Eher im Gegenteil, hier jedenfalls.

Hannes, inmitten des Landes S-A d. BRD in der EU, Montag, 22.08.2016, 04:02 (vor 3476 Tagen) @ mh-ing4497 Views

Altes Elbe-Gebiet am östlichen Stadtrand Magdeburgs:

Sehr viele Amseln, Drosseln, Gartenrotschwanz, Sperlinge, ... usw.

Insekten auch. Diesjahr mehrfach Hirschkäfer brummend senkrecht vorbeifliegen gesehen, auch einen toten gefunden. Seit wenigen Jahren ist hier auch die Holzbiene heimisch, manchmal ein halbes Dtzd. gleichzeitig zu sehen, an den alten Dübellöchern der Schuppenwand herumsuchend. Neulich fragte mich eine Kollegin was diese großen schwarzen Hornissen wären, die sie sah?

Balkenbohrer kannte ich früher nicht, der Käfer ist, als Made, viel in meinem Brennholz, bzw. fliegt oft vorbei.

Habe letztes Jahr Konstruktionsvollholz wegschmeißen müssen, weil beim Bearbeiten mit dem Stemmeisen ich einen Gang fand und die Made eines Hausbocks rausholte. Innen alles madig gewesen. Bauholz im Garten lagern geht also auch nicht mehr. Gefährliches Viech im Dachstuhl! [[nono]]

Wir zittern wegen des Asiatischen Laubholzbockkäfers, der auch neu ist hier (inzwischen ganz in der Nähe). Siehe diesen Artikel dazu: "Hunderte Bäume gefällt". Ich habe ja nix gegen die Globalisierung, aber ...
[[ironie]]

Übrigens kann ich die Vermischung des asiatischen mit dem heimischen Marienkäfer bestätigen. Letztens hat mich so ein Tier gezwickt, glaube ich. Jedenfalls geht der Migrant in Weintrauben, bekanntlich.

Hier sehr unangenehm: Wespen. Haben mir in den letzten Jahren praktisch alle Birnen faulig genagt, trotz meiner Wespenfallen (habe wöchentlich mehrere Pfd. dieser Plagegeister der Natur entnommen, jawohl!). Nagen am Stiel, da fault die Birne, plauzt dann runter.

Und ich habe den Verdacht, die Wespen kommen zu mir in den Garten, weil sie bei mir noch was zu fressen finden (Obst). Die fressen nämlich keine Thuja oder Kieswege. Werden aber per Gesetz vermehrt.

Diesjahr sollen die Wespen aber alle ersoffen sein, in ihren Erdlöchern, sagte das Radio. Scheint zu stimmen. Es gibt wirklich nicht viele dieses Jahr.

Aber Erdlöcher? Ich kenne nur Wespennester. Bei mir machten die jedes Jahr etliche dieser Papierbälle. Ich mache die weg. 2016 nicht eines, fällt mir gerade auf.

Zunehmend ist etwa Hälfte meiner Äpfel madig (habe am Spalier ein knappes Dtzd. Bäumchen, z. T. alte Sorten). Nehme allerdings (abgesehen von Kalk u. ä.) kaum Chemie.

Gerade dieses Wochenende mich entschieden: Stuttgarter Zwetschge und "Aprikosenmirabelle" grabe ich wieder aus, nur Maden und Fäulnis. Habe mir drei Jahre den Jammer angesehen, es macht keinen Sinn.

Habe letztes Jahr schon eine als robust hochgelobte Pflaumensorte deswegen gefällt, 2008 gepflanzt.

Ungeziefer seit den Neunzigern extrem zunehmend. Engerlinge, riesige Raupen (bei Interesse Details)...

Unmengen Junikäfer, aber keine Maikäfer.

Glühwürmchen habe ich auch erstmalig in den Neunzigern gesehen, nun nichts Besonderes mehr für mich.

Goldfasan ist auch schon in meinem Garten herumgelaufen. Specht oft da, Kuckuck, Fledermäuse in der Dämmerung massig jeden Abend usw.

Diese Vielfalt kannte ich zu DDR-Zeiten so nicht. Das dürfte klar sein.

Damals, in den Schrebergärten des KVSK, hatte man alles Faule und Schädliche mit Druck des Kollektivs ausgerottet, simpel sofort verbrannt. Heute ist Feuer machen im Garten hier streng verboten. Man muss sich hier bei Bedarf eine Sonder-Abfall-Tüte kaufen und soll mit dem kranken Zweiglein darin zur städtischen Deponie fahren, und das kann weit sein [[wut]]

Das "Ungeziefer" hatte es im Sozialismus schwer, in die Gärten einzuwandern. Es ging ja vor allem um den Ertrag.

Von Zecken ganz zu schweigen (sowas hatten nur Schäferhunde). Nur deswegen, wegen dieser Insekten, mähe ich so oft Gras (Gattin wurde oft schon befallen, Nymphen sind so klein, dass sie nur mit Uhrmacherlupe zu sehen sind!).

Ich hasse rasenmähen ... Aber wie jeder Insektenkundige bestätigen wird: Der Rasenmäher saugt die Insekten ab. Seit Borreliose gilt aber bei mir: Ich oder die! ("Wer wen" - Lenin [[top]] ), jedenfalls in meinem Garten.

Es gibt hier große Gebiete, die "renaturiert" wurden (damals z. B. Russengelände), das heißt in der Praxis: Heute eingezäunte "Ruderalflächen" mit künstlich angelegten Holz-Fäulnishaufen, Schutthaufen (Steinhaufen für Amphibien) usw.

Schüler bauen Insektenhotels, aber von Weißkohl und Sauerkraut-Machen keine Ahnung. Kohl-Anbau geht übrigens auch nicht, da Kohlweißling und auch sonst viele Falter hier. Schöne Schmetterlinge übrigens gibts. Vorige Woche risiges grünes Heupferd wieder, Grillenlärm ...

Porree geht nicht wegen massenhaft weißer Fliege.

Im Gewächshaus habe ich seit Juni Wein-Saison, drei Sorten, aktuell die letzte: "Muskat Bleu". Wein esse ich ungewaschen an Ort und Stelle, ist Massenobst, schaffen wir kaum, haben keine Probleme (hier berichtete Unverträglichkeiten kann ich nicht nachvollziehen). Die zwei Reben draußen sind schon mal krank manchmal, letzte wird im November Saft.

Angeblich madenfreie Himbeeren? Das sind sie nur, wenn sie noch nicht völlig reif sind. Werde ich wohl auch wegmachen, wie die Brombeeren schon vorletztes Jahr - alles madig, widerlich finde ich das.

Tomaten, Paprika usw. im Gewächshaus kerngesund - Draußen Fäule und Ameisen! Tatsache, die killen manchmal meine Tomaten an der Wurzel.

Es gibt hier viele Ameisen, mehrere Sorten! Im Mai stets Blattlausplage deswegen, interessant zu beobachten, aber dennoch sehr schädlich für den Ertrag. Diesjahr wieder Schwärme männlicher Ameisen, beeindruckend.

Fast keine Kulturbienen! Aber Hummeln und Wildbienen genügend, insbes. fürs Obst zur Bestäubung ausreichend, kann die Sorgen wegen fehlender Imker nicht verstehen.

Sehr viele "Ungeziefer"-Quellen in der Nähe. Landschaftsgestaltung verbindet die "Wildnis" mit den Gärten ("Grüne Brücken"). Heutige Gärten sind keine "Nutzgärten" mehr (gibt ja alles beim Lidl <img src=" />) Das macht es den wenigen "Nutzgärtnern" schwer.

Wie ich das meine? Zu DDR-Zeiten ging man gemeinsam gegen Unkraut vor, heute lernen die Kinder in der Schule: Es gibt kein Unkraut.

Noch ein Beispiel: Man sagt, ein Friedhof in der Nähe, und du kannst deinen Birnenplan aufgeben. Der Lebensbaum / Wacholder ist in vielen Gärten, als Hecke, oder mal eben aus dem Baumarkt mitgebracht. Sieht doch schön aus. Er beherbergt aber den Birnengitterrost. Die Sporen fliegen Kilometer weit. Da hülfe nur BASF <img src=" />

In der DDR wurde einfach der Tannenbaum im Garten verboten, Monotonie war angesagt.

Fazit: Ich kann nur eine Zunahme von Vielfalt und Arten entdecken hier, allerdings leider überwiegend "Schädlinge".

Was sind "Schädlinge"? Sind all diese hier angesprochenen Rabenvögel "Schädlinge"? Kommt drauf an. Vom Standpunkt der Singvögel aus gesehen schon.

Viele brüten in meinen Hecken und Weinreben, heute fand ich ein Nest im Holzstapel, leer. Das Nester-Räubern kann ich bestätigen.

Die Krähen hier sind aggressiv, verjagen nicht nur Raubvögel, gehen auch auf Katzen los. Im Winter sind tausende lärmend in der Stadt (Wärme). Elstern bekanntlich überall zu viele heute. Mücken unverändert, aber neuerdings seltsame Winzlinge, die Entzündungen machen, die schwer abheilen, dauernde Hautverfärbung zurücklassend. Gabs früher auch nicht. Nur die Pferdebremse ist verschwunden. Ist das einzige Insekt, was mir einfiele.

Also kein Grund zur Sorge meint

Hannes

PS: Sorge macht mir der Gedanke, wir müssten irgendwann mal hier, von Jetzt auf Gleich, wieder Gemüsebeete anlegen, weil wir dazu gezwungen werden. Dann gälte wieder "Erst kommt das Fressen und dann die Moral" und dann wäre Schluss mit der Öko-Moral, Ertrag wäre wieder alles. Das ginge dann aber nicht von Heute auf Morgen, mal eben so aus Feuchtbiotopen wieder einen Obstgarten zu machen. [[hae]]

--
Eine Hand für den Mann und eine Hand für das Schiff.


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