Gefährliche Argumentation

Mangwei, Samstag, 18.04.2015, 15:56 (vor 3979 Tagen) @ stocksorcerer2010 Views

Das FED nimmt als Aufsichtsbehörde der Privatbanken hoheitliche Aufgaben wahr, zugleich führt es operative Aufgaben unabhängig von direkten Staatsanweisungen aus, ist aber dem Kongress auskunftspflichtig und dessen gesetzlicher Kontrolle unterworfen. Es handelt sich um keinen Privatverein. Was sollte auch ein Privatverein ohne die Geldmassen des hinter ihm stehenden amerikanischen Staates schon ausrichten können - und natürlich auch des Militärapparates, wie du selbst richtig festgestellt hast.

Ob der Laden ein verbrecherischer ist oder nicht, ist eine andere Frage. Aus gesetzlicher Sicht ist er es auf jeden Fall nicht. Aber er ist es auch nicht hinsichtlich eines weltweiten Wirtschaftssystems, in dem von der Geldmacherei so ziemlich alles abhängt und noch der letzte Hungerleider in einem Winkel auf der Welt betroffen oder besser bedroht ist. Wenn man das anerkennt, wenn man das akzeptiert, dann kann man dem FED genauso wenig verbrecherisches Verhalten vorwerfen, wie seinen Gegenspielern, den andern großen Zentralbanken. Auch kann man ihm in diesem Zusammenhang nicht vorwerfen, dass er mit seiner Geld- und Zinspolitik weltweit den konkurrierenden Staaten und ihren Bevölkerungen Nachteile verschafft. In einem weltweiten System mit konkurrierenden Nationen und Kapital bestimmt der militärisch und wirtschaftlich Stärkere eben nun Mal. Wenn man an so einer politischen und wirtschaftlichen Konstellation nichts auszusetzen hat, dann ist das alles was das FED so tut und treibt nicht verbrecherisch sondern ganz normal. Sich aber auf moralische Weise über den Laden zu beschweren, kommt mir nicht anders vor, als die jämmerliche Attitüde eines Ohnmächtigen, der gerne an dessen Stelle wäre. Wenn man das FED kritisieren will, dann muss man es anhand seiner Zwecksetzung kritisieren, dann muss man ferner erklären, warum so ein Verein in unserem Wirtschaftssystem unentbehrlich ist und ihn nicht moralisch als ein Instrument einer Handvoll Verbrecher abstempeln.

Überhaupt ist das mit den Verbrechern so eine Sache. Das hängt nämlich immer von den Maßstäben bzw. den Werturteilen ab, die da angelegt werden. Wenn man das, was einem politisch nicht gefällt als Verbrechen abtut, erklärt man nichts. Dann setzt man halt nur seine Wertvorstellungen als die richtigen voraus und die des andern als die falschen und damit ist auch schon alles gesagt, außer dass die eine als auch die andere Seite möchte, dass einem die blöde Masse hinterherläuft, um mit ihre die jeweils gewünschte Politik machen zu können. Das wird dann mit allen möglichen Tricks, politischem Aufwand und verlogenen Versprechen versucht. Solche Argumentation und Handlung läuft aber direkt auf Feindschaft und nicht auf Klärung und Erklärung hinaus, aus der sich ein verstandesgemäß begründeter Gegenstandpunkt zu der Sache, die man kritisiert, ergeben würde.

Das Gerede von einer gerechten Welt in Zusammenhang mit dem Verjagen von Verbrechern, halte ich für sehr gefährlich, denn dabei wird nicht der Verstand sondern die moralische Stellungnahme gefordert und so was endet letztlich, wie wir es vom Kleinen und Großen her wissen, stets mit einer gewaltsamen Lösung. Wenn man das will, denn alles andere wäre verlogen, dann sollte man es aber auch offen aussprechen.

Gruß
Mangwei


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