Holzschädlings-, speziell Hausbockbehandlung mittels Hitze, Heißdampf oder Begasung? Zu den Nachteilen einiger Verfahren
In meinem Vorbeitrag hatte ich ja schon z.T. eine Lanze für die Verwendung trockner Hitze gebrochen (und auch ansatzweise begründet).
Hier wurden dann verschiedene weitere Vorschläge unterbreitet, u.a. die auch schon von mir erwähnte Begasung und schließlich die Anwendung von Heißdampf.
Zur Begasung hatte ich schon meine Ansicht zum Ausdruck gebracht, daß diese Mittel ausschließlich in die Hände von Fachleuten gehören. Das in den USA evtl. zulässige Senfgas ist m.W. in Deutschland weder zugelassen noch überhaupt erhältlich, egal zu welchem Zweck. Das aus der Gruppe der Lost-Kampfgase stammende Senfgas hat chemische Eigenschaften, die u.U. auch Einbauten eines Bauwagens korrodierend in Mitleidenschaft ziehen könnten (es neigt mit Feuchtigkeit und vielen anderen Stoffen zur Zersetzung in ätzende Stoffe) und: "Lost ist ein starkes Hautgift und erwiesenermaßen krebserregend".
Das Mittel der Wahl im deutschen Holzschutz ist der Cyanwasserstoff, auch er führt bei Warmblütern rasch zum Tode durch Ersticken. Da Insekten deutlich höhere Konzentrationen brauchen, ist also die Begasung in der erforderlichen Konzentration bei der Schädlingsbekämpfung für Menschen nahezu sofort tödlich. Drum sagte ich ja, daß das etwas für die Fachwerkstatt ist; käuflich erwerben kann es ohnehin nur der, der Bedarf und Sachkunde nachweisen kann.
Nun zur Heißdampfbehandlung. Auch davon halte ich nichts oder eher noch weniger. Während sich die Schäden selbst bei Senfgas angesichts der erforderlichen Konzentration womöglich nur auf erblindete Spiegel oder angelaufene Messinggriffe im Bauwagen erstrecken, hat Heißdampf m.E. in der Nähe von trockenem Holz, gar bei evtl. maßhaltigen Bauteilen (Fenster, Türen, Rahmengestell) nichts zu suchen. Daß man damit den Gartenboden entwesen kann, ist klar: die Kondensationsenthalpie ist bei keinem Medium größer als ausgerechnet bei Wasserdampf - und der Boden ist ohnehin schon feucht; ohne dieses Verfahren, nur mit Heißluft und deren nur einen Bruchteil betragenden spezifischen Wärme, könnte man wohl nicht mal die obersten Millimeter der Humusschicht erwärmen, geschweige denn Engerlinge und Schneckeneier bis 30 cm Tiefe 'garen'.
Was passiert aber mit dem Heißdampf, wenn er seinen Zweck erfüllen, und die beim Phasenübergang von gasförmig zu flüssig entstehende Kondensationswärme abladen soll? Richtig - er durchfeuchtet alles erstmal so richtig.
Und bei welchen Temperaturen findet diese Rückkondensation bei Normalluftdruck auf 'Meereshöhe' statt? Richtig, bei ziemlich exakt 100 Grad Celsius. Das halte ich für bedenklich hoch, wenn 80 Grad längst genügen. Wenn z.B. Dachstühle mit Heißluft entwest werden, achtet man auf 80 Grad, damit auch entlegene, versteckte Stellen mindestens 60 Grad heiß werden - dies reicht bei einstündiger Einwirkung, um auch Eier abzutöten, Kleingetier überlebt das sowieso nicht, auch aufgrund der Desikkation, anders als vielleicht ein Mensch.
Was passiert beim 'Dämpfen von Holz'? Richtig, es ändert seine Form, wird (vorübergehend) geschmeidig und folgt daher u.U. dem Druck und den Spannungen, denen es statisch im verbauten Zustand ausgesetzt ist - die Folge kann eine schiefe Hütte sein. Wissen tut man das erst hinterher.
Und was passiert mit bereits gedämpften und so in eine unnatürliche Form gebrachten Hölzern, vgl. die (Arm-) Lehnen mancher Stühle? Es 'stellt sich' u.U. wieder zurück. Wer also seinen guten alten Morgan mit (Teil-) Holzchassis 'dämpft', der hat hinterher statt eines stromlinienförmigen Aufbaus u.U. eine 'flache Flunder' (vgl. auch 'the plywood monococque').
Davon, daß
außen mit Blech verkleidet, innen anscheinend Spanplatten, die man aber nicht sieht, weil der Vorbesitzer sie schön und sorgfältig mit Nut/Feder-Brettern (Fichte) verkleidet hat
ein außen relativ dampfdichter, innen dampfdurchlässiger Aufbau, u.U. noch mit irgendwelchem fasrigen oder offenzelligen Dämmstoff versehener Aufbau, hinterher womöglich dann tote Holzwürmer aufweist, die von lebendigen Schimmelpilzen genüßlich entsorgt werden, will ich gar nicht mal reden!
seit einem Jahr quillt braunes Bohrmehl aus allen Ritzen. Nicht weißes Bohrmehl, wie ich es von den Holzwürmern in alten Möbeln kenne, sondern braunes. Welches Getier ist das?
Das kann man am Bohrmehl nicht bestimmen. Wie beim Regenwurm, dessen Kot auch stets die Farbe der Umgebung annimmt, die er durch sich hindurchleitet, weshalb man ihn begrenzte Zeit mit weißem Kaffeefilterpapier füttern und ihn so 'durchsichtig' machen kann für histologische, anatomische und mikroskopische Studien, hinterläßt auch der Hausbock, so er es denn ist, Bohrmehl, das exakt der Farbe des (Splint-) Holzes entspricht, das seine Larven abgebaut haben.
Welche Schädlingsart es genau ist, kann man mit normalen Methoden wie Okularinspektion des Bohrmehls nicht entscheiden, das könnte -heutzutage- höchstens ein gentechnisches Labor, das die DNA-Sequenzen bestimmt, die daran haften, und diese dann mit dem Hausbock-Genom vergliche (ich bezweifle aber, daß dies schon entschlüsselt ist, anders, als beim Hausschwamm, den man sich mit der Heißdampf-Methode u.U. auch züchten kann). Ansonsten erkennt der Holzschutz-Experte und Kammerjäger etc. den Hausbock ausschließlich an
- den fliegenden Käfern
- seinen in den Gängen befindlichen Larven
oder
- am Bohrmehl und dem typischen Verlauf und dem Durchmesser seiner Gänge (alle anderen infragekommenden Schadinsekten außer Termiten hinterlassen deutlich engere Gänge).
Dazu wird das Holz freigelegt und durch 'Abbeilen' werden die losen Holzteile über den Gängen abgeschlagen und dann diese Gänge freigelegt.
Just my two dollars ...
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Wie ich es u.U., ohne den Fall genauer zu kennen, machen würde:
Einen ausreichend dimensionierten elektrischen Heizlüfter (oder 'Hallenheizung' - Achtung: Starkstromanschluß erforderlich) oder ein netzunabhängiges Heizgebläse.
Ob man dann die Außenwände von außen vorübergehend wärmeisolieren muß, hängt vom Wandaufbau und der Größe und anderen Faktoren ab (Temperaturgradient); jedenfalls sollte es an der Außenwand von außen noch heißer als 60 Grad sein, innen aber möglichst unter 100 Grad, auch um neben der Brandgefahr der thermischen Zersetzung von Farben, Lacken und Klebstoffen vorzubeugen.
Der Vorteil: im Gegensatz zum Heißdampfverfahren, das zu unvorteilhaften Veränderungen des Holzes, Dämmaterials und ggf. der Statik führen kann, und im Gefolge zu Kondensation und Schimmelbefall, werden hierdurch auch noch Bakterien und Schimmelpilze, bis auf ein paar hartnäckige Sporenbildner, abgetötet, d.h. der Bauwagen ist quasi 'sterilisiert'.
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