nicht CM, dennoch ein Erklärungsversuch

ohne eisen, Mittwoch, 24.02.2016, 01:28 (vor 3640 Tagen) @ XERXES7662 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 24.02.2016, 01:34

Ich bin zwar nicht CM, bin jedoch Chemiker und Mathematiker, und CM hat mir bezügl. Fukushima in meinen damaligen Beiträgen weitgehend zugestimmt. Ich will und kann mich keineswegs mit ihm vergleichen, dennoch möchte ich eine Einschätzung abgeben:

Vergesst alles, was mit hohen Temperaturen in brennenden Gebäuden zu tun hat, die gibt es nicht, wobei mit hohen Temperaturen mehr als 250-350°C gemeint ist. Die gibt es in brennenden Gebäuden nicht, bzw. nur sehr lokal begrenzt. Fragt mal Feuerwehr, Brandsachverständige, oder begebt euch in Brandruinen und schaut euch dort um. Klar, die brennenden Materialien sind heißer, gut belüftetes brennendes Holz etwa 600°C, aber die Lufttemperatur übersteigt 300°C nur selten.

Ich will an die eigene Erfahrung appellieren, bzw. an Plausibilitätserklärungen oder auch gedankliche oder selbst nach zu vollziehende Experimente.

1. In der Sauna kann der Mensch 100°C eine gewisse Zeit überleben, keine Frage. Im brennenden Gebäude ist er durch Schutzkleidung geschützt, aber bis zu welcher Temperatur? Nun, die meisten Materialien geben bei 200°C auf, die so beliebte PTFE-Beschichtung der Teflonpfanne gibt bei 260°C auf. Deshalb ist ja auch der Back-Flash bei den Feuerwehrleuten so gefürchtet und wird, wo immer es geht vermieden. Heiße Gase, die unter Luftmangel eingeschlossen sind, können, wenn Luft hinzu kommt, nämlich sehr heiß werden, da sind 600°C kurzzeitig (wenige Minuten) möglich, deshalb werden brennende Gebäude meist durch Einschlagen von Dächern, Türen und Fenstern belüftet, bevor Feuerwehrleute das Gebäude betreten. Das Belüften befördert den Brand, senkt aber die Raumtemperatur.
2. Vergesst das Kerosin aus den Flugzeugtanks. Das kühlt den Brand, solange es da ist. Wie ein Tropfen Wasser auf der heißen Herdplatte verdampft es, es verdrängt die Luft, die für eine vollständige Verbrennung nötig ist. Wenn es verdampft und verbrannt ist, ist es weg und kann den Brand nicht weiter anheizen. Der Treibstoff ist in den ersten Sekunden verdampft und in einem Feuerball verbrannt, hat den Brand zwar verbreitet und beschleunigt, kann ihn aber nicht mehr aufheizen. Bei mehr als 180°C ist es weg. Solange es da ist, kühlt es den Brand.
3. Schaut euch wirklich mal Brandruinen oder wenigstens Bilder davon an, was nach einem Gebäudebrand noch übrig ist. Klar ist, alle organischen Materialien sind weg, bzw. verbrannt, Holz, Leder, Textilien, Kunststoffe, nichts ist mehr davon übrig. Aber schaut euch auch die Metalle an. Ihr werdet sehen, dass die alle samt zwar stark verrußt und verschmutzt sind, aber weitgehend unbeschädigt. OK, der Zinnsoldat (Schmelzpunkt etwa 300°C) hat seine Form verloren, aber der Emaille-Topf ist schmutzig aber unversehrt. Selbst die Verzinnung auf den Konservendosen ist noch intakt, sofern sie nicht unmittelbar über längere Zeit den Flammen des Brandherdes ausgesetzt waren.
4. Nun zum Aluminium: Es schmilzt bei etwa 600°C, das ist richtig. Eine Kerze brennt mit vergleichbarer Temperatur. Versucht mal ein Töpfchen eines Teelichtes oder eine Koladose (beides technisches Aluminium) zu schmelzen. Mit der Kerze wird das nicht gelingen. OK, nächst höhere kontrollierbare Temperatur, die man als Normalverbraucher zur Verfügung hat, der Holzkohlegrill. Holzkohle, gut belüftet (ohne Gebläse) kann gut auf 800°C kommen, legt mal eine Aludose in den Grill. Sollte sie sich verformen, ist der Grill sehr gut, aber mit einem etwas massiveren Alublock, etwa einer alten Gabel gelingt das nicht mehr, maximal wird sich die Oberfläche verändern, es bricht vielleicht eine Zinke ab, aber sie wird sich nicht verflüssigen. Nächste Steigerung: Kauft eine Gaslötlampe im Baumarkt, diese handlichen mit den blauen Kartuschen, die damit beworben werden dass die 1000°C heiß werden. Und dann richtet die Flamme auf eine alte Aluminiumgabel, einen alten Fenstergriff, oder irgend einen anderen Aluminiumgegenstand, und versucht diesen zu schmelzen, es geht, aber es ist mühsam und dauert sehr lange. Und dann versucht, das flüssige Metall in Wasser hinein tropfen zu lassen um eine Wasserstoffexplosion zu erzeugen, diesen Hinweis darf ich geben, denn das funktioniert nicht, es ist unmöglich. Denn das Aluminium, auch das flüssige, überzieht sich sofort mit einer AL2O3-Schicht, die das darunter liegende Metall vor einer weiteren Oxidation schützt, und das geschmolzene Aluminium erstarrt im Wasser sofort wieder zu festem Metall. Was die Reaktion von flüssigem Alu mit Wasser angeht, die funktioniert im Labor mit geschmolzenem Aluminium in ebenso heißem Wasserdampf, aber nicht in einem Gebäudebrand. OK, vielleicht partiell, wenn ich eine Flammenquelle finde, die lange auf ein Aluminiumteil einwirkt, was erweicht, und dann mit Löschwasser in Berührung kommt, kann es eine kleine Verpuffung von Wasserstoff geben, dennoch möchte ich zum Versuch raten, Aluminium zu schmelzen. Natürlich in eigener Verantwortung, mit allen möglichen Gefahren. Ihr werdet euch möglicherweise die Finger verbrennen, die Terassenmöbel in Brand stecken, oder andere Unfälle erleiden, nur eines kann ich euch versprechen, ihr werdet nicht durch eine Wasserstoffexplosion verletzt werden. Von folgendem gefährlichen Experiment in einem geschlossenem Gefäß rate ich ausdrücklich ab: https://www.youtube.com/watch?v=BzVasHEUtOE aber das funktioniert nur wegen der großen Oberfläche der Folie.

Nein, als Hobbyschmied, der mit Steinkohlefeuer bis zu 1500°C umgeht, als Chemiker und freiwilliger Feuerwehrmann kann ich versichern, ein Gebäudebrand kann Metalle nicht schmelzen oder im großen Maßstab erweichen.


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