New European Political economics

BillHicks ⌂, Wien, Donnerstag, 05.05.2016, 14:50 (vor 3569 Tagen) @ tar1768 Views

Hi Bill/Nicolas,

Grüß Dich tar/Mario, :) :)

nur recht kurz aus Zeitmangel:

ich halte dieses Projekt ohne Untertreibung für das Wichtigste der
letzten 4 Jahrzehnte,

Herzlichen Dank für die Blumen![[top]]
Bei Deiner überschwänglichen Einschätzung verwundert mich die sonst allgemeine Stille um so mehr.[[hae]]
Vielleicht liegt es am Englisch?

auch wenn bisher für uns Debitisten mehr oder
weniger Lapalien abgehandelt worden sind,

Das stimmt. Wenig Neues.
Gleichwohl ist es gleichzeitig eine Fundamentalkritik am sog. "Debitismus", weil wir Aspekte beleuchten, die für "gute" Debitisten bislang unsichtbar bleiben mussten und deshalb von "guten" Debitisten in der Vergangenheit auch radikale Fehleinschätzungen - wie etwa September 2008 bis zum März 2009 - getroffen wurden.
Gleichsam ist es eine Fundamentalkritik an der "reinen" Eigentumsökonomik.

die aber trotz ihrer Banalität
von den gängigen ortho- und heterodoxen Wirtschaftswissenschaften
übersehen werden.

Ja.

Ich meine unter Einbeziehung der Rechtsverhältnisse
sogar, die von mir herbeigesehnte Symbiose von Eigentumsökonomik (Recht
und Zeitverlauf: Eigentumsbelastung/-verpfändung im Kreditkontrakt) und
Debitismus (Macht und Zeitpunkt: Sanktionsdurchsetzung zum Termin) zu
erkennen,

Ja, beides lässt sich über die systematische Rechtsfundierung integrieren. Dabei ist jede einzelne Unterscheidung (etwa: Eigentum vs. Besitz, Eigentumsrechte vs. Forderungen, Privatrecht vs. Öffentliches Recht, ...), die wir treffen lächerlich simpel. Das Bild insgesamt kann aber aber nicht gesehen werden, wenn auch nur eine dieser Unterscheidungen nicht sicher gemacht werden kann. Das scheint es als dann zumindest als didaktischen Prozess wiederum recht komplex zu machen.

wobei die Ursprünge der Macht- und Rechtsetzung bei eurer
Veranschaulichung der ökonomischen Zusammenhänge (zumindest bis auf
weiteres) sekundärer Natur bleiben können.

Sehe ich auch so.
Gleichsam habe ich bzgl. der Ursprünge weiterhin viele Fragen, weit mehr als ich glaube Antworten zu kennen. Ein extrem spannendes Feld aus meiner Sicht. Ich vermute das gerade auch für uns Männer und unser Selbstverständnis. Kann das aber noch nicht ausführen.

Jedenfalls Gratulation, dass
ihr Heinsohn in seinem Alter noch zur Mitarbeit motivieren konntet -
vielleicht könnt ihr noch Stadermann und Schulmeister akquirieren.
Spitzenarbeit jedenfalls, weiter so!

Dankeschön.
Stephan Schulmeister steht schon auf dem Programm. Sein New Deal für Europa sowieso (der MIT Rechtsfundierung freilich erst ernsthaft funktionieren kann...).

Was ich nicht ganz verstanden habe, war eure Zwischendiskussion zum
Unterschied politischer Ökonomie und Ökonomik bzw. Political Economic and
Economics, wobei ihr ja doch die politisch-rechtliche Seite herausstellen
wollt, aber das Ganze als "... Economics" bezeichnet. Vielleicht kannst du
dazu noch ein, zwei Sätze ausführen?

Im Prinzip läuft da die Debatte noch...
Die Idee ist die: die "Königin" der Sozialwissenschaften - Wirtschaftswissenschaft ("economics") - konnte Königin nur dadurch werden, dass sie sich - Ende des 19 Jhd. - von der Politischen Ökonomie (political economy) zur Ökonomik (economics) gewandelt hat. Gleichwohl ist diese "Ökonomik" (economics) dann gar keine Sozialwissenschaft mehr, sondern mittelschwere Mathematik gemischt mit ein bißchen schlechter Statistik, welche sämtlich mit der (gesellschaftlichen!) Wirtschaftswirklichkeit absolut gar nichts zu tun hat.
Blöd war halt, dass die besten "Ökonomen" zu den besten "Ökonomen" dadurch wurden, dass sie mit diesen ästhetisch ansprechenden mathematischen Modellen, die gleichzeitig überhaupt keinen praktischen Nutzen hatten, am besten umgehen konnten. Je besser ein Ökonom mit mathematischen Modellen umgehen konnte, desto erfolgreicher war er als Ökonom und umso nutzloser waren die Modelle. Ein umgekehrtes Ausleseverfahren.
Warum waren die Modelle allesamt nutzlos? Weil die "Mikrofundierung" der Modelle der (angeblich immer schon existente und überall anzutreffende vorteilssuchende) Tausch ist (kommt uns hier sehr bekannt vor).
Die Frage ist was ist eine alternative Mikrofundierung? Um die geht es uns.

Wir wollen also nicht "zurück" in die politische Ökonomie (political economy), die - Heinsohn weist zurecht darauf im Gespräch hin - auch und gerade eine demographische, bevölkerungspolitische Dimension hat, sondern wir wollen schlicht eine Mikrofundierung hinbekommen, die ihre Wurzeln in der juristischen und buchhalterischen Wirklichkeit hat. Mit dieser könnte dann durchaus wieder "economics" betrieben werden, nur durch diese Mikrofundierung (historisch- u. kulturvergleichendes Recht, Buchhaltung) kann sie nicht mehr ahistorisch und universalistisch sein. Die (potenziell zu schaffenden) mathematischen Modelle kann man mit dieser Mikrofundierung prinzipiell nicht mehr "schließen" und dann vermeintlich "richtige" Aussagen treffen.

Die historischvergleichende und kulturvergleichende Perspektive ist es auch, die "political economics" zu einer dezidiert "europäischen" macht: european political economics. Eine fundamentale Basis unserer heutigen Gesellschaft ist nämlich eine griechisch-römische, d.h. ur-europäische Idee: Eigentum (nicht bloßer Besitz von Sachen, den es immer und überall geben kann).

Und warum läuft die Debatte noch? Nun, ... es geht um "economics" als extrem vorbelasteter (mindestens: beladender) Begriff per se und "political economics" im Speziellen, weil ein marxistisches (kleines) Journal (als Kritik am größeren Journal of Political Economy) sich Review of Radical Political Economics nennt.

U.a. deshalb schlägt Geoffrey Hodgson auch "Legal Institutionalism" vor und der Begriff hat sicher etwas für sich.

Es ist ein work in progress und das "new" erlaubt uns aus meiner Sicht den nötigen Spielraum: new european political economics.

Auf die weiteren Themen, die Du ansprichst, in der ihnen gebührenden Weise einzugehen fehlt mir jetzt die Zeit. Ich komme darauf zurück. Die Arbeit geht weiter.

Gruß!â„¢

Schöne Grüße!

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.


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