Gegenüber heute wurden in der DDR die Terror-Bombardierungen klar als das bezeichnet was sie waren.

Hannes, inmitten des Landes S-A d. BRD in der EU, Sonntag, 14.02.2016, 05:39 (vor 3652 Tagen) @ Leserzuschrift5541 Views

Ich möchte gerne eine kleine Anfrage an die Foristen
stellen, welche in der DDR und im Besonderen in Dresden aufgewachsen
sind:

Gab es Trauerfeiern in der DDR/Dresden zum Jahrestag der Bombardierung,
und wie wurden die Opferzahlen von der DDR-Propaganda behandelt?

Danke für eure Infos und schönes Wochenende.

Thomas


Guten Morgen, Thomas!

Wie im Betreff geschrieben, eindeutig "Ja".

Nach meiner Erinnerung:

Die SED, also "Bezirksleitung" usw. legte auf dem Friedhof in Magdeburg Kränze nieder. Die DDR-"Obrigkeit" verurteilte in Reden, unter Benennung der Täter, dass Tausende Magdeburger grausam umgebracht wurden. Klar und deutlich.

Man könnte meinen, die offizielle DDR-Geschichtsschreibung war ehrlich. Nein, war sie nicht.

Damals wie heute "Propaganda" auch bei diesen schrecklichen Ereignissen unserer Geschichte, aber näher an der Wahrheit als heute, leider.

Zu den Bombenangriffen 1945: Obwohl im Norden Magdeburgs aus Braunkohle Benzin gemacht wurde, in meiner Ing-Schule noch die Fundamente der Junkers-Motorenprüfstande als Labor benutzt wurden (Asynchon-Motor-Generator, Kreisdiagramme, Drehzahl-Drehmoment ...) usw., "ehrenvolle Ziele" genug da gewesen wären, war das "Knattergebirge" ausgewählt worden. Einschließlich der vielen Kirchen dort! Wo man der DDR nun heute in blöder Weise vorwirft, diese (die Reste der Terrorfolgen!) in den 50ern abgerissen zu haben. Eine Wiederaufbauinitiative ist übrigens vor wenigen Jahren gescheitert, läuft aber weiter (wer weiß, wer weiß ...).

Ausgewählt wurde, und wirklich dann systematisch platt gemacht, der Innenstadtbereich, überwiegend Mietskasernen der kleinen Leute, einige Quadratkilometer mit der höchsten Besiedlungsdichte Europas damals. Ich glaube, nur ein Bereich in Neapel war damals dichter besiedelt(?) gewesen.

[image]
Der Altstadtbereich (Knattergebirge) 1952, die vier auf dem Bild sichtbaren Kirchenruinen (Dom, Kloster unser lieben Frauen, Johannis, Walloner) wurden übrigens durch die DDR wiederaufgebaut.

Das ist traurig und man hat und auch offiziell in der DDR getrauert, im Gegensatz zu heute.

Man darf nicht vergessen: Die Feinde der "Warschauer Paktstaaten" waren die "Obrigkeit" von U. S. A. bis Israel (nicht die Völker! "Das Kapital"! die "Obrigkeit" eben). Also gab es für die DDR-Ideologen auch keinen Grund, die Verbrechen dieser Staaten als Mächte des "Kapitals" zu verschweigen.

Da die Zeugen des Grauens damals noch lebten, wäre es auch gar nicht anders möglich gewesen - das ist wichtig!

Heute ist ein Volkfest jährliche Tradition perversen "Gedenkens" - Damals undenkbar! Hier meine Bilder zu dem letzten "Fest".

Im Westen, in der alten BRD, waren die Zeitzeugen, wie in der DDR, ja auch noch in großer Zahl am Leben. Aber: Soweit ich weiß, hatten die Mädels im Westen ja mit den Besatzern, sagen wir mal, poussiert ("deutsche Frrolleins"). Ein riesiger Unterschied zum Osten! Denn da gab es das kaum. Mit den Russen, Kasachen usw. gab es kaum Kontakt, keiner wollte das, die "Obrigkeit" nicht, erst recht nicht die ostdeutschen Mädels. Die hatten verbreitet nur Angst vor "den Russen", berechtigt.

Und mein Eindruck ist, dass Rock 'n Roll und Jazz beliebter waren im Westen, als im Osten die Russische Volksmusike [[zwinker]] des Ensembles der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland.

Kann es sein, dass man im Westen den Amis und Briten eher verzieh als im Osten?

Ostdeutschland wurde nicht, sagen wir mal "individualistisch" sozialisiert, wie der Westen. Hier gilt Eigennutz vor Gemeinnutz regelmäßig. Da gibt es diese berüchtigten Studien zu den gemeinschaftlichen Töpfchensitzungen im frühkindlichen DDR-Leben als tiefere Ursache der Traumatisierungen dieser etwas wunderlichen Ossis [[zwinker]]

Außerdem hat im Westen, gefühlt, bald jeder eine Nichte, die mit einem Itaker verheiratet ist. Der gemeine Wessi hat deshalb Angst vor der A. f. D. - Denn die Propaganda lehrt ihn ja: Die Neurechten wollen am Ende einen Ariernachweis einführen, wenn die Abschiebungen kommen, gefährlich gefährlich ... [[hae]]

So erkläre ich mir die Entstehung von PEGIDA im Osten und die mangelnde Resonanz im Westen, man denkt durchaus noch völkisch hier. Sorry, mein Eindruck.

Fazit:
Die klare Benennung der Verbrecher war im Osten damals deutlicher als im Westen, leider nur vorübergehend. Aber "die Ossis" hatten eine andere Geschichte, Fakt.

Der Russe ist nun weg und bis Polen und Baltikum nun der gemeinsame Feind von uns und den Angloamerikanern geworden.

Bekämpfung des Nationalen hat oberste Priorität. Nationales Gedenken geht gar nicht, nicht nur deshalb.

Was hat diese Erkenntnis der Unterschiedlichkeiten für Folgen für die Zukunft? Guckstu da.

Guten Morgen,
H.

--
Eine Hand für den Mann und eine Hand für das Schiff.


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