Zuhörer und Quasselstrippen

Leserzuschrift, Samstag, 16.05.2015, 20:24 (vor 3898 Tagen) @ Ankawor3286 Views

Nach meiner schon etwas längerer Lebenserfahrung gibt es zwei Typen von Mitmenschen, die Zuhörer und die Quassel-Tanten und -Onkels. Das Problem der Zuhörer ist, daß sie zu höflich und sensibel sind, um den an Logorrhö leidenden Mitmenschen einfach ins Wort zu fallen und den Redestrom zu stoppen. Sie versetzen sich nämlich in den Menschen, der sie ungefragt zumüllt, hinein und stellen sich vor, wie peinlich es ihnen wäre, von ihrem Gegenüber rüde über den Mund gefahren zu bekommen. Das wollen sie ihrem Redner, auch wenn er sie zumüllt, gern ersparen und hören deshalb höflich und geduldig zu.

Damit begeht man als geborener Zuhörer vermutlich einen Irrtum. Der Quasselstrippe ist es nicht peinlich, wenn Sie sie kurz abfertigen, denn wäre sie sensibel für sich und andere, würde sie nicht andere dauerbequatschen. Ich kenne Leute, die mir sogar mit einem forschen "gell, vergiss dei`Rede net" und etwas völlig anderem mitten in den Satz gefallen sind.Es gibt häufig(!)Telefongespräche, bei denen ich nach einer halben Stunde verblüfft feststelle, daß ich nun mal wieder alles vom Anrufer weiß, weil ich auch aktiv nachgefragt habe, aber mein Gegenüber kein einziges Mal nach mir gefragt hat. Das ist halt so.

Entweder muß ich meine eigene Sensibilität über den Haufen werfen und dem Quassler rüde über den Mund fahren (- es wird ihm nicht so peinlich sein wie mir selbst -) oder ich füge mich in die Rolle als "Zuhörer", was für mein Gegenüber durchaus einen therapeutischen Wert hat ("...was Du getan hast dem geringsten meiner Brüder, das hast Du mir getan...").


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