Ja, Polen ...
Hi,
Der "Erbfeind" war mir klar, wobei ich persönlich davon ausgehe, daß die
Aussöhnung in den letzten Jahrzehnten soviel Früchte getragen hat, daß
eine Wiederbelebung nur sehr schwer wird möglich sein - Friktionen und
Irritationen aber schon. Dein Link "Emanuell Todd" führt übrigens nicht
zu ihm, sondern zu einem Deiner Postings von heute morgen. Wäre schön,
wenn Du ihn nochmals richtig posten könntest, denn er interessiert mich.
https://www.youtube.com/watch?v=asPsJagGgAY
Sorry für den falschen Link. Da war anscheinend noch was anderes in meiner Zwischenablage.
Richtung Ausland stellt sich für mich viel eher die Frage Richtung Polen.
Ja. Ist mir dann auch eingefallen, und Friedman sieht hier ja den wichtigsten zukünftigenPlayer in dieser Hinsicht. Dürfte verstärkt von den USA gempampert werden in nächster Zeit.
Die Bruchlinien sind alt und m.E. z.Zt. überkleistert - wir merken nichts
davon, wenn man seine Nase nicht zusehr in polnische Innenpolitik steckt.
Mh, die polnische Geschichte, mit den vielen Teilungen und teilweisem völligen Verschwinden von der Landkarte ... erst Germanisierung, dann nach 1919 Gebietsverluste der Deutschen zugunsten von Polen ("Korridor"), nach 1945 Russifizierung ... vor allem letzteres dürfte im historischen Gedächtnis noch lebhaft präsent sein, da es ja erst 1990 beendet wurde (beginnend mit Lech Walesa 1980 ... sicherlich von den USA unterstützt).
Ich habe mich mal mit einer Polin unterhalten können, nach kurzer Zeit hat sich mich - als Deutschen - auf Katyn hingewiesen - die Sowjets hatten ihren Eltern bis 1990 erzählt, das seien die Deutschen gewesen.
Aber ist es nicht an der Zeit und besteht nicht heute die Möglichkeit, die grausame Vergangenheit, die ja auch auf dem von der Bevölkerungsexplosion hervorgebrachten europäischen "Youth Bulge" fußte, endlich zugunsten einer friedlichen Zukunft zu beenden?
Ich meine, die demographischen Bedingungen dafür sind gegeben wie nie zuvor. Jetzt müssen nur noch die ökonomischen Bedingungen gegeben sein: denn Deflation und hohe Arbeitslosenraten sind ein Nährboden für Frustration, Aggression und das Ausgraben alter Konflikte, während Prosperität, Wachstum und Vollbeschäftigung eher zu Kooperation und wechselseitigem Profitieren führen. Das Hochkochen der Konflikte ist ja gerade Folge der Finanzkrise 2008ff und ihre Folgen, die noch längst nicht ausgestanden sind und in der Eurozone weltweit am schlechtesten gemanaged werden.
In Polen selbst gibt es ja bereits Stimmen, die monieren, daß man den Amis
"einen blase" und sich dabei toll vorkäme (Verhalten in der Ukrainekrise
war gemeint), ohne in Rechnung zu stellen, daß man dadurch das Verhältnis
zu dem wichtigsten Nachbarn Deutschland auf Dauer ruiniere.
Interessant, aber auch zu erwarten. Fragt sich, welches Gewicht solche Stimmen haben. Weißt Du näheres? Ich hab leider keine Kontakte nach Polen und weiß wenig darüber, war auch noch nie dort.
Die Aussöhnung
mit Polen ist m.E. bei weitem nicht so fortgeschritten wie die mit F. .
Ja, ging ja auch wegen des eisernen Vorhangs bis 1990 nicht so intensiv wie mit Frankreich, also über direkte persönliche Kontakte und gegenseitige Besuche wie mit FR (aber Willy Brandt hat mit seinem Kniefall sicher einiges bewirkt).
Vielleicht steckte auch die Befürchtung dahinter, daß bilaterale
Verhältnis könne aktiv von Aussen verschlechtert werden, die Walesa vor
ein paar Monaten den Vorschlag in die Debatte werfen ließ, Polen und
Deutschland sollten sich doch zu einem Staat vereinen.
Hm ... so ähnlich wie vor 1919? Gorbi soll ja mal erwogen haben, Kaliningrad an Deutschland zurückzugeben ... also ... ich weiß nicht, ob sowas sinnvoll wäre. Deutschland und Polen in einem gemeinsamen europäischen Haus, warum nicht? Aber PL + D ohne Rest-Westeuropa, warum?
Und Kaliningrad (Ex-Königstberg/Ostpreußen, Heimat Immanuel Kants, jetzt russische Enklave) - dort wohnen jetzt nach 1945 angesiedelte Russen aus der ganzen ehemaligen Sowjetunion ... wirklich zurückdrehen kann man Geschichte nicht, aber auf diesem Gebiet trifft sich deutsche und russische Geschichte auf ganz besondere Weise, und da wird seit 1990 auch an Versöhnung auf ganz besondere Weise gearbeitet. Ich war letzten Sommer dort und bin an der Brücke von Tilsit (jetzt: Sowjetsk) gestanden. Allerdings nur auf der litauischen Seite. Hab auch viel dazu gelesen.
Ich glaube, das gegenseitige Interesse an der Geschichte des jeweils anderen ist gerade unter den "jüngeren" sehr groß.
Fand ich damals aus
wirtschaftlichen Gründen absurd, vielleicht ist es das ja aber garnicht
aus anderer Sicht. Allerdings würde dann aus der äußeren Bruchlinie
möglicherweise eine innere.
Hm ... siehe oben. Interessant, daß es solche Ideen gibt - und ausgerechnet von Walesa, der sicher in den 80ern für seine Gewerkschaft Solidarität von den USA Unterstützung bekommen hat. Auch Gorbi hat sich ja kürzlich hinter Putin gestellt und die NATO kritisiert. Gauck dagegen ist immer noch dankbar höriger US-Vasall, Merkel ... schon auch noch, aber da bröckelt es auch schon, meine ich.
Nur Gedanken, nichts Ausgereiftes.
Klar ... von mir auch.
Danke + Gruß!