Debitistischer Zirkel - Japan Reloaded - HWS schreibt als heimlicher Debitist

Blum, D, Freitag, 15.04.2016, 14:35 (vor 3590 Tagen)4218 Views

Der nun in aktiver Rente befindliche Hans-Werner mit viel Sinn schreibt wieder anschaulich, dass man den gesunden Menschenverstand nur kurzfristig austricksen kann:

Debitismus in Japan - Reinkultur der wirkungslosen Altideen

Aufhänger ist die Japan-Situation und deren Geschichte von Verschlimmbesserungen mit Altideen, die nicht funktionieren.

Zitate:

A) Das grundsätzliche Problem der makroökonomischen Politik: ... Stets greifen die Maßnahmen nur kurzfristig. ... Jede Schuld muss ja bedient oder getilgt werden, was der Wirtschaft künftig so viel Stimulierung entzieht, wie sie heute hinzubekommt.

["oder getilgt" das ist abgeschrieben, ausgenullt gegen Gläubiger, nicht überlesen!]

B) Zum anderen wirkt auch die Geldpolitik nur kurzfristig, weil ihre Erfolge großenteils über eine Währungsabwertung zustande kommen.

[die Erläuterungen sind leicht zu überlesen, weil sie einfach geschrieben sind, ich lese es so: die Interdependenzen mit den ausländischen Akteuren werden einfach zu wenig beachtet.]

Dann kommt das Thema mit dem Ankurbeln, das nicht klappt wegen den Pferden und der Tränke. Dann kommt es zu den Gründen der Politik, diese falschen Methoden dennoch weiter anzuwenden. (Auch ZB gehören für mich zur politischen Sphäre.)

C) Es gilt, die nächste Wahl zu gewinnen, und dafür sind die keynesianischen und monetaristischen Aufputschmittel nützlich.

D) Ein wesentlicher Grund für die lockere Geldpolitik liegt im Übrigen nicht im Versuch, die Wirtschaft zu beleben, sondern darin, den Verfall der Immobilienpreise und der Preise anderer Vermögensobjekte wie langfristiger Staatspapiere oder Aktien zu stoppen. Es geht darum, die Entwertung des Kapitals der Vermögensbesitzer und den Zusammenbruch von Banken und Unternehmen zu verhindern. Etwas sarkastischer kann man auch sagen, dass Niedrigzinspolitik immer auch Konkurse verschleppen soll, um den politisch einflussreichen Besitzern von Aktien, Immobilien und langfristigen festverzinslichen Wertpapieren dabei zu helfen, den Folgen ihrer Fehlinvestitionen zu entgehen.

Aber dieses Bestreben führt nicht nur dazu, dass Risiken von den Anlegern auf die Steuerzahler übertragen werden, die auf dem Wege über die Zentralbank in immer größerem Umfang zu Eigentümern der Wertpapiere werden.

Sie sind auch insofern schädlich für die Wirtschaft, als die kreative Zerstörung überkommener Unternehmensstrukturen, deren segensreiche Wirkungen schon Joseph Schumpeter und Karl Marx beschrieben hatten, verzögert wird.

[dieses lange Zitat finde ich ein Beispiel für klare Sprache in respektvoller Form und im Grunde eine elegante Form vom Ohrfeigenverteilen. Dabei wird auch differenziert und Marx nicht "den Linken" überlassen, sondern geguckt, wo der nützliche Analysen gemacht hat. Nützlich, weil modellhaft passend.]

Die weitere Argumentation führt von Euro zu Überschuldung, dem Knick nach 2008, weil die neuen US-Verschuldungen nicht mehr möglich waren und den Immobilien-Blasen, die sich überall aufbauen, wo man "die Wirtschaft ankurbeln" will.

Der Appell richtet sich an die Politik, keine japanischen Verhältnisse entstehen zu lassen und Wettbewerbsfähigkeit zu fordern. Realistisch scheint dem Prof. Sinn das aber nicht zu sein, solange der Euro göttergleich mit Europa gesetzt wird.

Mein Fazit: die ganze Welt belügt sich selbst und kann so ihren Schutt nicht loswerden und erst Recht nicht neue Ideen innovieren, also marktreif machen. Das Puder der Maske verdeckt die Wirklichkeit und die Kurzatmigen schreien nach mehr Puder und merken nicht, wie sie stinken und krank sind darunter.

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It's not what you don't know that gets you into trouble, it's what you know that just ain't so that gets you into trouble. (Satchel Paige)


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