Optimierung der Überwachungs- und Auswertungsstrategien und der Abschreckungswirkung
Optimierung der Überwachungs- und Auswertungsstrategien und der Abschreckungswirkung
(Kapitel 6 zum Hauptbeitrag "Ratgeber Einbruchschutz 01: Video-Überwachung - CCTV-Kameras, Infrarot-/Nachtsicht-Kameras, Aufzeichnungsgeräte, Systeme")
A) Attrappen/Dummies
Es gibt sehr viele Kamera-Attrappen im Angebot. Es gibt auch viele Anwender, die statt einer Überwachungsanlage überhaupt nur Kamera-Attrappen installieren. Die Problematik dabei ist, genauso, wie bei Warnaufklebern, die vor gar nicht vorhandenen Alarmanlagen warnen, daß man sein Anwesen u.U. nur noch mehr für Einbrecher interessant macht, die dann annehmen könnten, hier "gäbe es etwas zu holen". Am unsinnigsten ist es, wenn man vor der gar nicht vorhandenen Videoüberwachung auch noch auffällig warnt. Was viele Endanwender oft nicht wissen: organisierte Einbrecherbanden haben ein gewisses Erfahrungswissen, woran sie erkennen können, ob eine Anlage vorhanden ist, bzw. ob sie etwas taugt.
Im Zweifel observieren sie das Gelände und testen die Anlage, indem sie zu bestimmten Tag- und Nachtzeiten Vorfälle mimen, die nicht zur Strafverfolgung führen, ihnen aber aufgrund der damit verbundenen (Nicht-) Reaktion dokumentieren, ob die Anlage existiert, und falls ja, ob sie entsprechend ausgewertet wird und welche Reaktionen erfolgen und ob man diese nicht ggf. konterkarieren kann.
Dasselbe passiert mit Alarmanlagen, die u.U. so oft "fehl"ausgeöst werden, bis sie keiner mehr ernstnimmt.
Also: wenn überhaupt Kamera-Attrappen, dann eher so, daß man sie unauffällig positioniert - echte Einbruchs-Profis entdecken sie und nehmen sie dann u.U. (fälschlich) ernst (oder, s.o., testen sie solange, bis deren Unwirksamkeit bewiesen ist). Besser ist eine Kombination:
B) Attrappen/Dummies in Kombination mit echten Überwachungskameras
Wenn man z.B. ein rechteckiges Gebäude auf einem ansonsten weitgehend freien Außengelände hat, dann muß man logischerweise je eine Kamera, die entlang der Gebäudewand aufnimmt (also insges. vier Kameras) installieren. Nachteil: ein Täter kann sich so positionieren, daß er einer solchen Kamera stets nur den Rücken zukehrt. Besser wäre es also, mind. acht Kameras zu installieren, so daß er jederzeit auch von der Gegenseite erfaßt und observiert werden kann. So erkennt man auch, ob er vor dem Körper Waffen oder Werkzeug trägt.
Eine halbherzige Lösung, die den Eindringling jedenfalls stärker verunsichert als nur je Kameras in eine Richtung wäre daher die Kombination von je einer echten Video-Kamera an jeder Gebäudeecke/-seite und einer Attrappe an der entgegengesetzten Ecke, die in Gegenrichtung "aufnimmt". So weiß der Täter imerhin nicht, sofern die Attrappen täuschend echt sind, wie er sich "verstecken" oder unkenntlich machen soll.
C) Eindringlinge/Angreifer desorientieren und einschüchtern
C1) Blendung und Bewegungseinschränkung
Damit die Videoüberwachung nicht "nachtblind" ist, sollte man möglichst nur Kameras einsetzen, die auch über Nachtsichtfähigkeiten verfügen. Dies sind i.d.R. Kameragehäuse, bei denen eine Kamera verbaut ist, die neben Tageslicht auch ausschließlich Infrarot verarbeiten kann. Da es sich nicht um Restlichtverstärker oder Wärmebildkameras handelt, wie sie Sicherheitskräften und dem Militär zu Gebote stehen, sind rund um das Objektiv Infrarot-LEDs eingelassen, die den "Gegner" auf bis zu mehrere zehn Meter Entfernung nachts anzuleuchten gestatten (ohne daß dieser das bemerkt). Das vom Eindringling reflektierte Infrarot-Licht wird dann von der Kamera erfaßt, verstärkt und führt, anders als am Tage, falls es eigentlich eine Farbkamera ist, zu einem recht gut aufgelösten Schwarz-Weiß-Bild.
In diesem Video von BIPRO, das mit dem Farbbild am Tage beginnt, kann man ab ca. der 38. Sekunde sehen, wie eine solche Infrarot-Aufnahme aussieht (die kontraintuitiv nach oben schwebenden "Schneeflocken" im Bild sind vermutlich Staubteilchen - eine Infrarotausleuchtung produziert andere Artefakte, als eine Aufnahme im Sonnenlicht mit seinen Spektralfarben - alles, was besonders gut IR-Licht reflektiert oder selbst auf der entsprechenden Frequenz strahlt, etwa ein heißer Ofen, erscheint hellweiß, absorbierende Flächen grau bis schwarz. Ein kaltes Aquarium, das bei Tageslicht hell erscheint, könnte also u.U. als schwarzer Kasten wirken.).
Hat man nun eine solche IR-Kamera im Einsatz, die in der Lage ist, auch dann noch IR-Bilder zu liefern, wenn eine normale Lichtquelle hinzutritt (im Zweifel den Hersteller befragen bzw. testen!), so kann man sich folgende Abwehrmaßnahme gegen ungebetene Eindringlinge zunutze machen:
Optimale Blendungs-Strategie
Die menschliche Pupille zieht sich bekanntlich bei stärkerem Lichteinfall zusammen, bei Dämmerung und Dunkelheit weitet sie sich. Dabei gibt es eine maximale Verengung, d.h. Licht, das bei dieser Verengung immer noch "zu hell" ist, blendet stets, es sei denn, man greift zu externen Schutzmaßnahmen (etwa einer Sonnenbrille). Und egal, wie weit sie sich öffnet, bei absoluter Dunkelheit sieht ein Mensch auch dann nichts.
Nun ist diese Öffnungs- und Schließreaktion aber nicht beliebig schnell, vielmehr bedingt der Bau der sog. Sphinkter-Muskulatur und die Informations-Leitgeschwindigkeit unseres Nervensystems sowie die Geschwindkeit der Signalverarbeitung unseres Gehirns hier Ober- und Untergrenzen. Dies kann man sich zunutze machen, indem man nicht mit Dauerlicht blendet (notabene: diese Angriffsart kann man durch Abwenden und Beschatten der Augen abwenden oder minimieren!), sondern mittels eines genau abgestimmten Stroboskop-Effektes.
Die Eigenschaften des Pupillenreflexes sind gut erforscht und die entspr. Experimente zählen zu den ersten mit modernen Mitteln durchgeführten neurologischen Forschungen seit dem 19. Jahrhundert (vgl. Swinging-Flashlight-Test).
"Nach Belichtung erfolgt nach einer kurzen Latenzzeit eine deutliche Verengerung der Pupille; sie läßt zwei Phasen erkennen, eine primäre von etwa 0,4 Sekunden, in der der Pupillendurchmesser sich um 2,4 mm verengt und die anschließende sekundäre, die 0,3 Sekunden dauert und eine Verengerung um 0,4 mm bedingt. [andere Messungen:] ... Latenzzeit 0,1875 Sek. ... primäre Kontraktion erfolgt nach 0,4365 Sek. mit einer Geschwindigkeit von 5,48mm/sec., die zweite und letzte Kontraktion nach 0,3125 Sek. mit 1,34 mm/sec., nach Beendigung der Belichtung erweitert die Pupille sich mit einer Geschwindigkeit von 0,95 mm/sec. Die Reflexzeit zwischen dem Beginn des Reizes und dem Maximum der Sphinkterkontraktion beträgt rund 1 Sek. ... schließlich kehrt die Pupille nach einigen Schwankungen ('Nachzittern') wieder zur Ruhelage zurück."
(Handbuch der Neurologie - Hirnnerven Pupille)
Weitere Quellen:
- Kontraktionszeit 1,2 bis 0,2 Sekunden.
- Phasenlaufzeit der Pupillenschwingungen
-![[image]](http://www.spektrum.de/lexika/images/bio/f7f5568.jpg)
Mit einigen weiteren optischen Effekten ist es möglich, das Gehen und Rennen auf einem Gelände für Menschen nahezu nahezu unmöglich zu machen, zumindest nachts und bei Dämmerung und wenn diese Eindringlinge nicht über eine Spezialausrüstung wie etwa die KSK verfügen.
Wenn zusätzlich z.B. bestimmte reflektierende Wegmarkierungen im grellen Licht erhaben erscheinen (durch entsprechende 3D-Effekte der Bodenzeichnung), im Dunkel aber wieder vollkommen verschwinden (oder eher wie Vertiefungen auszusehen beginnen - vgl. die Täuschungen bei Mondkratern), so kann ein Mensch, der nicht mit sehr aufwendigen Nachtsichtgeräten ausgerüstet ist, die ihn gegen das Kunstlicht weitestgehend immunisieren, sich nicht mehr sicher bewegen, da er ständig Gefahr läuft, über ein (mal echtes, mal eingebildetes) Hindernis zu stolpern.
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