Bitte nicht die 'Timeline' außer acht lassen - die Zeit läuft auch bei Tatortarbeit nicht rückwärts, anders als im Fernsehen!
Die hier aufgeworfenen Fragen lassen sich relativ einfach klären:
Hier geht es um das Vorgehen bei Tatortermittlungen und um die Frage, was Polizei wann tunlichst kommuniziert, und was nicht und warum.
In den ersten Meldungen war doch davon die Rede, dass ein Verdächtiger flüchtig sei, welcher dann von einem Bürger beherzt verfolgt, von der Polizei gestellt und in der Folge als unschuldiger (kleinkrimineller) Afghane/Pakistaner identifiziert,
Das ist leider ein unverzeihlicher Ermittlungsfehler, der im ersten Moment wohl auch unter Schock und Erfolgsdruck stehenden Berliner Polizei - daß sie in dem Moment andere Täter bereits auszuschließen begann. Vermutlich hat der 'verfolgende Zeuge' das alles derart überzeugend dargestellt, daß man ihm den Hergang blind geglaubt hat. Danach war irgendwo zu lesen, er habe vor der schließlich erfolgten Festnahme die Spur wieder verloren. Aber, weitere Erklärungen siehe auch weiter unten, auch hier muß man davon ausgehen, daß die polizeiliche Kommunikation gegenüber Medien und Öffentlichkeit strategische Komponenten enthält, d.h. es werden bewußt nie Aspekte kommuniziert, die das Erinnerungsvermögen von Zeugen verfälschen oder die im Gange befindlichen weiteren Ermittlungen konterkarieren könnten. Und: auch da passieren wiederum Fehler in der Hektik, so daß etwas kommuniziert wird, was der Professionalität völlig widerspricht bzw. auf Mißverständnissen beruht. Man muß sich vergegenwärtigen, daß in solchen eiligen Fällen die vollumfängliche Unterrrichtung auch des eigenen Pressesprechers nicht in Vordergrund steht! Dasselbe war auch in München zu beobachten.
Mittlerweile ist untergetaucht, nicht mehr erreichbar.
Wer weiß, ob der nicht bereits vorher zu den zehntausend in Deutschland geschätzten Untergetauchten gehörte und nur kurzfristig, ohne, daß er es wollte, wieder aus selbiger Versenkung auftauchte, durch die für ihn überraschende Festnahme (die noch dazu traumatisch verlaufen sein dürfte, gingen die verhaftenden Polizisten doch von einem bewaffneten aggressiven Täter aus!). Und daß er sich vor Polizei fürchtet und daher in Deckung geht, muß nichts Ungewöhnliches sein - in deren Heimatländern verhaftet die Polizei gerne mal irgendeinen 'passenden' (siehe die meisten Insassen in Guantanamo, siehe Kurnaz) und bringt ihn dann einfühlsam zum Geständnis. Daß er der deutschen Polizei in solchen Drucksituationen ähnliches zutraut, zumal er von seiner ethnischen Herkunft eben in das Profiling-Raster paßt, muß nichts heißen. Es sitzen in den USA mehrere Deutsche lebenslänglich ein, denen es ähnlich erging und die auch gut getan hätten, rechtzeitig unterzutauchen und außer Landes zu kommen. Mehrere Fälle allein hier im Forum dokumentiert über die Jahre.
"Es besteht der Verdacht, dass dieser Lkw in Polen von einer Baustelle gestohlen wurde", schrieb die Polizei via Twitter.
Und hier kommen wir zu dem, was ich in der Überschrift ansprach: das war zum Zeitpunkt, da die Berliner Polizei noch völlig im Dunkeln tappte, bis hin zur Möglichkeit, daß der Pole Mittäter gewesen sein könnte - man sehe sich nur an, wieviele radikalisierte Bio-Deutsche es in der Islamistenszene gibt - warum nicht auch vereinzelt in Polen?
Die deutsche Polizei hat dann die polnische Polizei vor Ort gebeten, den Spediteur und Vetter des Toten zu vernehmen. Diese Vernehmungen dauerten die ganze Nacht an, wie man lesen konnte. Leider hatte der Vernommene bereits zuvor wohl Journalisten gegenüber seine Sicht der Dinge geschildert, zu einem Zeitpunkt, da der deutschen Polizei der Hergang nur sehr bruchstückhaft und z.T. widersprüchlich bekannt war - und diese verläßt sich lieber auf die zu dem Zeitpunkt noch andauernden Ermittlungen und Vernehmungen durch ebenso kompetente polnische Kollegen, als auf die sensationslüsterne Presse. Oder soll die Polizei blind glauben, was dort steht? Wie oft wurde in den 16 Jahren seit Bestehen dieses Forums gerade das kritisiert, daß die Medien 'immer' lügen???
Man kann nicht beides wollen - Euklids Multiplikator -1 und auf einmal soll die Polizei sich statt auf noch nicht abgeschlossene Vernehmungen und Ermittlungen, auf die Regenbogenpresse verlassen?!
Wie kann man von einem Diebstahl von einer "Baustelle in Polen" ausgehen, wenn zweifelsfrei bekannt ist, dass nach telefonischer Information des Fahrers vom Nachmittag des 19.12.2016 dieser sich bereits in Berlin am Fr.-Krause-Ufer befand, und er erst am Dienstag entladen dürfte.
Das war eben, s.o., für die Ermittler nicht 'zweifelsfrei' bekannt - zu dem Zeitpunkt.
Der verlinkte Spiegel-Artikel war von 04:29 am 20.12.2016 Uhr in der Nacht (das war der Veröffentlichungs-Zeitstempel, redaktionell abgeschlossen war er vermutlich noch wesentlich früher) und zu dem Zeitpunkt konnte unmöglich mehr als eine oberflächliche Obduktion des vermuteten polnischen Fahrers cum potentiellen Täters cum potentiellen Komplizen cum potentiellen Opfers abgeschlossen sein! Mit andern Worten: hätte man den polnischen Zeugen nur ein paar Minuten früher zum Verhör gebeten, bevor noch ein Journalist Gelegenheit hatte, ihn 'abzufischen', so wäre der genau selbe Hergang so abgelaufen: zuerst hätte die Polizei ebenfalls kommuniziert, daß sie sich vorstellen könne (oder gar vermute), der LKW sei in Polen gestohlen worden, dann hätte sie sich aufgrund der Aussagen des LKW-Eigners anders besonnen und eine Korrektur kommuniziert, während parallel die Auswertung der Mobiltelefone des noch lebenden und des toten Polen stattgefunden hätte, wonach man dann zusätzlich unabhängig diesen Hergang hätte verifzieren können. Fairer von den Journalisten wäre es gewesen, zuerst der Polizei ihre Erkenntnisse mitzuteilen, und dann erst zu veröffentlichen - aber solches Verhalten gehört der Vergangenheit an, der Sensationsjournalismus befriedigt eben Kundenwünsche, auch die des Gelben.
Zu den sämtlichen Verschwörungstheorien bezüglich z.B. der DNA und den Fragen,
- warum erst der 'Pakistani' nicht mit seiner eigenen DNA im Führerhaus abgeglichen wurde,
- warum man ihn wieder laufen ließ (was soll man mit Unschuldigen sonst machen - sämtliche in Tatortnähe angetroffene Berliner, mit Ausnahme kleiner Kinder, wäre dann auch in U-Haft zu nehmen gewesen! - Bis der richtige Täter 'zweifelsfrei' feststünde - wer dafür ist, daß es auch ihm mal so gehen möge, bitte Hand heben!)
- Warum man (angeblich!) keinen Spürhund eingesetzt hat.
- Warum man erst die Fingerabdrücke des Täters 'nur' außen an der Tür der Fahrerkabine, mittlerweile auch innen im Führerhaus gefunden hat.
Letzteres ist nicht so verwunderlich und auf false-flag hinzeigend, wie man vermuten möchte, sondern eben durch den Ablauf der o.g. Tatortarbeit bedingt.
Je nach Objekt, seien es ein LKW-Führerhaus oder eine Millionärsvilla mit verschiedenen Stockwerken, evtl. auch noch verschiedenen Zugängen wie Verandatüren und Dienstbotenausgang etc., gibt es Grundregeln, nach denen dort Tatortspuren gesichert werden.
Diese legen es nahe, nach einem bestimmten geometrischen Muster vorzugehen und zu dokumentieren. D.h. zuerst kommt die Außentür dran, dann erst der Innenraum. Vor der Sicherung der Fingerabdrücke muß (heutzutage) erst die Sicherung der DNA-Spuren erfolgen (denn die Abnehmmasse oder das -pulver zur Fingerabdruck-Spurensicherung verunreinigen ja anderes Spurenmaterial). Und diese DNA-Analyse ihrerseits dauert dann auch noch mal geraume Weile. Selbst die hier genannten Abläufe treffen nur auf unkomplizierte Sachverhalte zu, etwa Vergleich DNA Täter mit DNA von seiner vermutlichen Zahnbürste. Bei einem realistischen Tatort dagegen sind u.U. hunderte verschiedene DNA-Spuren auseinanderzuhalten:
1) die Spuren des polnischen Fahrers
2) die durch die Rettungskräfte zusätzlich gelegten Spuren (Wiederbelebungsversuche, dann Arzt, der den Tod feststellt - alle geben sich in der engen Kabine die Klinke in die Hand!)
3) die Spuren aller anderen Fahrer desselben Unternehmens, die auch ab und zu mitfahren
4) die Spuren von Wartungspersonal aus Autowerkstätten, die den Laster ab und zu fahren/überprüfen
5) DNA- und Fingerabdruck-Spuren von Polizisten und Mitarbeitern des Bundesamtes für Güterkraftverkehr, die sich um die Einhaltung der Lenkzeiten gekümmert und deshalb die Kabine betreten haben und deren polnische Gegenstücke und die aller anderen Länder, durch die das Fahrzeug schon mal fuhr,
6) DNA- etc. -Spuren von 'Trampern', die der Fahrer u.U. mal mitgenommen hat
bis hin zu
7) DNA-Spuren von evtl. Prostituierten, die sich ein LKW-Fahrer-Strohwitwer oder Lediger ab und an in seine Fahrerkabine einlädt (ohne dies dem sicherlich streng katholischen Familienvater in diesem Falle unterstellt zu haben! - Es geht um das Prinzip!).
Man sollte mehr Augenmerk auf die Lebensrealitäten legen; nur im Fernsehen sind solche Fälle in spätestens 90 Minuten -noch dazu 'gerichtsfest'- gelöst.
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