Brexit mit ein wenig Abstand betrachtet
Der Saker hat m.E. eine der besten Analysen zum Brexit und was daraus wird geschrieben (Link).
Er sieht den Brexit als einen Baueraufstand, auf den die 0,1% der EU- und US-Aristokratie unter moderenen Vorzeichen ebenso reagieren werden, wie der Adel in früheren Jahrhunderten: Sie werden versuchen, den Aufstand niederzuschlagen.
Schauen wir jetzt auf das Verhalten der deutschen Regierung und der EU.
Viele glauben ja, dass die deutsche Regierung, typisch Merkel, keinen Plan hätte und jetzt adhoc aus der Situation heraus handelt.
Das habe ich schon immer und halte ich auch jetzt für völlig unsinnig: Euro-, Migranten- und jetzt die Brexitkrise waren der Art nach absehbar. Und im Ergebnis handelt die Deutsche Regierung absolut konsistent: Es geht immer um die Stärkung der EU, immer um "Globalisierung / Internationalisierung" und man ist bereit, das Wohlergehen der deutschen Bevölkerung dafür zu opfern. Die Grenze dieser "Opferbereitschaft" ist lediglich die Drohung einer offenen Revolte / des Machtverluststs an nicht kontrollierbare Kräfte.
Die Vorstellung, Merkel, Regierung und EU würden pragmatisch oder planlos handeln, sollte man ein für alle Mal vergessen.
Wenn man das verstanden hat, dann wird das Vorgehen Merkels / der deutschen Regierung in der Brexit-Sache logisch und verständlich;
1. Der Brexit war ein Unfall - unerwartet, aber nicht unvorbereitet.
2. Es greift jetzt der Contingency-Plan.
3. Am Ziel dieses Plan besteht keinerlei Zweifel: Bremain zu realisieren / Brexit zu neutralisieren.
4. Der Weg, wie dieses Ziel verfolgt wird, wird langsam deutlich:
4.1. Cameron bricht sein Versprechen und hat die Beantragung des Brexits verschoben, um Zeit zu gewinnen.
4.2. Es werden alle Mittel eingesetzt, um das UK intern zu destabilisieren. Hierzu gehört:
4.2.1 Die versuchte Spaltung der Labor-Partei / Putsch gegen den persönlich offenbar relativ integren Corbyn durch die Tony Blair-Fraktion in der Partei.
4.2.2 Aggressives, persönliches Schlechtmachen Boris Johnsons und Nigel Farages, den eigentlichen Gewinnern des Referendums.
4.2.3 Zentral: Verhindern, dass Boris Johnson Prime Minister wird. Aufbau der EU-Befürworterin Theresa May als neue Prime Ministerin.
4.2.4 God cop / bad cop Spiel der EU: Zeitgleiche Drohung massiver Vergeltung (EU-Parl. Präsident Schulz) und von Verständnis / "Respekt" für die Entscheidung GBs (Merkel).
4.2.5 Die rechtlich übrigens nicht belastbare Drohung mit einem Austritts Schottlands / N.Irelands aus dem UK (es ist wohl rechtlich eindeutig, dass London ein etwaige Veto des schottischen Parlaments übergehen kann).
4.2.6 Flankierung aller Maßnahmen durch "spontane" Proteste, mediale Inszenierungen und Medienbombardement mit passenden Meldungen.
Ziel aller dieser Maßnahmen ist, UK ins Chaos zu stürzen: Politisch, wirtschaftlich, sozial. Und dadurch eine Realisierung des Brexit undurchsetzbar zu machen, das Momentum für den Brexit zu brechen.
Hat man das verstanden, dann ist erschreckend, wie effektiv diese Maßnahmen schon nach weniger als einer Woche sind - und läst für die nächsten Wochen und Monate Übles erahnen.
Damit das funktioniert, ist es übrigens essenziell, dass die Probleme öffentlich NICHT von der EU / D verursacht werden - daher jetzt das Verständnis Merkels für die Briten und der freundliche Umgang mit Cameron - denn sonst würden sich die Briten in Abwehr der äußeren Feinde im Inneren zusammenschließen.
Wenn nötig, und entgegen den Verlautbarungen aus der EZB usw., wird man m.E. UK in den nächsten Monaten auch wirschaftlich abstürzen lassen. So wie sich die Dinge anlassen, wird das vielleicht gar nicht nötig werden, aber es besteht für mich kein Zweifel, dass die Strippenzieher auch diese Maßnahme „im Portfolio“ haben (und vielleicht noch viel Schlimmere / Dreckigere).
Merkel und die anderen deutschen Politschauspieler von Schulz, Steinmeier und Schäuble & Co. spielen in diesem Gesamtansatz genau die ihr zugedachten Rollen.
Es wird verdammt hart für Farage und Johnson, ihren taktischen Sieg in einen strategischen Sieg umzuwandeln.
Revo.