Die Wendehälse werden es heute ungleich schwieriger haben als zu Keynes-Zeiten.
Hi,
Hi PE,
Stadermann meint, es würden bereits Notausgänge zum rausschleichen aus
dem alten Modell gebastelt, mit dem Ziel, hinterher sagen zu können, daß
man es ja "eigentlich" sowieso "immer schon" gesagt habe - z.B. von
Piketty:
zu Piketty eine Kritik von YV:
Sehr gut darin gefällt mir seine Differenzierung eines 'statical views' (z.B. blind auf Eigentumsverteilung zu schauen und als Ergebnis der (statischen) Analyse "zwangssolidarisieren"/umverteilen) und 'processual view'. Ist der "Prozess" als solcher "fair" oder ist er zu kritisieren? [Anm.: Um diese Frage auch nur im Entferntesten beantworten zu können benötigt es mEn ebenfalls ein Verständnis von Märkten, das über das Tauschtheorietraumtanzen bei weitem hinausgeht]
"Im Jahr 2014 sind in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
ungewöhnlich viele Bücher erschien, die eine breite Leserschar fanden.
Thomas Pikettys Buch, „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ ([2013] 2014)
gehört, wenn nach der Auflagenhöhe oder nach dem Presseecho entschieden
wird, zweifellos dazu. Es wird ausnahms-los als ungewöhnlich interessanter
und bedeutender, fraglos le-senswerter Beitrag zur Wirtschaftswissenschaft
beschrieben. Ein-hellig begeistert war vor allem die Resonanz in den
Feuilletons der „bürgerlichen“ Presse. Das ist sicher ein
erstaunlicher Erfolg für einen „sozialistischen“ Ökonomen. In der
Verlagsankündigung auf dem Schutzumschlag des Buches gespiegelt, liest
sich das so: Springers Welt sieht in dem Buch „Ein Werk von historischer
Tie-fe …“; die Süddeutsche Zeitung „Eine brillante Erzählung über
Reichtum und Armut.“ Für die Frankfurter Allgemeine ist „ Thomas
Piketty [ … ] der Ökonom der Stunde.“ Auch das Handelsblatt fin-det,
dass, „wer immer sich ernsthaft mit der Ungleichheit beschäf-tigt“, an
Piketty nicht mehr vorbeikommt.Das, was diese Begeisterung in den Feuilletons auslöst, ist
wahrscheinlich die Hoffnung, dass hier jemand am Horizont des ökonomischen
Sternenhimmels aufgestiegen ist, der mit seiner Kritik nicht frontal die
herrschende Lehre in Bausch und Bogen angreift. Vielmehr zeigt Piketty
seinen Lesern einen von Vielen bereits gesuchten Notausgang aus dem
erschöpften neoklassischen „Paradigma“. Es gibt ein immer deutlicher
werdendes Versagen der an den Hochschulen vorherrschend gelehrten
Wirtschaftswis-senschaft. Dies vor allem im Fall ihrer Anwendung auf die an
sie in der erlebbaren Wirtschaftswirklichkeit gestellten Aufgaben. Nur noch
in den Journalen der Schulökonomik, in denen Referees si-chern, dass
„the State of the Art“. und zwar ohne zu viel Überra-schungen
reproduziert wird, sind die Veröffentlichungen noch nicht vom Zweifel
angesteckt. Gleiches gilt für die alltäglichen Produkte der Redakteure
für Wirtschaft und Finanzen der Tages-zeitungen. Bevor Journalisten hier
Entscheidungen über Inhalte von Nachrichten und Kommentaren treffen, haben
sie das Alter erreicht, indem sie diese nach Grundsätzen fällen, die zwei
Gene-rationen von Wissenschaftlern zuvor für viel Aufregung an den
Hochschulen gesorgt haben. Ihre ihnen hierin ähnlichen Leser danken es
ihnen.(...)
Über diesen Notausgang Paradigmenwechsel kann, jedem, der es will, der
Übergang in ein „neues“ Paradigma gelingen, ohne zugleich das
Eingeständnis des generellen persönlichen Scheiterns zu erzwingen.
Niemand lässt sich nach einer vieljährigen Laufbahn gerne bescheinigen,
dass er sich auf einem Holzweg geplagt hat.(...)
Das ist richtig. Aber das wird keinem Neoklassiker erspart bleiben. Dazu ist schon zu viel geschrieben, zu viel verstanden worden.
In der Tat erinnert sein Vorgehen stark an das, das Keynes an-gewendet
hat, um aller Welt sein Projekt, den Zusammenhang von Geld, Zins und
Beschäftigung in einer allgemeinen Theorie vorzu-stellen. (Keynes, [1936]
1973) Marshall und Pigou werden nicht demoliert, sondern freundlich in den
Ruhestand geschickt. Das hieß: Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wer
den Zeitgeist richtig erfasste, hörte vorübergehend auf zu schreiben, las
Keynes, kehrte dann als Keynesianer wieder in die Journale zurück und tat
so, als wäre er nie etwas anderes gewesen." (Quellenlink unten)
Spannend.
Opportunismus war wohl schon immer die beste Strategie, im "System Staat"
(oder auch in einem "System Großunternehmen") nach oben voranzukommen. Es
gibt sogar Leute, die es permanent in "kleinen Systemen" praktizieren.
Stimmt. Mein Gefühl ist aber, dass sich gerade dieses Paradigma wandelt. Ich vermute dass das - ganz allgemein - mit Transparenz zu tun hat.
Was tust Du und warum tust Du was Du tust? Welche Auswirkungen hat Dein Tun?
Waren Banker noch vor 10 Jahren höchstangesehen und ihre Jobs höchstbegehrt, so ist es heute schon eher so, dass die noch immer, dank öffentlicher Haftung, reichlich fließenden Gelder lieber eher im Stillen genossen werden.
Was war Google vor 2013 nicht ein höchst interessanter und verlockender Arbeitsgeber. Heute noch ist ein Angestellter bei google sehr hoch angesehen. Snowden dürfte dem Selbstverständnis dort jedoch bereits einen ordentlichen Schlag versetzt haben und die ein oder andere Frage aufgeworfen haben.
Nun, es gibt die Leader - und viele, viele Follower. Die Notausgänge
dürften bald verbreitert werden.
Oder sie verstopfen. Der Komplexität sei Dank.
Vielleicht dreht es sich auch gänzlich um (wenige Leader - viele Follower --> mehr Leader) und wir werden zukünftig mehrheitlich Internet-Einzel-Selbständige, als Angestellte von juristischen Personen (wie heute noch mehrheitlich der Fall) sein.
Bißchen weiter im Text von Stadermann:
[...]
Da merkt einer was.
Ja.
Eigentumsessentialismus war gestern
Beste Grüße
--
BillHicks
..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.