdowns (-20 % max.) gut leben. Ich will das aber nicht ausschließlich meiner systematischen Leistung zuschreiben, sondern unbedingt auch dem Zeitpunkt, zu dem ich begonnen habe. Das Portfolio ist global. Wobei das am Anfang etwas schwer umzusetzen war und ich über Futures und US-Fonds arbeiten musste. Seit 7-10 Jahren ist es wesentlich leichter, weil sich der ETF-Markt immer besser etabliert. Meine Rendite ist plus 2,8% über dem Markt.
2. Basket von Alternativen Investments
Hier habe ich mir ein Portfolio von Vermögensverwaltern zusammengestellt, die ausschließlich nach folgenden Kriterien arbeiten:
Streng systematisch, Manager trifft keine eigenen Entscheidungen, sondern setzt Signale eines Systems, das er selbst entwickelt hat um, Manager ist mit seinem eigenen Vermögen investiert, im Unternehmen sind deutlich mehr Menschen mit dem Financial Engineering, Risk Management und Data Mining beschäftigt als Verkäufer (ideales Verhältnis 10:90). Derzeitiger Fokus: Long-Short-Equity, Managed Futures (Trendfolger), Global Macro und Volatility. Auch hier war der Anfang schwer, weil ich anfangs nicht über genügend Mittel verfügte. Die Anbieter sind schwer zu finden (machen ja keine Werbung) und haben hohe Auflagen, wenn man investieren will. Es war aber etwas einfacher für mich, weil ich damals in den USA lebte. Der max. Wertverlust dieses Portfolios beträgt weniger als 10 % (auch in 2008/2009 oder 2000/2003). Die Durchschnittsrendite seit Ende der 90er 7,32 %p.a. netto. Auch hier hatte ich wahrscheinlich Glück mit dem Startzeitpunkt, weil die Trendfolger super performnten. Hätte ich mit ihnen in 2008 gestartet, sähe es etwas anders aus. Doch auf lange Sicht bin ich sehr zuversichtlich. Da spielt der Startzeitpunkt nur noch eine untergeordnete Rolle (wie bei Nicholas).
Mein Aufwand hält sich mittlerweile in Grenzen, weil die Märkte (Produkte) liquider und kostengünstiger geworden sind. Ich fasse beide Portfolios meist nur einmal im Jahr an. In letzter Zeit bin ich dabei Strategie Nr.2 weiter auszubauen. Das geschieht aus zwei Gründen: Sie läuft ruhiger und ich muss kaum etwas machen. Hauptsächlich mache ich mir aber Sorgen um die erste Strategie. Sie hat natürlich hervorragend funktioniert, weil wir seit Jahrzehnten in einem Bond-Bull-Markt sind. Bei Nullrenditen werden die Gefahren für Rückschlage immer größer. Also muss ich umdenken, nachdenken und umstrukturieren……