Muss da jetzt was klarstellen
Prinzipiell freut es mich, wenn ich andere Meinungen oder auch Antworten auf meine Gedankengänge bekomme. Interessant ist, zu beobachten, dass, wenn es um das Thema "Juden" geht, ich mehr Antworten direkt auf mein Mail bekomme als hier im Forum zu lesen sind.
Natürlich schätze ich auch diese Antworten, und ich denke darüber nach. Aber ich denke auch über den Umstand nach, warum es bei diesem Thema immer noch Ängste gibt. Ängste hinsichtlich der Äußerungen oder sonst was. Es geht dabei nicht nur ums Gelbe, das ist in vielen anderen Foren der Fall.
Ich möchte mal eines klarstellen:
Für mich ist der Jude, oder der Deutsche, oder der Amerikaner, oder auch der Zigeuner, weder eine Form der Bewertung, oder gar ein Schimpfwort, oder eine Form der Deklassierung, oder sonst was in der Richtung. Für mich bedeutet es nur den ethischen Zusammenhang, die Herkunft schlechthin. Wenn man heute das Wort "Rasse" nicht mehr verwenden darf, dann ist es schon pervers genug.
Natürlich ist es mir geläufig, dass bei dem Begriff "Jude" in Deutschland so mancher zusammenzuckt, als wäre er von irgendwas gebissen worden. Man soll das aber auch akzeptieren, dass es Leute gibt, die solche unlogischen Reaktionen ablehnen.
Ich selbst nehme die Gnade der späten Geburt für mich in Anspruch, manchmal hilft den Menschen, die sich eines Schwarz-Weiß-Denkens bedienen, dass mein Großvater im Widerstand umgekommen ist, um mich irgendwie einzusortieren. Sie übersehen aber dabei, dass das nicht mein Verdienst war, - und aufgrund dieser Tatsache habe ich meinen Großvater auch nie persönlich kennengelernt.
Dadurch, dass man mich schon als Kommunist und auch als Nazi bezeichnet hat, (nicht gerade in diesem Forum, aber anderswo), nehme ich den Querschnitt und betrachte mich als jemanden aus der politischen Mitte, - sofern es sowas überhaupt gibt.
Ums klarzustellen: Ich habe keinerlei Berührungsängste mit anderen Nationen oder Ethnien, egal, von wo sie auch herkommen. Genauso schätze ich die jüdischen Mitbürger und nehme mir auch heraus, manche ihrer Einstellungen (z.B bei der Beschneidung von unschuldigen Kindern) zu kritisieren.
Genauso kenne ich von Zeitzeugen viele verschiedene Charaktere dieser Volksgruppe. Da war ein Kinderarzt, der den armen Bergbauern ihre Kinder nicht nur umsonst behandelt hat, sondern auch noch die Medikamente aus eigener Tasche bezahlt hat. Niemand verstand, dass man so jemanden plötzlich deportiert hat. Aber es war die Angst in den Leuten, die sie schweigen ließ.
Da gabs auch einen jüdischen Geldverleiher im Waldviertel (Niederösterreich), der den Bauern das letzte Stück Vieh aus dem Stall geholt hat, weil sie nicht mehr die Zinsen bezahlen konnten.
Dazwischen gibts alle Spielarten, - da das Leben bekanntlich nicht nur aus schwarz und weiß besteht, sondern aus allen Graustufen.
Fakt ist für mich: Auch bei den Juden gibt es wie bei anderen Völkern gute und schlechte Menschen, und ich hab da überhaupt kein Problem dabei, das auch auszusprechen.
Warum gehe ich darauf so dezidiert ein:
Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich für mich, für meine Familie, für meine Kinder- irgendwelche eindoktrinierte und sonst wie propagierte und auf Generationen bezogene Pauschalschuld nicht übernehme und schlichtweg ablehne. Genauso habe ich auch die Jugendlichen, die mir anvertraut wurden, erzogen und geformt, nach bestem Wissen und Gewissen. Weil alles andere in meinen Augen unverantwortlich wäre, zu einer neuen Polarisierung führen würde und dadurch der Beginn eines neuen Konfliktes wäre.
Es mag sein, dass man durch die ständige Berieselung von irgendwelchen Medien an nichts anderes mehr glaubt, wenn man in Merkeltanien wohnt, und meint, das müsse so sein. Mein Glück war es, dass ich oft im Ausland war, und auch viele andere Meinungen gehört habe. Vielleicht ist es notwendig, um hier wieder eine vernünftige Einstellung zu seiner eigenen Identität sowie seiner Nationalität zu finden, wenn man im Ausland lebt und - so wie ich - mit einer Ausländerin verheiratet ist.
Derlei Dinge nicht auszusprechen oder mit irgendwelchen Hilfsbegriffen zu umschreiben, das kommt genau dorthin, wie ich es bereits weiter oben beschrieben habe:
"Aber es war die Angst in den Leuten, die sie schweigen ließ."
Aber genau das sollte sich nicht wiederholen, auch, wenns jetzt andersrum ist.
Und sollte es auch heute noch Leute geben, die mit den Fingern auf die früheren Generationen zeigen, mit den Worten, - "warum habt ihr nicht, habt ihr denn nicht gesehen, warum habt ihr nichts gesagt, usw.", - dann kann ich nur kommentieren, dass solche Leute absolut keine Ahnung davon haben, was damals wirklich abgelaufen ist. Ich jedoch habe mich eingehend mit dieser Zeit beschäftigt, schon aus dem Interesse für die Umstände um meinen Großvater.
Also, ums nochmal klarzustellen : Irgendwelche moralischen Scheuklappen oder Redeverbote in dieser Richtung existieren für mich nicht, ich werde mich mit jeder Nation respektvoll auseinandersetzen, mit dem Juden genauso wie mit dem Eskimo oder dem Koreaner. Nicht weniger respektvoll, aber auch nicht mehr.
Denke, dass ich das in so einem Forum mal aussprechen mußte, - dieses Forum ist es mir einfach wert, hier nicht mißverstanden zu werden.