Der Bruch aufs Rechtssystem schafft ökonomische Klarheiten, macht aber die Untersuchung der Macht nicht überflüssig

tar ⌂, Gehinnom, Samstag, 07.05.2016, 19:09 (vor 3567 Tagen) @ Silke1723 Views

Hi,

Aber
so
einfach geht es nun auch wieder nicht.

Was meinst du mit "einfach"?

ich halte dieses Projekt ohne Untertreibung für das Wichtigste der
letzten 4 Jahrzehnte, auch wenn bisher für uns Debitisten mehr oder
weniger Lapalien abgehandelt worden sind, die aber trotz ihrer

Banalität

von den gängigen ortho- und heterodoxen Wirtschaftswissenschaften
übersehen werden.


Wirklich?
Mario, deine

Bachelorthesis
ist sehr gelungen, besonders ab 5.4

Vielen Dank!

Aber bist du dir sicher, dass du die aktuellen und revolutionären
Gedanken von @Kurt, @Ashitaka, @Zara u.a. in deinem Wissensschatz mit
verbaut hast, oder doch eher mit deinem hervorragenden Wissen mit einem
Bein im Elfenbeinturm stehst?

Wenn ich diese revolutionären Gedanken zusammenfassen darf:

Zara, der mit Rückgriff auf Schopenhauer, Bott, Sofsky's Traktat über die Gewalt und anderen unser Dasein grundsätzlich wie folgt zusammenfaltet, dass wir Menschen seit Anbruch der Kultur (also seit Viehzucht und Ackerbau) keine Menschen mehr seien, kann das menschliche Dilemma des eigenen Untergangs aufgrund der von ihm selbst immer wieder ins Licht geführten Empirie nicht auflösen. Denn genau so "wie der Zins empirisch fehlt", mangelt es dem innerhalb des Großkollektivs erzogenen Menschen empirisch an der Möglichkeit (oder bei anderem Verständnis: am Willen), Herrschaft, Zucht und (Unter)Ordnung abzulegen.

Von Kurt ist mir nichts revolutionäres bekannt. Link?

Bei Ashitika habe ich innerhalb seiner mir doch eher von einem ungeordneten definitorischen Wirrwarr geprägten Ansichten einige Aha-Erlebnisse mitnehmen können, die mir aber unzureichend erläutern, inwiefern sich Geld als sogenannte "Eigenschaft" - als Zedierung der Macht - nun von einem rechtsbezogenen Verhältnis unterscheidet - eben weil ja gesetztes Recht auch nur ein Kind der Macht sein kann.

Mir scheint dies letztlich nur ein Tanz um des Kaisers Bart, weswegen ich ja eben den Rückgriff und Fokus auf das Recht so außerordentlich gelungen finde. Genau da unterscheiden sich auch alle Ansichten nicht. Die Differenzen beginnen viel mehr beim historischen (und ggf. psychologischen) Ablauf, also wieso auch immer dieses Recht gesetzt wurde - das ist dabei eben sekundär und meines Erachtens auch nicht Untersuchungsgegenstand von Ökonomen, die meiner Auffassung nach vielmehr die Wirkung unterschiedlich gesetzten Rechtes auf wirtschaftliche Verhältnisse untersuchen und erkennen sollten.

Ich meine unter Einbeziehung der Rechtsverhältnisse
sogar, die von mir herbeigesehnte Symbiose von Eigentumsökonomik

(Recht

und Zeitverlauf: Eigentumsbelastung/-verpfändung im Kreditkontrakt)

und

Debitismus (Macht und Zeitpunkt: Sanktionsdurchsetzung zum Termin) zu
erkennen, wobei die Ursprünge der Macht- und Rechtsetzung bei eurer
Veranschaulichung der ökonomischen Zusammenhänge (zumindest bis auf
weiteres) sekundärer Natur bleiben können.


Sekundärer Natur? Geht's noch?

Ja, noch geht's. Danke der Nachfrage. [[freude]]

Lass uns noch einmal zurück auf "Los" gehen.
Da finden wir dann solche Megalithe wie:
"Wir alle haben uns geirrt.
Die Realität ist nicht Wirtschaften -- Geld, Preis und Zins -- Macht --

Abgaben -- weiter Wirtschaften.

Sondern: Macht -- Abgaben -- Geld -- Wirtschaften mit Geld und Preis
und Zins
.
(Zitat: Debitismus Seite 30)
http://www.dasgelbeforum.de.org/sammlung/Debitismus-PCM.pdf
und:
"Macht, Staat, Zwang und Abgabe und deren Finanzierung muss den property
rights und ihren wirtschaftlichen Ergebnissen sowohl historisch als auch
theoretisch voraus gehen. Oder schlicht: Macht vor Steuern, Steuern vor
Einkommen."
@dottore

Auf diesen Grundmauern ist die ganze Eigentumsökonomik draufgesattelt, in
deren Details man sich unendlich verstricken kann, wenn man möchte.
Machttheorie steht vor Eigentumsökonomik.

Ja, natürlich. Macht vor Rechtssystem. Macht konstituiert Recht. Macht kann nun unterschiedlichst ausgestaltet sein und Recht sowieso. Das zu erkennen, um die innerhalb eines Macht- und damit Rechtssystems unterschiedliche Wirkungen unterschiedlicher Rechtsgestaltungen zu erkennen, halte ich für sehr sinnvoll. Wo ist dein fucking Problem?

Jedenfalls Gratulation, dass
ihr Heinsohn in seinem Alter noch zur Mitarbeit motivieren konntet -
vielleicht könnt ihr noch Stadermann und Schulmeister akquirieren.
Spitzenarbeit jedenfalls, weiter so!


Ja, unbedingt.
Aber Machttheoretiker wie PCM sollten auch einbezogen werden.

Wozu genau?

Erwähnte Römer, Griechen und jede andere Hochkultur davor und danach
sind nicht durch Tausch, Handel, Kreditieren, Eigentumsverpfändung und
Kooperation groß geworden sondern durch rauben, plündern, Tributfordern
und Machtzession = Eigentumsschaffung auf Kosten Dritter.
Das machen wir heute noch.
Jeder Vertrag, den wir schließen geht zu Lasten Dritter.

Bitte wo im Universum gibt es überhaupt "Überleben, das nicht auf Kosten Dritter geht"? Es ist doch genau umgekehrt, das uns von irgendwelchen realitätsfernen Tauschliebhabern im Elfenbeinturm dieses wir-haben-uns-alle-lieb-und-starten-die-Bedürfnisbefriedigung-mit-unserer-Schatzkiste-zum-gegenseitigen-Wohlfahrtsgewinn eingebläut wurde/wird. Das ist doch Schwachsinn hoch drei und ich erkenne nirgends auch nur den Hauch eines Grundes, bei der wirtschaftlichen Untersuchung von Rechtssystemen ebenfalls von so einem Humbug auszugehen.

Einer der nächsten Schritte wäre es meiner Ansicht nach nämlich, die
wechselseitige Relation von Eigentum(srechten) zum Geld darzustellen -

und

damit ziele ich auch auf dessen Bewertung ab: Eigentumsrechte in

Geldwerten

(ist ja noch einfach nachvollziehbar) und eben Geld in

Eigentumsrelationen

(schon komplexer, aber hftl. verständlich durch unterschiedliche
Besicherung und in diesem Zusammenhang auch unterschiedliches

rechtliches

Durchsetzungsvermögen = Rechtssicherheit).


Hier
geht's lang.
Geld = Macht(teilhabe). Machtteilhabe = Existenz. Machtausschluss
=Autarkie in eigenem konkurrenzfähigem Machtsystem oder Untergang.
Die Macht erzwingt den Rahmen, in dem sich die Akteure bewegen können und
ist zugleich von den Akteuren so sehr abhängig, dass sie ständig in
Gefahr ist, unterzugehen, um einer konkurrierenden, stärker werdenden
Macht Platz machen zu müssen in unserem zentralmachtgetriebenen
Pyramidenspiel.

Bitte wo findet sich da nun die essentiellen Unterschiede eines feudalgetriebenen Systems und eines, das bürgerliche Freiheiten kennt? Wo liegt die Erkenntnis? Wo der Nutzen? Sollen wir uns alle zurücklehnen und die Dinge geschehen lassen? Braucht es den Widerstreit zwischen Arbeitnehmer, Bürger, Politiker und Unternehmen nicht mehr?! Ahoi apokalypse, here i come? WTF!?

Eigentum wird ausschließlich durch eine Macht definiert und entsteht
oder erhält sich nie im Konsens sondern nur im Streit der
einflussnehmenden Mächte.

Wer bestreitet dies?

Da kann ich verpfänden, vertragen und verpflichten, so viel ich will.
Rückt morgen eine stärkere Macht ein, sind alle Verträge hinfällig.
Das werden wir schön beobachten können, wenn unsere Demokratie in ihre
natürliche und ungeschminkte Form zurückfällt – die Diktatur.

Nochmal: Wer bestreitet dies? Das sind politische, historische und meinetwegen noch (massen)psychologische Zusammenhänge - die wirtschaftlichen und damit die innerhalb eines freilich durch eine Macht gesetzten Rechtssystem geltenden Verhältnisse (ggf. Vertragsfreiheit, Eigentum, etc.) hängen natürlich von diesen ab, sind aber ein eigenständiger Untersuchungsgegenstand. Man hat ja auch nicht aufgehört, am Laser zu arbeiten, nur weil es noch keine einheitliche Feldtheorie gibt.

Gruß!â„¢

--
Gruß!™

Time is the school in which we learn,
Time is the fire in which we burn.


BTC: 12aiXGLhHJVETnmGTLbKtAzJNwqh6h6HN4


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