Als gäbe es nur Liquiditätsprobleme und dann gar nur solche mit physischen Auswirkungen (Bankrun).

BillHicks ⌂, Wien, Freitag, 23.09.2016, 13:11 (vor 3448 Tagen) @ nereus3433 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 23.09.2016, 13:27

Lieber nereus,

Das ganze Finanz-System kann nur noch durch immer dreistere
Manipulation am Laufen gehalten werden.

Kein Finanzsystem ist je "von alleine" entstanden und schon gar nicht hat je eines irgendwo von alleine bestanden, weil Erwartungen (und damit Bewertungen von geldwerten Rechten) sich laufend (auch massiv!) ändern können.

Warten wir gespannt, wann sich die ersten Schlangen vor den Banken bilden.

Da kannst Du lange warten.
Die (in erster Linie öffentlich-rechtlichen) Institutionen sind längst da, um mit genau dieser Art von Liquiditäts-Schreckensszenario umgehen zu können. Auf einen physischen Bankrun als "erlösendes Krisenszenario" kannst Du im Westen lange warten. Sehr lange. Das hatten wir schon zu oft und haben entsprechend reagiert.

Die Krise 2007/8 hat eine ganz andere Achillesferse des "neuen" Bankings mit dem Weltgeld (Eurodollars) sichtbar gemacht. Und dort hat der (nicht-physische) "Bankrun" auch stattgefunden.
Konsequenz in der Krise: Dollar-Liquiditäts-Swaps für US-ausländische Zentralbanken (u.a.), die diese Liquiditätskrise im "neuen" Banking ("Shadow Banking") behandeln sollte und letztlich auch eingedämmt hat. 600 Mrd. Dollar für ausländische ZBen in der Spitze. Da musste sich der Ben Bernanke einiges anhören. Insbesondere von Kongressabgeordneten, die freilich nicht den leisesten Tau haben. Ben Bernanke hatte auch keinen wirklichen Tau, hat aber zumindest mal fleißig 'rumprobiert...

Lange dauern kann es eigentlich nicht mehr. [[zwinker]]

Es gibt eben nicht nur Liquiditätsprobleme und damit nur die Notwendigkeit, diejenigen Institutionen zu schaffen, die dabei helfen, mit diesen Liquiditätsproblemen (neuer Art) umzugehen (z.B. hat man seit Oktober 2013 dauerhafte unlimitierte Zentralbank-Swaps unter den C6 etabliert), sondern es gibt noch ganz andere Probleme:
- allgemeine Solvenzprobleme ("Umverteilung")
- fehlende Anreize für "realwirtschaftliche" Investitionen usw.

An den (öffentlich-rechtlichen! Was sonst?) Institutionen, die helfen würden diese Probleme zu lösen, bauen wir bislang noch nicht einmal. Der Schuss ist nach wie vor noch nicht gehört worden.
Deshalb wird es auch - gerade in Europa - wahrscheinlich einer massiven Verschärfung der Krise bedürfen, insofern stimme ich Dir zu. Als physischer Bankrun wird diese aber nicht auftauchen. Das halte ich für extrem unwahrscheinlich.

mfG
nereus

Schöne Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.


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