Wir wissen nicht genug, es geht nicht oder wollen wir nicht genug wissen, damit alles bleibt, wie es ist?

Kropotkin, Donnerstag, 02.04.2015, 16:21 (vor 3939 Tagen) @ BillHicks3388 Views

Hallo BillHicks,

"hausgemacht" ja. Natürlich. Aber von wem?
Von irgendeiner zentralen, sinistren Instanz?
---Vielleicht...? Vielleicht auch nicht?
Aber so einfach, wie du es dir machst, kann man es sich nicht machen.
Es gibt nun einmal so viele Auffälligkeiten und soviele "negative Zufälle", die absolut gegen Unwissen und Zufall sprechen.
Frag bitte nicht, welche das sein sollen. Danke

Halte das für eine Sichtweise, die kaum nützlich ist, falls man etwas am status quo ändern möchte. Im Gegenteil, diese Sichtweise entmächtigt und perpetuiert den status quo viel eher als sie ihn verändern würde.
---Doch, deine Sichtweise ist nämlich total kontroproduktiv.
Dieses ständige "wir wissen es nicht besser, brauchen noch 100 Jahre Forschung" ist wirklich eine Beleidigung all jener Leute, die wirklich Alternativen bieten.
Es mangelt nicht am Wissen oder an Möglichkeiten, sondern am Verständnis des Durchschnitts und am politischen Willen!
Und Aussagen wie von dir, dass man es nicht "besser wüsste" verunsichern den Durchschnitt und tragen daher zum Problem bei. Es ist ganz wichtig festzuhalten, ob das Wissen oder der Wille fehlt!

Meiner Meinung nach stiften Leute wie du eine furchtbare Verwirrung nach dem Motto:
"Ich weiß alles. Ich kenne mich besser aus als ihr. Eine Lösung habe ich trotzdem nicht, aber eure Lösungen machen keinen Sinn"

Btw: Ein fehlender Glaube an eine sinistre, alles steuernde Zentralinstanz heißt nicht etwa, dass ich so naiv wäre zu glauben es würden nicht tatsächlich irgendwelche Psychop- und Potentaten laufend versuchen würden möglichst großen Einfluss zu nehmen!
---total paradoxe Position, die du als sinnvoll ansiehst.

Die intellektuellen Bankrotterklärungen kommen derzeit immer noch fast ausschließlich implizit.
Die neoklassisch ausgebildeten Volkswirte besetzen die Lehrstühle weiterhin und leeren (sic) immer noch den selben Mist wie vor der Krise in die Köpfe der Studenten.
---Diese Denke ist so naiv.
Lehrmeinungen vertreten Machtinteressen. Neoklassik = Propaganda. Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun.
Es geht um Ideologien, nicht um Wissenschaft. In der Wirtschaft gehts doch lange schon nicht,ging es wahrscheinlich nie um objektive Wissenschaft, ansonsten wären die Diskussionen hier auch nicht auf so einem albernen Level.

Ein Ideologie wird auch angesichts des offensichtlichsten Theorieversagens immer noch absurde Ausreden und Einwände finden, warum sein Theorie doch funktioniert.
Ich zB habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass du überhaupt nur mit dieser Erklärung kommst, auch wenn es natürlich eine Rechtfertigung für die Politiker ist nach dem Motto:
"Woher sollen sie es denn besser wissen, wenn sie seitens der Intellektuellen nur diese Rezepte serviert bekomen?"

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Warum war die deutsche Elite nicht ehrlich genug zu sagen: die Franzosen und unsere eigenen Banken sitzen uns so im Nacken, dass wir wieder die Banken retten müssen. Keine 18 Monate nach Lehman. Sie wollten genau diese öffentliche, intellektuelle Bankrotterklärung vermeiden, indem man die Bankenrettung als "Griechenlandhilfe" verklärt hat.
---Für mich ist das keine Frage der Ehrlichkeit. Es ist die Frage, für wen die Parteien überhaupt Politik betreiben.
Wenn man auch mal in andere Gesellschaftsbereiche einen Blick wirft, dann kommt man zu dem Schluss, dass das ökonomische Vollversagen nur Teil der "gesamten Agenda" ist.

Die Elite Griechenlands ihrerseits versteht so wenig von ihrem Staatswesen (beherrscht die Komplexität so schlecht), dass sich nun sogar eine Regierung in diesem Land etabliert hat, die allen Ernstes versucht Politik gegen die Interessen der griechischen, aber auch insgesamt europäischen, Eliten zu machen. Das gab' es in Europa lange nicht. Gut so, dass es das nun gibt. Im ersten europäischen Land. Endlich, möchte man sagen.
---Verstehe nicht, was du damit sagen willst.


Bleibt zu hoffen, dass es in den anderen Ländern nicht so brutale Depressionen braucht, bis sich genug politische Power versammelt hat, die ausreicht wenigstens den Fuß von der Bremse zu nehmen. Die Änderungen (Komplexitätserhöhung) kommen nämlich ohnehin von allein.
---In meinen Augen ist die steigende Komplexität und fehlende Komplexitätsbeherrschung eine reine Nebenkerze.
Sicher steigt die Komplexität um ein zerfallendes System zu stabilisieren, ABER
es gibt keine Ausreden dafür, das System nicht grundlegend zu ändern in Richtung Vollgeld und Schwundgeld.

Die Komplexität würde nämlich dramatisch abnehmen, weil sich viele Probleme erst einmal in Luft auflösen würden.


Da erscheint es beinahe verständlich, dass lieber Vogel Strauß gemacht wird und sich die Wähler in Mitteleuropa noch immer gerne und willfährig der Illusion hingeben, die gewählte politische Führung hätte irgendwas im Griff.
---
Mich stört total an deinen Meinungen, dass du für alles Rechtfertigungen und Entschuldigen hast.....und du hast auch Recht, aber es ruiniert uns alle.
Das Schlimmste ist ja, dass weit und breit nicht einmal "Land in Sicht" ist.
Nirgendwo werden die wirklichen Probleme, Geschweige denn Lösungsmöglichkeiten diskutiert.

NICHT EINMAL HIER IM FORUM.

Die prinzipielle Idee, Vollgeld, Monetative usw. ist mir bestens bekannt. Ich habe mich einige Zeit lang aktiv und öffentlich dafür eingesetzt. Es mangelt mir möglicherweise an einer ganzen Reihe an Eigenschaften.
---traurig zu hören.


Für Finanzierung von Staaten über die Zentralbank auch in Friedenszeiten sprechen einige gute Argumente. Wurde (und wird) in (Wirtschafts-)Kriegszeiten ohnehin ständig gemacht. Nur so wie es aktuell läuft beschenkt man fast ausschließlich die Banken und Größteigentümer. Nicht sehr clever, aus Sicht des Mittelstandes. Oder eben sehr clever aus der Sicht der Größteigentümer. Wenngleich mEn Eigentumshöchstkonzentration auf Dauer allen schadet.
---bestimmt rein Zufälle Entwicklungen gewesen. Man wusste es halt nicht besser.

Vollgeldbefürworter sind zwar nicht blind für die Bankengeldschöpfung, haben aber dennoch relative Güterpreise (= Tauschtheorie) im Kopf, wenn sie über Preisbildung nachdenken.
Das kritische daran: so funktioniert die Wirtschaftswirklichkeit nicht. Deshalb fasziniert mich aktuell auch Perry Mehrling bzw. sein "Money view". Hatte schon mal einen längeren Vortrag von ihm verlinkt.
---
Was soll ich jetzt mit so einer Argumentation anfangen?
Soll ich jetzt nach Perry Mehrling und deinem verlinkten Vortrag suchen oder davon ausgehen, dass das, wovon du da sprichst nur heiße Luft ist, weil du es anscheinend selbst nicht in Worte fassen kannst?

Ich gehe von letzterem aus.

Deine Geschichte macht so, wie du sie erzählt hast, keinen Sinn.
Fandest Vollgeld gut bis du auf den revolutionären Mehrling gestoßen bist, der herausgefunden hat, dass.....??? Ja, bitte?

PS:
Ich habe übrigens eine schöne KO-Argumentation:
Kriegswirtschaft = Zentralbank finanziert Staat.

Und weißt du warum?
Weil man sich in Kriegszeiten nicht den Luxus für schwachsinnige VWL-Theorien erlauben kann.

Der eine ist Hardcore-Debitist, der andere Stammesmitglied, der andere Neoliberalist... Du hast jetzt eine neue "Money View von Mehrling"...

Im Kriegsfall würde sich dieser Luxus der Wohlstandsverwahrlosung früher oder später, eher sofort, in Luft auflösen, weil man ansonsten ins Grass beißt.

Und so sieht es auch aus:
Diese ganzen bekloppten Theorien haben im Grunde nur einen Sinn:
Staaten handlungsunfähig machen. Läuft.

PPS: Entschuldige meinen genervten Ton. Ist dir gegenüber nicht gerechtfertigt, weil dein Post es auch nicht war.
Liegt wohl daran, weil mir diese ständigen destruktiven Schreiben hier auf den Senken gehen.

Ich kann nicht verstehen, warum sich hier so viele Leute beteiligen, nur um "Geht nicht, geht nicht, geht nicht " zu schreiben.

Wo sind eure konstruktiven Ansätze? Wenn ich hier nur diese destruktiven Beiträge lese, gehe ich reflexartig von einem Ideologen aus.


Viele Grüße,
Kropotkin


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