"Manipulation"; Bank-Schlangen; Weltgeld (Global Money); Staatsbildung (State Building)
Hallo Bill!
Hallo nereus!
Du schreibst: Kein Finanzsystem ist je "von alleine" entstanden und
schon gar nicht hat je eines irgendwo von alleine bestanden, weil
Erwartungen (und damit Bewertungen von geldwerten Rechten) sich laufend
(auch massiv!) ändern können.Ja, aber ich hatte auch nicht das Gegenteil behauptet, daher wundert mich
ein wenig dieser zarte Hinweis.
Du hattest geschrieben:
Das ganze Finanz-System kann nur noch durch immer dreistere
Manipulation am Laufen gehalten werden.
Und ich wollte damit nur sagen: "manipuliert" wird immer. Ganz automatisch. Ohne Manipulation, d.h. Eingriff, existiert kein Finanzsystem.
Und dreist liegt wohl im Auge des Betrachters.
Nun zu den Bank-Schlangen.
Da kannst Du lange warten. Die (in erster Linie
öffentlich-rechtlichen) Institutionen sind längst da, um mit genau dieser
Art von Liquiditäts-Schreckensszenario umgehen zu können. Auf einen
physischen Bankrun als "erlösendes Krisenszenario" kannst Du im Westen
lange warten. Sehr lange. Das hatten wir schon zu oft und haben
entsprechend reagiert.Also, das kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Diese Schlangen wurden vor wenigen Jahren in Zypern, in Schottland und vor
allem in Griechenland beobachtet.
Wenn Du es nicht glaubst, schau mal da:
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/northern-rock-lange-schlangen-abstuerzende-k...
Ja, diese Bilder kenne ich noch gut, hab' damit dem ein oder anderen Banker damals schön Angst einjagen können :) :)
Aber die meiste Angst hatte ich selbst. Ich dachte: einmal solche Bilder (mit Menschenschlangen vor Banken) und "es geht los" (automatisch), weil Banken ja so viele täglich fällige Verbindlichkeiten haben.
Die Krise 2007/8 hat eine ganz andere Achillesferse des "neuen"
Bankings mit dem Weltgeld (Eurodollars) sichtbar gemacht. Und dort hat der
(nicht-physische) "Bankrun" auch stattgefunden.
Konsequenz in der Krise: Dollar-Liquiditäts-Swaps für US-ausländische
Zentralbanken (u.a.), die diese Liquiditätskrise im "neuen" Banking
("Shadow Banking") behandeln sollte und letztlich auch eingedämmt hat. 600
Mrd. Dollar für ausländische ZBen in der Spitze.Ja, aber das sind brisante Themen, die der Normalverbraucher nicht
wahrnimmt und wenig versteht.
Das mag sein. Aber genau darum geht es. "Global money". Was ist das Zahlungsmittel der Welt?
Es ist - wohl zum ersten Mal in der bekannten Geschichte der Menschheit ein privates Kreditsystem an der Spitze der internationalen Geldhierarchie. Gleichwohl ist dieses private Kreditsystem, das in $ nominierte Forderungen und Verbindlichkeiten Paare produziert der Spitze der nationalen $-Hierarchie (d.h. der FED) untergeordnet. Das kann man u.a. am Zinsabstand sehen, den stokk kürzlich verlinkt hat. Es hat sich auch in der Krise eindeutig gezeigt was Schwanz (Eurodollar, Weltgeld, global money) und was Hund (FED) ist (ein Blick auf die Bilanzen hätte wohl auch gereicht: die "Reserven" des Eurodollar-Systems sind $-Einlagen bei (New Yorker) Banken, die ihrerseits Zugang zur FED haben).
Es gibt eben nicht nur Liquiditätsprobleme und damit nur die
Notwendigkeit, diejenigen Institutionen zu schaffen, die dabei helfen, mit
diesen Liquiditätsproblemen (neuer Art) umzugehen (z.B. hat man seit
Oktober 2013 dauerhafte unlimitierte Zentralbank-Swaps unter den C6
etabliert), sondern es gibt noch ganz andere Probleme:
- allgemeine Solvenzprobleme ("Umverteilung")
- fehlende Anreize für "realwirtschaftliche" Investitionen usw.Ja, und an diesen vielen Krankheiten wird der Patient vermutlich zu Grunde
gehen.
Schon möglich. Muss aber wohl nicht sein. Man kann (könnte) durchaus Insitutionen schaffen (immer "eine Ebene höher" als diejenige Ebene auf der die Probleme auftauchen), die mit diesen Problemchen umgehen können. Es wäre nicht das erste Mal in der bekannten Geschichte der Menschheit (vgl. z.B. USA Ende 19.Jhd.: --> wirksame Föderalisierung u.a. De-Kartellisierung etc. durch den politischen Progressivismus).
Der Plan, das Unabwendbare mit den Negativzinsen und anderen Spielchen
noch abzuwenden, wird nicht funktionieren.
Mit Negativzinsen nicht. Das ist ein grottenschlechter Plan. Bild dazu: man versucht einen Brand eines Hauses zu löschen und müsste eigentlich chirurgisch präzise vorgehen (und Wasser/Elastizität - Vorsicht: auch Elastiztität ist nur ein Bild! - dorthin bringen wo sie benötigt wird), sticht aber statt dessen einfach mal sämtliche Deiche durch....
Es ist immerhin (irgend)ein Plan...
Die Zentralbanker sind jedenfalls nicht diejenigen auf die man sauer sein sollte. Die tun was sie können. Was sie tun hat massive Umverteilungseffekte hin zu denjenigen, die bereits über Vermögen verfügen (sehr leicht begründbar warum Zentralbanken ohne "QE 4 the people" grundsätzlich zusätzliche Elastizität nur denjenigen zur Verfügung stellen können, die bereits über Vermögen verfügen). Aber immerhin die Zentralbanker tun irgendetwas. So grotesk das klingen mag.
Andere, die etwas tun müssten, tun gar nichts!
Bankrotteure, die zusammen eine neue Bank (EZB) gründen, um ihre eigenen
Schulden (Staatsanleihen) aufzukaufen, bleiben Bankrotteure.
Hier sprichst Du etwas wichtiges an:
So sehr wir auf europäischer Ebene "state building" benötigen würden (die EU spottet jeder rechtsstaatlichen Beschreibung), so dringend nötig ist eben das auch in vielen einzelnen Nationalstaaten. Das halte ich derzeit für den blindesten aller Flecke. Auch von den "heterodoxen" Ökonomen.
Ökonomen mussten sich einfach die letzten 200 Jahre kaum mit state building herumschlagen (und so alt ist die Disziplin "Ökonomik" erst gar nicht), weil die relevantesten Staaten schon aufgebaut waren. Ökonomen (und nicht nur denen aber denen ganz besonders) fehlt es einfach an staatstheoretischer Bildung.
An den (öffentlich-rechtlichen! Was sonst?) Institutionen, die helfen
würden diese Probleme zu lösen, bauen wir bislang noch nicht einmal. Der
Schuss ist nach wie vor noch nicht gehört worden.Vermutlich werden wir diesen Schuß aber bald hören.
Es könnte auch ein Kanonendonner oder eine Atomexplosion sein.
Nichts genaues weiß man nicht.
Hatte @dottore nicht in einem seiner Bücher – ich glaube es war „Der
Kapitalismus – ein System das funktioniert“ – Stanley Salvigsen
zitiert, der vom Durchschmelzen des Weltschulden-Reaktors sprach?
Das war 1988, also vor 28 Jahren!
Das halte ich - mit Verlaub - für eine völlig ungeeignete Metapher falls die Intention war damit Zusammenhänge klarer zu machen.
Die Nettogeldvermögen bleiben immer und auf alle Zeiten genau Null (genauer: konstant in der Höhe monetisierter Eigentumsrechte, z.B. Metalle in Form von Münzen). Eine "Überschuldung" (und damit wohl auch ein "Durchschmelzen des Weltschuldenreaktors" -
) ist ein Partialbegriff, der für die Gesamtwirtschaft absolut keinen Sinn macht.
Deshalb wird es auch - gerade in Europa - wahrscheinlich einer
massiven Verschärfung der Krise bedürfen, insofern stimme ich Dir zu. Als
physischer Bankrun wird diese aber nicht auftauchen. Das halte ich für
extrem unwahrscheinlich.Warten wir’s ab.
Wenn plötzlich eine Großzahl von Kunden online ein paar Transkationen
durchführen möchte und das plötzlich nicht mehr geht oder die Seiten
nicht erreichbar sind, dürften sich ein paar Leute ziemlich früh in
Bewegung setzen.
Und wenn diese Wartenden dann von den ersten „auf Arbeit Gehenden“
gesehen werden und diese erfahren, warum die dort stehen ..
Ich persönlich halte es - aufgrund der vorhandenen Institutionen - für extrem unwahrscheinlich.
Du kannst freilich das Aufbauen von noch nicht vorhandenen Institutionen ("state building", s.o.) für genau so unwahrscheinlich halten. Ist es womöglich auch.
Noch ist Bargeld bei den Deutschen die Nr.1 auch wenn schon im Supermarkt
immer öfter die Karte gezogen wird.Und unter die weißen Schwäne mischen sich zusehends ein paar schwarze.
Die Deutsche Bank kämpft gerade mit der Zweistelligkeit ihres
Aktienpreises, weil Mama Merkel keine staatliche Hilfe geben will – die
Unwillige.
Wie "deutsch" ist denn die "Deutsche Bank"?
Bin gespannt, wie lange sie dazu steht.
Und der Volker mit "F" hat heute vermeldet, daß es mit der europäischen
Konjunktur, die er in den letzten Monaten immer lobte, auch nicht mehr so
dolle läuft.
Wie denn auch?
Schon mal einen 3 Worte Witz gehört:
Vernünftige deutsche Wirtschaftspolitik.
Statt dessen "sparen" sämtliche inländische Sektoren (Private Haushalte, Unternehmen, Staat).
Immer schön drauf auf den Geldvermögenshaufen.
Was für ein totaler IRRSINN!
Aaaaaaaber: siehe oben! Es ist eben NICHT damit getan (wie von Keynesianern gerne gepredigt), dass die Deutschen ihre Sparwut aufgeben und Geschenke an die anderen Euroäer verteilen. Nein. Dort (z.B. Griechenland, (Süd-)Italien, ...) muss zudem state building statt finden. Sonst funktioniert es nicht. Und DANN Transfers (Investitionen) und so weiter. Und das lustige ist: mit "Transferleistungen" kann man Bürger in Deutschland, die längst von der Jurisdiktionen-Arbitrage nur innerhalb der EU schon unter die Räder gekommen sind NOCH IMMER davon Abhalten für eine echte europäische Republik zu sein. Dabei bliebe ihnen in Summe trotz der Transfers mehr, weil die Jurisdiktionen-Arbitrage (Umsätze in D machen, wie etwa amazon, Google etc. aber Steuern dank double Irish in a Dutch sandwich u.ä. irgendwo anders (nicht) bezahlen) mit kleinen Jurisdiktionen nicht aufzulösen ist.
Grotesk.
Ich sag' ja. Es fehlt an staatstheoretischer Bildung. Nicht nur den Ökonomen (leider), sondern auch insgesamt. Wenn es nur die Ökonomen wären - naja, dann schickt man die halt zum spielen mit ihren Märchenbüchern irgendwo hin, Hauptsache sie haben keinen Einfluss auf Entscheidungsträger. Aber die nutzen Ökonomen leider weiterhin wie Betrunkene Laternen:
Es geht ihnen nicht um das Licht, sondern um den Halt.
mfG
nereus
Schöne Grüße
--
BillHicks
..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.
![[[zwinker]]](images/smilies/zwinker.gif)