Ja, eine Mentalitaet kann man nicht ablegen, nur erweitern um fremde Perspektiven
Die entscheidende Frage ist, wer ist der Motor des Konflikts, wer
beginnt
ihn, wer treibt ihn. Und das ist m.E. immer die Zentralgewalt, sobald
sie
mit Milizen und Militaers in das betroffene Gebiet einmarschiert und
auf
die 'eigene' Bevoelkerung feuert um ihr Gewaltmonopol ueber das
aufstaendische Gebiet wiederherzustellen. In aller Regel ohne
Kompromisse
und Einschraenkungen. Oder, wie zB in der Ukraine, sogar ohne mit der
Gegenseite auch nur Verhandlungen aufnehmen zu wollen.
Das stimmt so klar nicht. Auch die OSZE hat dokumentiert, ich habe das
irgendwo
verlinkt, dass die "Republikaner" nicht verhandeln wollten.
http://www.dw.de/poroshenko-no-negotiations-with-separatists/a-17619764
Minsk 2 wurde klar nicht eingehalten und Debaltsewo wurde erobert.
Debaltsewo war bereits vorher erobert = eingeschlossen. Die Truppen konnten schlecht in einem Kessel eingeschlossen bleiben. Das Thema wurde auch von keiner Seite weiter aufgekocht, weil Poroschenko hier bei Minsk2 einer seiner absolut unterirdischen Realitaetsverweigerungen an den Tag gelegt hat, und am Ende sowohl Russland wie auch EU da lieber das Maentelchen des Schweigens drueber decken wollten.
Der Beschuss von russischem Territorium aus ist so gut dokumentiert, wie
es
für unsereiner nur geht.
Bitte kurz verlinken, bevorzugt auf offizielle Seite einer glaubwuerdigen Organisation, welche dazu Nachweise liefern kann (keine Blogger mit Spekulationen, sondern erkennungsdienstliche Nachweise)
Dass auch ukr. Geschosse Zivilisten treffen, davon ist auszugehen und
davon geht
auch Poroschenko offen aus.
Ja, wuerde ich auch von ausgehen, wenn meine Armee Donetsk u.a. mit Phosporbomben beschiessen wuerde. Oder kamen die auch aus Russland?
In Jugoslawien war das Serbien.
In Transnistrien war das Chisinau.
In Tschetschenien war das Moskau/Putin
In der Ukraine ist das Kiev
Die Ukraine kämpft vor allem gegen russische Invasoren. Die Details sind
aber
noch zu unklar.
Dann koennte Poroschenko die Separatisten ja schoen blossstellen, indem er ploetzlich mit ihnen verhandeln wuerde und ein Referendum der Ostukraine unter internationaler Aufsicht fordern wuerde. Sollte man ihm vielleicht mal vorschlagen.
Man kann es auch umgekehrt sehen, und Separationsbewegungen allgemein
als
staatsfeindliche Verbrechen betrachten. Das koennte ich logisch noch
nachvollziehen. Dann muesste man die Bosnier, die Transnistrier, die
Tschetschenen und die Donetzker als Schuldige an den Konflikten
ausmachen.
Die Donezker ware jahrelang an der Macht in Kiew und kamen nie auf die
Idee,
sich loszusagen. Auch auf der Krim kam jene Partei, die für den Anschluss
an
Russland war, nur auch unter 5%.
Meine Rede, die einen sind nicht besser als die anderen. Die Poroschenkos und Jatzenjuks haetten jetzt lediglich die Chance gehabt, zu beweisen, dass sie - anders als ihre Vorgaenger - fuer liberale, demokratische und freiheitliche Werte stehen. Haetten halt Referenden abhalten muessen, danach diejenigen, welche sich verabschieden wollen, ziehen lassen, und sich dann ganz dem Aufbau und der Europaeisierung der verbleibenden Ukraine widmen koennen.
Ich unterstelle den jungen staedtischen Eliten, welche den Maidan urspruenglich losgetreten haben, dass dies ein Program ganz nach ihrem demokratischen liberalen Geschmack gewesen waere.
Leider aber haben Demokraten nichts zu sagen. Und die Oligarchen, die USA, wie auch die Europaer hatten und haben halt andere Interessen.
Womit wir wieder bei meinem Refrain waeren: einer nicht besser als der andere.
Wenn man Putin kritisieren will, bietet es sich an, darauf hinzuweisen,
dass er in Tschetschenien nicht anders vorgegangen ist, als Poroschenko
heute in der Ostukraine.
Nein, Putin geht in der Ukraine vor, wie zuvor in Tschetschenien, nur
etwas
subtiler, weil er nicht offen dazu stehen will, dass er angreift.
Halte ich fuer eine Umdrehung der Realitaet. Vermutlich, weil ich die Vorgaenge in der Ostukraine immer mit Transnistrien vergleiche, wo ich mich persoenlich besser auskenne und wo Putin 100%ig nicht wie in Tschetschenien vorgegangen ist, und auch Jelzin nicht. Spielt aber keine Rolle. Der Westen koennte den Bluff dann ja leicht auffliegen lassen, indem er Referenden in betreffenden Gebieten unter Aufsicht des UN-Sicherheitsrates fordert. So koennten sich die von Russland subtil unterjochten Ostukrainer dann evtl. von der russischen Fremdherrschaft wieder befreien. Militaerisch wirds ja nicht funktionieren.
Vielleicht ist man aber doch nicht ganz vom Ausgang einer solchen Befragung ueberzeugt?
Man kann es drehen und wenden wie man will, interpretieren und reinterpretieren, am Ende muss man Politik betreiben. Und d.h., wissen, was man erreichen kann und will. Und da bleiben m.E.:
1) Militaerische Loesung (= Konflikt Ukraine mit Russland, Ukraine unterstuetzt vermutlich von den USA, ohne Europa. Da kann man nichts gewinnen)
2) Versuch des Umsturzes in Russland (wird nicht gelingen, und ist auch nicht zu rechtfertigen)
3) Einfrieren des Konfliktes, wie Transnistrien. Wiedervorlage in 20 Jahren, vielleicht sieht es dann ja anders aus
4) Referenden abhalten, Gebiete trennen, sich auf das eigene Geschaeft konzentrieren
Die USA praeferieren 1 oder 2, Europa inzwischen wohl 3, ich 4.
Was wuerdest Du waehlen?
Gruss,
mp