Wie kann der status quo geändert, das 'System' perturbiert werden? Vollgeld, Monetative, Mehrling, Money view etc.

BillHicks ⌂, Wien, Donnerstag, 02.04.2015, 00:18 (vor 3938 Tagen) @ Kropotkin3909 Views

Hallo Kropotkin,

Während die Welt versucht zu verstehen, wie sich ein Regelwerk

entwickeln

lässt, das das - dank finanzieller Globalisierung oder globalisierter
Finanzen omnipräsente - Schattenbankensystem (= lokale, langfristige
Kapitalmarktfinanzierung durch globale, kurzfristige
GeldmarktREfinanzierung) handlebar macht[/b] (und man nicht in der

Zukunft

immer wieder durch ad hoc 'Lösungen' selbiges mit ZB-Geld zuwerfen

muss,

indem man mal kurz locker flockig eine Billion (10^12) Dollar ABS

direkt

ankauft), versucht sich Island daran den Kredit als solchen gleich ganz
abzuschaffen. Wohl bekomm's.

---
Die bestehenden Probleme "globalisierter Finanzen" sind hausgemacht und
von vornherein absehbar.

"hausgemacht" ja. Natürlich. Aber von wem?
Von irgendeiner zentralen, sinistren Instanz?
Halte das für eine Sichtweise, die kaum nützlich ist, falls man etwas am status quo ändern möchte. Im Gegenteil, diese Sichtweise entmächtigt und perpetuiert den status quo viel eher als sie ihn verändern würde.

Btw: Ein fehlender Glaube an eine sinistre, alles steuernde Zentralinstanz heißt nicht etwa, dass ich so naiv wäre zu glauben es würden nicht tatsächlich irgendwelche Psychop- und Potentaten (freilich zuvörderst zu verorten in hohen und höchsten Ebenen JEDER Hierarchie, besonders Staaten und Kirchen) laufend versuchen würden (mit mal mehr, mal weniger Erfolg) möglichst großen Einfluss zu nehmen!

Dieses Getue, dass man doch ständig sein Bestes getan habe und es nur
nicht besser wisse und könne.....das ist doch Heuchelei.

Welcher Entscheidungsträger hat denn zuletzt ein echtes, lautes, deutliches 'mea culpa' von sich gegeben? Der letzte an den ich mich erinnern kann war Greenspan 2008. Das war eine öffentliche, intellektuelle Bankrotterklärung. Aber es war ehrlich.
Die intellektuellen Bankrotterklärungen kommen derzeit immer noch fast ausschließlich implizit.
Die neoklassisch ausgebildeten Volkswirte besetzen die Lehrstühle weiterhin und leeren (sic) immer noch den selben Mist wie vor der Krise in die Köpfe der Studenten.

Das ist so ähnlich, wie man Griechenland kontinuierlich "aufpeppt", das
Land aber immer mehr ruiniert, weil es einfach nicht besser wisse.

Ich wollte es nur mal loswerden!

Gerade das Beispiel Griechenlands ist doch sehr anschaulich dafür was innen- und außenpolitischer Opportunismus in europäischen Nationalstaaten zu zerstören im Stande ist.
Warum war die deutsche Elite nicht ehrlich genug zu sagen: die Franzosen und unsere eigenen Banken sitzen uns so im Nacken, dass wir wieder die Banken retten müssen. Keine 18 Monate nach Lehman. Sie wollten genau diese öffentliche, intellektuelle Bankrotterklärung vermeiden, indem man die Bankenrettung als "Griechenlandhilfe" verklärt hat.
Die Elite Griechenlands ihrerseits versteht so wenig von ihrem Staatswesen (beherrscht die Komplexität so schlecht), dass sich nun sogar eine Regierung in diesem Land etabliert hat, die allen Ernstes versucht Politik gegen die Interessen der griechischen, aber auch insgesamt europäischen, Eliten zu machen. Das gab' es in Europa lange nicht. Gut so, dass es das nun gibt. Im ersten europäischen Land. Endlich, möchte man sagen.
Bleibt zu hoffen, dass es in den anderen Ländern nicht so brutale Depressionen braucht, bis sich genug politische Power versammelt hat, die ausreicht wenigstens den Fuß von der Bremse zu nehmen. Die Änderungen (Komplexitätserhöhung) kommen nämlich ohnehin von allein. Je mehr die Gesellschaften auf der Bremse stehen (bleiben), desto schmerzhafter dürften die Veränderungen ablaufen. Aber wer lässt schon (politische Macht, Pöstchen, Arbeitsplätze, Sparguthaben, Häuser, ...) gerne los, wenn eine ehrliche politische Führung nichts anderes anzubieten hätte als 'Fahren auf Sicht' und 'agiles Iterieren'?
Da erscheint es beinahe verständlich, dass lieber Vogel Strauß gemacht wird und sich die Wähler in Mitteleuropa noch immer gerne und willfährig der Illusion hingeben, die gewählte politische Führung hätte irgendwas im Griff.

Es müsste sehr genau gefragt werden was genau damit erreicht werden

soll

usw.

---
Es hört sich in Richtung Vollgeld an.
Was damit erreicht werden soll, kann jeder in Erfahrung bringen, den es
interessiert.

Die prinzipielle Idee, Vollgeld, Monetative usw. ist mir bestens bekannt. Ich habe mich einige Zeit lang aktiv und öffentlich dafür eingesetzt. Es mangelt mir möglicherweise an einer ganzen Reihe an Eigenschaften. An Interesse jedoch nicht.
Für Finanzierung von Staaten über die Zentralbank auch in Friedenszeiten sprechen einige gute Argumente. Wurde (und wird) in (Wirtschafts-)Kriegszeiten ohnehin ständig gemacht. Nur so wie es aktuell läuft beschenkt man fast ausschließlich die Banken und Größteigentümer. Nicht sehr clever, aus Sicht des Mittelstandes. Oder eben sehr clever aus der Sicht der Größteigentümer. Wenngleich mEn Eigentumshöchstkonzentration auf Dauer allen schadet.
Vollgeld aber nimmt eine ganze (durchaus krisenanfällige!) Hierarchie aus der Kreditpyramide heraus. Das macht dann unendlich viel Sinn, wenn man einerseits die Giralgeldschöpfung der Banken zwar verstanden, aber dennoch ein Geld-ist-ein-Ding-Verständnis der Wirtschaft hat.
Oder anders:
Vollgeldbefürworter sind zwar nicht blind für die Bankengeldschöpfung, haben aber dennoch relative Güterpreise (= Tauschtheorie) im Kopf, wenn sie über Preisbildung nachdenken.
Das kritische daran: so funktioniert die Wirtschaftswirklichkeit nicht. Deshalb fasziniert mich aktuell auch Perry Mehrling bzw. sein "Money view". Hatte schon mal einen längeren Vortrag von ihm verlinkt.

Viele Grüße,
K.

Beste Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.