Nicht alles von Prof. Sinn ergibt Sinn
Der nun in aktiver Rente befindliche Hans-Werner mit viel Sinn schreibt
wieder anschaulich, dass man den gesunden Menschenverstand nur kurzfristig
austricksen kann:
Debitismus in Japan -
Reinkultur der wirkungslosen AltideenAufhänger ist die Japan-Situation und deren Geschichte von
Verschlimmbesserungen mit Altideen, die nicht funktionieren.Zitate:
A) Das grundsätzliche Problem der makroökonomischen Politik: ... Stets
greifen die Maßnahmen nur kurzfristig. ... Jede Schuld muss ja bedient
oder getilgt werden, was der Wirtschaft künftig so viel Stimulierung
entzieht, wie sie heute hinzubekommt.["oder getilgt" das ist abgeschrieben, ausgenullt gegen Gläubiger, nicht
überlesen!]B) Zum anderen wirkt auch die Geldpolitik nur kurzfristig, weil ihre
Erfolge großenteils über eine Währungsabwertung zustande kommen.[die Erläuterungen sind leicht zu überlesen, weil sie einfach
geschrieben sind, ich lese es so: die Interdependenzen mit den
ausländischen Akteuren werden einfach zu wenig beachtet.]Dann kommt das Thema mit dem Ankurbeln, das nicht klappt wegen den Pferden
und der Tränke. Dann kommt es zu den Gründen der Politik, diese falschen
Methoden dennoch weiter anzuwenden. (Auch ZB gehören für mich zur
politischen Sphäre.)
Das Ankurbeln funktioniert nicht, weil die Politik mit einer Überregulierung die Kreditvergabe an Unternehmen verhindert. Großzügige Kreditvergabe war bisher nur im Immobilienbereich möglich, aber auch das wird sich mit den "Wohnimmobilienkreditrichtlinien" demnächst ändern. Danach wird sich die Blasenbildung ausschließlich auf Aktien und Staatsanleihen konzentrieren, wo es noch keine Einschränkungen gibt.
C) Es gilt, die nächste Wahl zu gewinnen, und dafür sind die
keynesianischen und monetaristischen Aufputschmittel nützlich.D) Ein wesentlicher Grund für die lockere Geldpolitik liegt im Übrigen
nicht im Versuch, die Wirtschaft zu beleben, sondern darin, den Verfall der
Immobilienpreise und der Preise anderer Vermögensobjekte wie langfristiger
Staatspapiere oder Aktien zu stoppen. Es geht darum, die Entwertung des
Kapitals der Vermögensbesitzer und den Zusammenbruch von Banken und
Unternehmen zu verhindern. Etwas sarkastischer kann man auch sagen, dass
Niedrigzinspolitik immer auch Konkurse verschleppen soll, um den politisch
einflussreichen Besitzern von Aktien, Immobilien und langfristigen
festverzinslichen Wertpapieren dabei zu helfen, den Folgen ihrer
Fehlinvestitionen zu entgehen.
Nicht ganz richtig: selbstverständlich zielt die aktuelle Politik auf die Entwertung des Kapitals zugunsten der Schuldner. Sonst würden ja nicht alle schreien, dass Spareinlagen, Lebensversicherungsverträge, etc. entwertet würden. Wenn es tatsächlich so ist, dass der Besitz von Aktien durch die Politik begünstigt wird, und es jeder weiß (wie auch Sinn), dann kann doch jeder davon profitieren, indem er seine Spareinlagen in Aktien wandelt. Aber so einfach scheint es wohl nicht zu sein, denn sonst würde Sinn diese konsequente Empfehlung aussprechen.
Aber dieses Bestreben führt nicht nur dazu, dass Risiken von den Anlegern
auf die Steuerzahler übertragen werden, die auf dem Wege über die
Zentralbank in immer größerem Umfang zu Eigentümern der Wertpapiere
werden.
Am Ende trägt der "Steuerzahler", Bürger, Arbeitnehmer, Sparer oder wie man ihn auch immer bezeichnen mag, immer das Risiko. Hier handelt es sich also um eine Binsenweisheit.
Sie sind auch insofern schädlich für die Wirtschaft, als die kreative
Zerstörung überkommener Unternehmensstrukturen, deren segensreiche
Wirkungen schon Joseph Schumpeter und Karl Marx beschrieben hatten,
verzögert wird.[dieses lange Zitat finde ich ein Beispiel für klare Sprache in
respektvoller Form und im Grunde eine elegante Form vom Ohrfeigenverteilen.
Dabei wird auch differenziert und Marx nicht "den Linken" überlassen,
sondern geguckt, wo der nützliche Analysen gemacht hat. Nützlich, weil
modellhaft passend.]Die weitere Argumentation führt von Euro zu Überschuldung, dem Knick
nach 2008, weil die neuen US-Verschuldungen nicht mehr möglich waren und
den Immobilien-Blasen, die sich überall aufbauen, wo man "die Wirtschaft
ankurbeln" will.Der Appell richtet sich an die Politik, keine japanischen Verhältnisse
entstehen zu lassen und Wettbewerbsfähigkeit zu fordern. Realistisch
scheint dem Prof. Sinn das aber nicht zu sein, solange der Euro
göttergleich mit Europa gesetzt wird.
Und spätestens hier werden die Grenzen des Sinnschen Denksystems offenbart. Wer bitte wird Japan als Beispiel für geringe Wettbewerbsfähigkeit ernsthaft hernehmen wollen? Im Gegenteil. Japan konnte die Verschuldungsspirale trotz vergleichsweise guter Wettbewerbsfähigkeit nicht verhindern! Wie also soll das Europa gelingen? Indem wir bei den Löhnen versuchen China und Indien zu unterbieten? Und davon hätte der Steuerzahler mehr, als von der aktuellen EZB-Politik? Womöglich weil er dann seine Steuerlast auf 0 senken könnte, weil alle Löhne in Europa unter das Existenzminimum rutschen würden??
Mein Fazit: die ganze Welt belügt sich selbst und kann so ihren Schutt
nicht loswerden und erst Recht nicht neue Ideen innovieren, also marktreif
machen. Das Puder der Maske verdeckt die Wirklichkeit und die Kurzatmigen
schreien nach mehr Puder und merken nicht, wie sie stinken und krank sind
darunter.
Ja, hier stimme ich Dir zu. Die ganze Welt belügt sich. Aber das trifft leider auch auf den Professor in Ruhestand zu.