Zuschriften zum Thema Glyphosat/Erkrankungen durch Pflanzenschutzmittel
Ich habe noch einige E-Mails erhalten, die ich hier leicht gekürzt wiedergebe:
I.)
Hallo, ich bin 5x Jahre alt und habe den Beruf des Winzers im elterlichen
Betrieb erlernt und diesen Beruf ein paar Jahre ausgeübt. (...) Ich habe in
jungen Jahren auch Glyphosat mit einer Spritze von Hand verspritzt. Im Sommer
hatte man kurze Hosen an und vielleicht noch ein paar Gummistiefel gegen den
Sprühnebel. Bei Wind hat man trotzdem noch Reste des Sprühnebels abbekommen. Es
befand sich kein Giftzeichen auf den Plastikflaschen. Bei anderen Giften wie
Reglone (heute verboten) und Grammoxone schon, auch haben wir Simazin verspritzt.
Die Flasche Roundup kostete Anfang der 80er Jahre etwa 100 DM. Ob eine
Gesundheitsgefahr bei Glyphosat besteht, vermag ich nicht (zu) beurteilen, es
hat sich aber oft nachträglich herausgestellt, daß bei vielen Giften dies der
Fall ist. Ich erinnere an Blei in Wasserrohren, Flaschen, Kapseln aus Blei bis
in die 80er Jahre, Holzschutzmittelvergiftungen, Asbest in Bremsen und
Baumaterial. Das Argument des Winzers kann ich nicht ganz
nachvollziehen, schließlich muß er auch das Spritzmittel mit dem Traktor und
einem Anbauspritzgerät im Weinberg ausbringen, da kann er genauso ein Mulchgerät
oder ein Boden-Grubber an seinen Traktor anbauen und damit durch den Weinberg
fahren. Da hat er pro Hektar vielleicht zwei Stunden mehr Zeitaufwand, aber
auch den Weinberg 2-3 Monate sauber.
II.)
Hallo, bei meinem Vater (ü80) ist vor 2 Jahren ein Multiples Myelom ausgebrochen.
Das ist eine Art Knochenmarkskrebs/Leukämie oder auch "flüssiger Krebs" genannt.
Ich habe mich intensiv damit befasst, auch viele Forschungsergebnisse aus
anderen Ländern gelesen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Krankheit
mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit seiner Tätigkeit als Gärtner
(Produktionsbetrieb) zusammenhängt. In seinen selbstständigen Jahren hat er sehr
bewusst auf Spritzmittel verzichtet bzw. nur im Notfall eingesetzt. Ich erinnere
mich noch an den "Giftschrank" in seinem Büro, der sehr klein war. Ich erinnere
mich aber auch daran, dass es einige wenige Male große Aufregung gab und wir
Kinder einige Tage die Gärtnerei nicht betreten durften. In seinen Lehr- und
Gesellenjahren wurde dagegen nach dem "viel hilft viel"-Prinzip ohne Maske und
Schutz gearbeitet. Wir wohnen in ländlicher Gegend mit Obstbau und mein Vater
kann genau einschätzen, was die Landwirte auf ihren Feldern machen. Erdbeeren
kommen bei meinen Eltern zuhause grundsätzlich nicht auf den Tisch. Allerdings
kann mein Vater die Landwirte auch verstehen, weil die Früchte immer makelloser
sein, die Erträge stimmen und die Produkte transportabel/lagerbar sein müssen.
Dies ist eben nur mit "gewissen" Hilfsmitteln zu bewerkstelligen. Das ist das
Dilemma. Genauso, wie es der Winzer in Deinem Posting beschreibt. Was er ausser
Acht lässt, sind die schwelenden, meist individuellen Spätschäden. Letztlich
hilft der Eigenanbau ein wenig und dabei muss man mit den Launen der Natur eben
leben. Voriges Jahr waren meine Tomaten echt Panne, dieses Jahr sind sie ein
Traum und das in Töpfen an der Hauswand mitten in der Stadt. Man muss sich halt
irgendwie durchschlängeln und seinen Instinkt schärfen. Der sagt einem dann
schon, was genießbar ist und was nicht - das ist eigentlich ur-natürlich - dazu
muss man kein Öko-Lieschen werden. In diesem Sinne: Gesundheit & ein langes
Leben wünscht Dir X.
III.)
Hallo, mein Vater (1926 - 2011) war Landwirt, hat den Beruf aber Anfang der 1960er Jahre
gewechselt. Irgendwann um das Jahr 2005 herum erkrankte er, wie sich später herausstellen
sollte, an Parkinson. Kurz nach seinem Tod las ich dann die Nachricht, daß in Frankreich
Parkinson als Berufskrankheit bei Landwirten anerkannt wurde. Ich habe also ein Interesse
an dem Thema, das über das Interesse eines Konsumenten an giftarmer Nahrung hinausgeht.
Ich kann mich an ein Gespräch mit meinem Vater aus den 1990er Jahren erinnern. Ein
Landwirt aus der Verwandtschaft meiner Mutter war nach schwerer Krankheit relativ jung
gestorben. Auch ein Altbauer in der Nachbarschaft meiner Eltern war seit Jahren
schwerkrank. Mein Vater meinte damals, daß es durchaus mit dem Umgang mit
Pflanzenschutzmitteln zusammenhängen könne. Man habe bis in die 1960er Jahre hinein kein
Bewußtsein für die Giftigkeit dieser Mittel gehabt und es sei vorgekommen, daß die
Spritzbrühe mit den Armen umgerührt wurde. Daß die spätere Erkrankung meines Vaters durch
diese Mittel verursacht wurde, ist nicht zu beweisen, es ist eine Vermutung.
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Der Streusand-Effekt reduziert nicht die Rutschgefahr!